EL BUEN SAMARITANO e.V.

Start-
seite
Kontakt &
Impressum
EBS in
Perú
Rund-
briefe
Informations-
material
Kasse Fragen &
Antworten
Suche

49. Rundbrief mit Berichten
über Januar bis Juni 2006

—> Den Rundbrief gibt es auch als .PDF-Datei zum Ausdrucken <—

Kinder in Mariátegui

Inhalt:


Sulzbach/Saar, im August 2006

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

es liegen einige sehr schwere Monate hinter uns, die die einschneidendsten Veränderungen gebracht haben, die es in der fast siebzehnjährigen Geschichte unserer Organisation jemals gegeben hat. Wir haben einen für uns bis dahin unvorstellbaren Vertrauensbruch seitens unserer Partner erlebt. Die Folge ist, dass die Zusammenarbeit mit Javier Méndez, Gloria Aliaga und Telmo Casternoque ganz eingestellt werden musste – obwohl es der ausdrückliche Wunsch der Mitgliederversammlung und unser Bestreben gewesen war, die Arbeit mit diesen Leuten fortzusetzen.

Bitte lest hierzu den Bericht von Ulrike Sallandt und Michell Solari und auch die beiden Berichte zweier unserer Lehrerinnen.

Ich möchte hier nicht viel über Verletzung, Enttäuschung und Schmerz sagen. Lieber möchte ich an dieser Stelle die Leistung von Ulrike und Michell hervorheben, die es in einer ungeheuer schwierigen (und mitunter sogar gefährlichen) Situation verstanden haben, die richtigen Schlüsse zu ziehen und mit Einfühlungsvermögen und Augenmaß das Notwenige zu tun. Ohne Übertreibung: Die beiden haben El Buen Samaritano das Leben gerettet. Ihnen und unseren Lehrerinnen und Lehrern ist es zu verdanken, dass der Schulbetrieb auch während der ganzen Umwälzungen normal aufrechterhalten werden konnte.

Sie schafften es auch, das gesamte Schulpersonal bei der Stange zu halten. Alle, die im 47. Rundbrief vor einem Jahr von ihrer Arbeit berichteten, sind auch heute noch in der Schule tätig. Unter der Leitung des neuen Direktors Humberto Reátegui verwalten und organisieren sie ihre Arbeit nun selbst. Ulrike und Michell geben Impulse und steuern und überwachen die finanziellen Dinge.

So ist erstaunlich schnell wieder Ruhe und Stabilität eingekehrt, es herrschen ein frischer, kollegialer Wind und Aufbruchstimmung in unserer Schule, und alle Kräfte konzentrieren sich auf das, worauf es ankommt: Die Förderung der Kinder der Ärmsten von Mariátegui.

Die beiden zusätzlichen Bereiche, nämlich die Arbeit mit Straßenkindern in Lima und die Medizinstation im Urwald, können wir zurzeit nicht unterstützen, weil die eine von Telmo allein durchgeführt wurde und bei der anderen die ganze Kommunikation über ihn persönlich lief. Zumindest die Arbeit im Urwald wollen wir aber so schnell wie möglich wieder aufnehmen.

Ich möchte bei den unschönen Dingen, von denen wir in diesem Rundbrief berichten müssen, ausdrücklich vor verallgemeinernden Folgerungen oder Deutungen über „die Peruaner“ warnen. Jeder Mensch ist selbst und persönlich für sein Handeln verantwortlich und kann sich nicht auf seine Nationalität (oder Mentalität oder was auch immer) berufen. Phänomene wie Realitätsverlust, Selbstüberschätzung, Untreue, Korruption, Machtmissbrauch und Menschen, die ihren einst eingeschlagenen Weg aus den Augen verlieren, kennen wir aus der großen Politik, und es gibt sie eben auch im Kleinen.

Wir wissen, dass die Dinge, die geschehen sind, viele von Euch sehr betroffen machen werden und vielleicht auch geeignet sein können, manche von Euch davon abzuschrecken, El Buen Samaritano weiter unterstützen zu wollen.

Ich selbst hatte seinerzeit persönliche Gründe (Respekt und Zuneigung für Telmo), die mich dazu bewogen, in Deutschland einen Unterstützungsverein für soziale und pädagogische Arbeit in den Armutsgebieten in Lima gründen zu wollen. Doch heute, nach dem Wegfall dieser persönlichen Gründe, habe ich gleichwohl hundertmal mehr Gründe, die Arbeit fortsetzen zu wollen!

Den Kindern der Ärmsten in Mariátegui ein gutes Bildungs- und integrales Betreuungsangebot zu machen, das für sie ohne unsere Unterstützung unerreichbar wäre, ist ein Zweck, für den sich unser Einsatz auch weiterhin uneingeschränkt lohnt, davon bin ich fest überzeugt.

Und: Es gibt nun wirklich überhaupt keinen Grund, der dafür spräche, das über so viele Jahre mit Euren Spendengeldern aufgebaute Werk jetzt plötzlich aufzugeben und sich selbst zu überlassen.

Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit in Mariátegui sind, so merkwürdig es auch klingen mag, heute so gut wie lange nicht mehr. Darum meine ich es ernst mit meiner Bitte: Lasst Euch von dem Geschehenen nicht abschrecken und bleibt dabei!

