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50. Rundbrief mit Berichten
über Juli bis Dezember 2006

—> Den Rundbrief gibt es auch als .PDF-Datei zum Ausdrucken <—

Schulkinder in unserer Schule in Mariátegui

Inhalt:


Sulzbach/Saar, im April 2007

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

der Jubiläumsrundbrief (Nummer 50 in gut 18 Jahren) kommt – wie schon viele vor ihm – mit einiger Verspätung. Ich habe in den letzten Monaten endgültig meinen Berufswechsel in die Computersoftwarebranche vollzogen, was mir wenig Zeit für anderes ließ.

Glücklicherweise war das hinsichtlich der Arbeit in Perú aber nicht weiter schlimm, denn bei Ulrike Sallandt und Michell Solari ist sie dort in guten Händen. Ich muss keinen Informationen hinterherlaufen, keine Angst vor seltsamen Fehlentscheidungen haben und bekomme die Finanzberichte pünktlich und einwandfrei.

Die Arbeit in Lima schreitet in sehr erfreulicher Weise voran. Vornehmlich Michell kümmert sich um das tägliche Geschäft, weil Ulrike neben ihrer hauptsächlichen Berufstätigkeit weniger Zeit dafür hat. Er hat sich hervorragend eingearbeitet und erweist sich als guter Manager und als guter Psychologe, der es geschafft hat, die ganzen Konflikte, die es bis zuletzt im Lehrerkollegium gegeben hat, zu bewältigen und das Kollegium zu einem richtigen Team zu machen. Das war schwieriger, als man glauben sollte, aber in der Situation der Bedrohung mit Arbeitsplatzverlust, wechselnder Loyalitäten, des Misstrauens und der Intrigen, wie sie sich zuletzt herausgebildet hatte, konnte von Teamarbeit keine Rede mehr sein. Ulrike und Michell führten gemeinsam einen mehrtägigen Workshop mit dem ganzen Kollegium durch, bei dem es ihnen offenbar gelang, das Eis zum Brechen zu bringen.

Bitte lest hierzu auch den Bericht unserer Lehrerin Gina Cabrera, die übrigens nebenberuflich als Pfarrerin in einer methodistischen Gemeinde in einem anderen Stadtteil Limas tätig ist.

Ergänzend zu Michells Bericht, der ja schon einige Wochen alt ist, darf ich Euch berichten, dass der Widerspruch gegen das Bußgeld wegen früherer Unregelmäßigkeiten bei der Sozialversicherung der Lehrer(innen), abgewiesen wurde, und sich die Summe, die unsere Schule zahlen sollte, am 12. Februar auf über 2000 Soles, (also über 500 Euro) belief. Michell fragte bei uns an, ob dieser Betrag von den Spendengeldern bezahlt werden sollte, da anderenfalls Maßnahmen bis hin zu einer Schließung der Schule zu befürchten wären. Ich war dagegen. Schließlich leistet El Buen Samaritano eine Arbeit, die nach allgemeinem Verständnis eigentlich eine Aufgabe des peruanischen Staates wäre, und da wäre es ja wirklich widersinnig, wenn wir dazu nun auch noch solche Bußgelder an den Staat entrichten würden – zumal jetzt, wo ja endlich allen gesetzlichen Anforderungen Genüge getan wird. Also war mein Standpunkt: „Wir sagen, dass wir das Geld nicht aufbringen können; sollen sie die Schule doch schließen, wenn sie es wirklich wagen.“ (Was würde wohl die Presse dazu sagen? Was die Eltern der Kinder?)

Michell wappnete sich mit juristischem Wissen, guten Argumenten und einigem Kampfgeist und schaffte es, einen Gesprächstermin mit den Verantwortlichen im Arbeitsministerium zu bekommen. Ergebnis: Der Bußgeldbescheid wurde ersatzlos aufgehoben. (Geschickte Diplomatie gehört somit ebenfalls zu seinen Stärken.)

Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg und werten ihn als gutes Omen auf dem Weg zu einer adäquaten Anerkennung der Arbeit von El Buen Samaritano durch den peruanischen Staat. Der nächste Schritt soll nun sein, dass die Schule den Status einer gemeinnützigen Einrichtung erhält – bislang gilt sie offiziell als Privatschule und wird dementsprechend wie ein gewinnorientiertes Unternehmen behandelt.

Hoffentlich können wir bald auch unser Freiwilligenprogramm wieder anlaufen lassen. Eine ungeklärte Frage ist hierbei einstweilen noch die der Unterbringung.

