EL BUEN SAMARITANO e.V.

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El Buen Samaritano in Perú

Schulkinder der Schule von El Buen Samaritano in Mariátegui, Lima

Schon in den achtziger Jahren wurde in einem Armutsgebiet Limas, Villa María del Triunfo, der Grundstein für El Buen Samaritano [der barmherzige Samariter] gelegt: In einem ehemaligen Hühnerstall richteten Gloria und Telmo Casternoque mit eigenen Mitteln eine Vorschule für die Kinder der Ärmsten unter ihren Nachbarn ein. Telmo verdiente damals den Lebensunterhalt der Familie als Torwächter in einem Bürohaus, Gloria unterrichtete gemeinsam mit einer Verwandten kostenlos in der Vorschule.

Die erste Vorschule in Villa María del Triunfo 1989 mit Holger von Rauch

Der Kontakt nach Deutschland entstand 1989, als sich Holger von Rauch vor Antritt seines Studiums für ein halbes Jahr in Perú aufhielt und dort die Bekanntschaft der Casternoques machte. 1990 entstand der deutsche Verein, der seinen Namen dem peruanischen Projekt entlieh, und seither konnten ohne Unterbrechung jeden Monat Spendengelder nach Perú überwiesen werden, die es ermöglichten, die Arbeit mehr und mehr zu entwickeln und auszuweiten.

Seit 1991 liegt das Hauptaktivitätsgebiet von El Buen Samaritano im Armutsgebiet Mariátegui (genauer: José Carlos Mariátegui) am nördlichen Rand Limas. Damals lebten die Menschen dort in notdürftigen Schilfgeflechthütten, hatten kein Recht an dem Boden, auf dem sie lebten, und mussten immer Angst haben, von dort vertrieben zu werden. Es gab weder Wasserleitungen und Kanalisation noch elektrischen Strom und keine Verkehrsanbindung. Inzwischen hat sich einiges gebessert, so gibt es jetzt Strom, und die Gefahr von Hüttenbränden durch Kerzen ist geringer geworden. Ferner sind die Bewohner bei der Wasserversorgung nicht mehr von Zisternenwagen abhängig; es gibt jetzt Wasserleitungen und Wasserhähne. Wie in den anderen armen Vororten Limas fließt das Wasser aber nur alle paar Tage und muss dann von den Bewohnern in Blechtonnen, Kanistern und Eimern gesammelt und verwahrt werden. Durch die Lagerung des Wassers treten dann wieder dieselben hygienischen Probleme wie zuvor auf. Inzwischen ist eine asphaltierte Straße bis an den Rand des Gebietes gebaut worden, und manche Busse und Sammeltaxis fahren auf den Lehmpisten in das Gebiet hinein; so ist die Verkehrsanbindung viel besser geworden. Manche Familien konnten sich inzwischen solidere Häuser bauen; und die meisten Bewohner haben Eigentumsnachweise für ihre Grundstücke in der Tasche.

Hütten in Mariátegui

Aber auch heute lebt noch ein großer Teil der Menschen hier in bitterster Armut. Es gibt noch viele Schilfgeflechtshütten ohne jede Ausstattung und es kommen immer neue hinzu. Besonders ihren Bewohnern fehlt es am elementar Nötigsten, an Bildungsangeboten, medizinischer Beratung und Versorgung und an Arbeitsmöglichkeiten. Vor allem an sie richtet sich das Angebot von El Buen Samaritano, das immer zum Ziel hat, den Menschen dabei zu helfen, ihre Lage selbst zu verbessern.

Die Schule El Niño Jesús

(—> Anmerkungen zum peruanischen Bildungssystem)

Die Schule ist das Herz der Arbeit. Für ihren Betrieb wird der größte Teil der Mittel verwendet. Sie konnte in den letzten Jahren stark erweitert werden. Seit 2006 werden alle drei Vorschuljahre und alle sechs Primarschuljahre angeboten.

Das Schulgebäude

In der Schule arbeiten derzeit neun ausgebildete Lehrerinnen und Vorschullehrerinnen und zwei Hilfskräfte. Die Lehrerinnen arbeiten engagiert, weil sie wissen, dass sie nicht für eine gewinnorientierte Firma arbeiten, sondern für ein Werk, das besonderen ethischen Ansprüchen verpflichtet ist.

In der Schule

Über 200 Kinder aus besonders bedürftigen Familien werden hier liebevoll und intensiv unterrichtet und betreut. Sie werden dabei nicht aus ihren Familien herausgelöst, sondern bleiben voll in der Obhut ihrer Eltern. Viel Zeit verwenden die Lehrerinnen deshalb auch auf die Arbeit mit den Eltern, die häufig selbst keine Bildung genossen haben und denen vermittelt werden muss, wie wichtig Bildung für ihre Kinder sein wird.

Das Gesundheitsprogramm

(—> Anmerkungen zum Gesundheitswesen in Perú)

Im Jahr 1992 baute El Buen Samaritano gemeinsam mit einer anderen Organisation und mit den Bewohnern eine Medizinstation in Mariátegui, die seit 1998 vom peruanischen Gesundheitsministerium betrieben wird. Ergänzend dazu bemüht sich El Buen Samaritano um eine besondere Betreuung der Vorschulkinder und ihrer Familien, etwa durch Bildungsmaßnahmen zu Gesundheitsvorsorge, Hygiene, Familienplanung etc.

Weitere Aktivitäten im Gesundheitssektor unterstützt El Buen Samaritano e.V. auch im —> Amazonasurwald.