Viele optimistische und herzliche Grüße

sendet Euer
Holger von Rauch

PS: Die Fotos aus dem Rundbrief sind in der Internetausgabe bei EBSeV.de farbig! (Wer lieber die elektronische Fassung liest oder sich ausdruckt, kann Aufwand sparen helfen und die Druckfassung abbestellen.)


Bericht von Michell Solari
über die Monate Juli bis Dezember 2006

(Beide Berichte übersetzt von Holger von Rauch)

Liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano e.V.,

„Auch die längsten Reisen beginnen mit einem ersten Schritt ...“

Das Schuljahr endete im Dezember mit einigen schönen und weniger schönen Momenten, die uns spüren lassen, dass der Weg, den die Schule El Niño Jesús noch vor sich hat, lang ist – und deshalb sehen wir lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit.

Ihr unterstützt mit Euren Spenden Kinder, die Ihr nicht persönlich kennt, die aber doch in den Herzen jedes einzelnen von Euch die Bereitschaft wecken, an diese Sache zu glauben: die Schule El Niño Jesús in Mariátegui, Lima, Perú. Wir danken Euch dafür und für Euren Beistand bei unserer Arbeit, ohne den sie viel schwerer zu leisten wäre.

Das Jahr 2006 haben wir mit dringenden und weniger dringenden Zielen auf der Agenda abgeschlossen.

1. Frühstücksprogramm: Wir konnten ab Juli Elternkommissionen organisieren, die für die Zubereitung des Frühstücks zuständig waren. So konnte täglich Frühstück an die Kinder verteilt werden. Die Elternkommissionen bestehen aus vier Eltern täglich, die etwa drei Stunden für die Zubereitung und Verteilung des Frühstücks aufwenden müssen. Im dritten Stock der Schule richteten wir einen Raum als Küche ein, den wir mit einem großen Gasherd, Töpfen, Küchengeräten usw. ausrüsteten. Wir hoffen für dieses Jahr 2007, dass es uns gelingt, bei den Eltern ein größeres Verantwortungsbewusstsein zu wecken, denn das Frühstücksprogramm kann nur funktionieren, wenn alle Eltern verabredungsgemäß mitwirken.

2. Im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres mussten wir auf Verlangen des Arbeitsministeriums und wegen der Unregelmäßigkeiten unter der früheren Schulleitung den Lehrerinnen und Lehrern regelrechte Arbeitsverträge ausstellen. Seit Juni können die Lehrerinnen und Lehrer nun alle gesetzlichen sozialen Leistungen in Anspruch nehmen. Im April 2006 hatten wir vom Arbeitsministerium einen Bußgeldbescheid über 1.700 Soles [ca. 430 Euro] erhalten, weil das Lehrpersonal in den drei zurückliegenden Jahren nicht ordnungsgemäß versichert war. Wir haben Widerspruch eingelegt.

Die Schule El niño Jesús in Mariátegui

3. Wir sind nun dabei, formell einen Verein mit dem Namen El Niño Jesús zu gründen, der künftig als offizieller Träger der Schule fungieren soll. Bisher wird die Schule vom Staat wie eine kommerzielle Privatschule behandelt. Durch die Gründung des Vereins, der als gemeinnützig anerkannt werden soll, wollen wir diesen Status ändern. Leider wäre es mit zu großem bürokratischem Aufwand verbunden gewesen, die Schule in El Buen Samaritano umzubenennen und entsprechend den Verein so zu nennen.

Unsere konkreten Ziele für 2007

– Psychologische Dienste: In diesem Jahr haben wir ein professionelles psychologisches Programm für die Kinder der Schule El Niño Jesús aufgelegt. Die Notwendigkeit ergibt sich aus unseren Evaluationen zum Schuljahresende, wo wir feststellen konnten, dass wir einen nennenswerten Anteil von Kindern mit Lernproblemen und Kindern aus Elternhäusern mit familiärer Gewalt haben. Fürs erste soll der Psychologe (oder die Psychologin) einmal pro Monat kommen, und später, je nach den Diagnosen und dem Bedarf, bis zu zwei Mal pro Monat.

– Medizinische Hilfen: Analog zum psychologischen Programm möchten wir in diesem Jahr auch einen monatlichen Besuch eines Arztes ermöglichen, der die Kinder mit gesundheitlichen Problemen untersuchen und behandeln kann.

– In den nächsten Monaten werden wir alle Unterlagen beisammen haben, die die Voraussetzung dafür bilden, dass wir in das Verzeichnis der gemeinnützigen Vereinigungen aufgenommen werden können. Das wird ein wichtiger Schritt nach vorn sein, denn damit stehen uns einige Vergünstigungen durch staatliche Stellen offen, wie ermäßigte Tarife für Wasser, Strom, Telefon, das Verfahren um den Eigentumstitel für das Schulgrundstück und andere.