Volksküche und Werkstätten

El Buen Samaritano bietet den Bewohnern von Mariátegui keine Armenspeisung an. Entsprechende Eigeninitiativen der Bewohner werden aber unterstützt: Als sich in der Nachbarschaft der Schule aus einer Mütterinitiative eine Volksküche bildete, stellte ihr El Buen Samaritano einen großen Herd und Kochtöpfe zur Verfügung, und half ihnen bei der Überdachung der Räumlichkeiten. Heute ist diese Volksküche staatlich anerkannt.

In der Volksküche bei der Schule in Mariátegui

Seit 1993 wurden mehrere Anläufe zur Einrichtung kommunaler Werkstätten unternommen, die zunächst Berufsausbildungs-, später auch Arbeitsmöglichkeiten für Bedürftige schaffen sollten. Als Erfolg dieser Unternehmungen ist zu verzeichnen, dass tatsächlich insbesondere einige der Frauen, die damals an Näh- und Handarbeitskursen teilgenommen haben, sich und ihren Familien mit diesen Fertigkeiten heute den Lebensunterhalt verdienen.

Die Arbeit mit den Straßenkindern in Lima

Hinweis: Die Arbeit mit den Straßenkindern ruht bis auf weiteres (seit März 2006).

Tausende von Menschen leben in Lima auf der Straße. Männer, Frauen und vor allem Kinder. Sie sammeln gemeinsam mit herrenlosen Hunden Müll, betteln, prostituieren sich, stehlen und rauben gewaltsam. Ein alltägliches Bild sind Kinder, die aus Plastiktüten Klebstoffdämpfe inhalieren und sich damit berauschen und ihre Gesundheit ruinieren. Sie werden von ihrer Umwelt als minderwertig angesehen und behandelt und fühlen sich dementsprechend auch so. Anders als viele Menschen in den Slums haben sie auch keine Hoffnung auf ein besseres Leben mehr. Zehn-, Zwölf-, Fünfzehnjährige ohne Träume und Ziele.

Diese Menschen besucht Telmo Casternoque unregelmäßig unter einer Brücke über den Rímac-Fluss, ganze 150 Meter vom Regierungspalast entfernt. Es ist ein variabler Kreis, der zu diesen Treffen kommt, die ungezwungen verlaufen. Man plaudert, singt gemeinsam, manchmal wird auf offenem Feuer gekocht. Unter der Überschrift „Die sauberen Köpfe“ läuft ein Hygieneprogramm. Es umfasst eine Behandlung gegen Ungeziefer am Kopf, dem übrigen Körper und der Kleidung, Haarschnitt (das macht Telmo Casternoque selbst, der das Friseurhandwerk zu seinen vielen Berufen zählt), Ganzkörperwäsche mit Seife, gegebenenfalls Maßnahmen gegen Hautflechten, Pilzerkrankungen und Krätze.

Straßenkinder beim einem von El Buen Samaritano finanzierten gemeinsamen Essen

Das Vertrauen der Straßenmenschen zu gewinnen und sie auf einen Weg fort von der Straße in ein würdigeres Leben zu führen, kann nur in seltenen Fällen gelingen. Das weiß auch Telmo Casternoque. Er formuliert entsprechend das Ziel der Aktion bescheiden: "Das Ziel ist es, wenigstens einen Menschen oder eine Familie im Jahr zu retten."

El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

Hinweis: Die Unterstützung der Arbeit im Urwald ruht bis auf weiteres (seit April 2006).

An der Cocha del Caro Curahuayte, einer sehr abgelegenen Lagune, eine Kanutagesreise von der kleinen Stadt Requena am Amazonaszufluss Ucayali, begann die Arbeit von El Buen Samaritano 1994. Die Zielgruppe sind hier die verstreut um die Lagune angesiedelten Familien, die im wesentlichen vom Fischfang und primitiver Viehhaltung und Landwirtschaft (vor allem Bananen und Maniok) leben. Der einzige Transportweg ist das Wasser, das Verkehrsmittel Kanus.

Bewohner von El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

Ein wichtiges Ziel war zunächst die Vernetzung der Siedler, damit sie eine eigene Organisationsstruktur aufbauen und ihre Interessen gegenüber den staatlichen Einrichtungen artikulieren könnten. So entstand eine neue kleine Siedlung an einem vor Hochwasser geschütztem Ort, die nach dem Willen der Bewohner El Buen Samaritano heißt. Gemeinsam mit den Bewohnern konnten eine Schule und eine Medizinstation gebaut werden. Seit 1998 ist die Schule mit einem vom Staat bezahlten Lehrer im Betrieb, und ein von El Buen Samaritano bezahlter Krankenpfleger bietet den Menschen in der Umgebung medizinische Dienste im Rahmen staatlicher Programme und darüber hinaus an.

El Buen Samaritano als Vorbild für Andere

Die erfolgreiche Arbeit von El Buen Samaritano in den Armutsgebieten von Lima hat mehrere andere Peruaner zu ähnlichen Aktivitäten an verschiedenen Orten in Perú inspiriert. So wurden z.B. Volksküchenprojekte in Tacna (Südperú), Dorfentwicklungsprojekte im Andengebiet um Cuzco (—> ausführliche Darstellung) und kleinere Aktivitäten in den Städten Camaná und Chimbote aufgebaut.

Einige dieser Projekte konnten in der Anfangsphase durch El Buen Samaritano e.V. finanziell unterstützt werden.

Mehr Information

Viele weitere und aktuelle Informationen sind in den —> Rundbriefen von El Buen Samaritano e.V. enthalten!


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