– Sechstes Schuljahr: In diesem Jahr wird die Schule bis zur sechsten Grundschulklasse ausgebaut, womit unsere Schule El Niño Jesús das Primarschulangebot komplettiert. Aus diesem Grund haben wir ein weiteres Klassenzimmer ausgestattet. Die Lehrerstelle schrieben wir öffentlich aus – und erhielten 83 Bewerbungen, von denen 25 die Voraussetzungen für die sechste Primarschulklasse erfüllten. Nach fünf Eignungstests (einem psychologischen, einem technischen, einem handwerklichen, einem pädagogischen und einem Wissenstest) war die Lehrerin mit dem besten Resultat Frau Ketty Luna, die nun gemeinsam mit den anderen Lehrern die Planung für das Schuljahr 2007 vornimmt. Der Unterricht beginnt am 5. März.

– Wir veranstalten Elternwerkstätten über Gewalt und Misshandlung in der Familie, Drogenabhängigkeit, Alkoholismus und andere Themen, um damit die Bildungsarbeit der Schule zu ergänzen und auf das Umfeld einzuwirken, in dem die Kinder Tag für Tag leben. Die Durchführung der Werkstätten und Vortragsveranstaltung überlassen wir spezialisierten Institutionen. Sie finden einmal pro zwei Monate statt.

In der Hoffnung, dass dieses Jahr 2007 ein Jahr mit weiteren Fortschritten wird – auch für jede(n) von Euch – verabschieden wir uns mit einem herzlichen Gruß

Michell Solari und Ulrike Sallandt


Brief von der Lehrerin Gina Cabrera

Es war ein Jahr voll harter Arbeit, sowohl im pädagogischen, wie im strukturellen und im moralischen Bereich. Ein ständiger Dialog und Anstrengungen, um eine Teamarbeit möglich zu machen, den Unterricht unter normalen Bedingungen stattfinden zu lassen und die Schulklassen und die Disziplin im Griff zu behalten.

Die Lehrerin Gina Cabrera in der Schule

Die Schulleitung hat allmählich an Stärke gewonnen und eine klare Richtung eingeschlagen. Eltern und Lehrer wurden zunehmend in die Arbeit eingebunden, es wurden neue, demokratische Strukturen geschaffen. Dabei gab es auch Probleme unter uns als Kollegen, aber wir haben uns diesen Problemen gestellt sind sie offen angegangen, mit dem Ergebnis, dass wir einander verzeihen konnten und den Willen fassten, alles neu aufzubauen und diese gemeinsame Haltung hat uns neu und enger zusammengeschweißt. Gegen Ende des Jahres beklagten einige Elternvertreter, es habe zu wenig Dialog gegeben und sie hätten zu wenige Funktionen in der Schule gehabt, aber auch diese Angelegenheit konnte bei einem gemeinsamen Mittagessen geklärt werden.

Mir persönlich hat das geholfen, weiter zu wachsen und besser zuzuhören, den Kontext, die Situation und die Ansichten jedes einzelnen Menschen besser kennenzulernen und mehr seine guten Seiten als seine Fehler zu sehen. Ich vertraue und bete zu Gott, dass Er uns die Weisheit, die Liebe und den Frieden für dieses Jahr 2007 geben möge, damit unsere Arbeit noch exzellenter für die Kinder von Mariátegui wird.

Ulrike und Michell, die Vertreter von El Buen Samaritano e.V., verhielten sich während und nach der ganzen Phase der Veränderungen äußerst angemessen und effizient. Sie hatten eine praktische Sicht der Dinge, bei der es darum ging, die Arbeit weiterzuführen und einen offenen Dialog mit uns zu führen und uns anzuhören. Die monatlichen Personalversammlung in der Schule fanden regelmäßig statt, immer genau geplant und in einer guten Atmosphäre. An einem ganzen Tag konnten wir Ideen austauschen und wurden in zwei sehr guten Workshops von Ulrike und Michell zu einer besseren professionellen Teamarbeit hingeführt. Michell hatte ständig ein offenes Ohr für alles, was uns betraf, und wenn es auch bisweilen Meinungsverschiedenheiten mit dem Direktor gab, so konnte doch immer alles gelöst werden, und obwohl Michell sicher sehr beschäftigt ist, machte er seine Arbeit sehr gut.

Die Lehrerin Gina Cabrera in der Schule

Einen geschwisterlichen Gruß sendet

Gina Cabrera Sierra


Michell Solari in Mariátegui


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