Viele herzliche Grüße

sendet Euch Euer
Holger v. Rauch
Holger v. Rauch

PS: Sehr dankbar sind wir für den Aufenthalt von Simon Nonnenmacher. Er leistete bei El Buen Samaritano den Anderen Dienst im Ausland (ADiA – als Ersatz für den Zivildienst). In Perú hat er eine unruhige Zeit miterlebt. Aber er hat sich sehr verständnisvoll verhalten und das Beste daraus gemacht und er darf heute auf ein erfolgreiches Jahr in Perú zurückblicken. Bitte lest seinen Bericht weiter hinten im Heft. Auch alle Fotos in diesem Rundbrief stammen von Simon. Hoffentlich können wir bald die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wieder so ein Dienstleistender oder andere Freiwillige bei uns in Perú mitarbeiten können.


Bericht von Ulrike Sallandt und Michell Solari

Liebe Freunde, liebe Freundinnen von El Buen Samaritano e.V.,

wie Ihr ja schon aus dem letzten Rundbrief wisst, helfen wir seit dem Beschluss der Mitgliederversammlung im November 2005, nach dem die Verantwortung für die Arbeit in Perú neu verteilt werden sollte, hier in Lima mit. Die ursprüngliche Zielsetzung war, einigen Fehlentwicklungen, die Holger von Rauch bei seinem Aufenthalt in Perú im letzten Jahr festgestellt hatte, entgegenzuwirken und Gloria und Javier im Bereich der Verwaltungsaufgaben zu unterstützen, um auf diese Weise die Projektarbeit effektiver zu gestalten.

Unsere wie Eure Hoffnung war dabei, dass es glücken würde, für Telmo, Gloria, Javier und alle anderen Mitarbeiter von El Buen Samaritano in Perú geeignete Aufgabenfelder mit entsprechenden Verantwortungen zu finden, damit alle weiter bei El Buen Samaritano tätig sein können.

Wir behielten diese Hoffnung auch, obwohl die Arbeit in der ersten Zeit eher langsam anlief, weil Telmo den Beschluss der Mitgliederversammlung nicht akzeptierte, und weiterhin täglich in Mariátegui anwesend war und sich dort als alleiniger Chef der Schule gebärdete. Wir versuchten ihn davon zu überzeugen, seine Verantwortung in der Schule abzugeben, sich auf seine anderen Arbeitsgebiete, zum Beispiel die Arbeit mit den Straßenkindern, zu konzentrieren und wieder mit El Buen Samaritano e.V. zusammenzuarbeiten. Doch leider hatten wir damit keinen Erfolg.

Nach unserem Deutschlandaufenthalt zu Anfang des Jahres, bei dem wir mit Holger in Steinfurt ausführlich über unsere Aufgaben und Zielsetzungen gesprochen hatten, ging es uns zunächst darum, einen Kontakt mit allen Mitarbeitern, d.h. den Lehrer/innen der Schule herzustellen. Diese Kontaktaufnahme gestaltete sich schwierig, denn Javier und wohl auch Telmo im Hintergrund taten alles, um ein solches Treffen zu verhindern.

Schließlich glückte es uns aber doch, im März das ganze Personal zu versammeln.

Wir mussten feststellen, dass die Lehrer/innen sehr verunsichert und teilweise sogar verängstigt waren. Sie waren einfach nicht darüber informiert worden, dass Telmo nach Beschluss der Mitgliederversammlung nicht mehr alleiniger Repräsentant von El Buen Samaritano e.V. ist. Stattdessen hatten Gloria, Javier und Telmo ihnen gesagt, es käme kein Geld mehr aus Deutschland und dass ihre Arbeitsplätze daher in Gefahr seien!

Wir informierten die überraschten Anwesenden darüber, dass der Verein bis zu diesem Zeitpunkt in keinem Moment die Geldzufuhr gestoppt hatte und dass der Verein sehr wohl weiterhin an der Unterstützung der Schule interessiert ist. Die Lehrer/innen waren sichtlich erleichtert, zu erfahren, dass sie ihre Arbeit behalten würden. Wir sprachen auch über Pläne und Ideen für die Zukunft und erklärten, wie wir uns die zukünftige Zusammenarbeit und Mitarbeit unter bzw. mit den Lehrer/innen vorstellten. Telmo und Javier waren zu dieser Sitzung trotz Einladung gar nicht erst erschienen und Gloria sagte im Verlauf der gesamten Versammlung kaum etwas.

Zwei weitere Ereignisse führten uns nun zu einer sehr traurigen Erkenntnis, die wir Euch leider mitteilen müssen:

1. Michell und ich schlugen Gloria vor, die Lehrergehälter ab sofort monatlich per Banküberweisung zu zahlen und nicht wie seither in bar. Wir erachteten es für zu gefährlich, dass Gloria mit so viel Bargeld in Mariátegui unterwegs ist, wo es häufig zu gewaltsamen Raubüberfällen kommt. Javier und Gloria lehnten diesen Vorschlag aber entschieden ab, und zwar mit der Begründung, dass Ihnen damit ihre Autorität gegenüber den Lehrer/innen verloren ginge. Wir wunderten uns über diese Begründung.

2. Bei der ersten gemeinsamen Sitzung mit den Lehrer/innen machte uns eine Bemerkung einer der Lehrerinnen stutzig, die beklagte, dass sie die gesamten Ferien umsonst gearbeitet hätte. Dies veranlasste uns, die Gehaltsabrechnungszettel nochmals zu kontrollieren, die Javier uns für Januar und Februar eingereicht hatte. Bei der Prüfung der Unterschriften des Lehrpersonals machten wir nun folgende haarsträubende Feststellung:

Die Unterschriften auf diesen Belegen waren eindeutig gefälscht!

Wie sich auf Nachfrage herausstellte, war den Lehrer/innen in den ersten beiden Monaten des Jahres kein Gehalt gezahlt worden, sondern nur eine kleine finanzielle Unterstützung für ihre Fortbildungen (etwa ein Fünftel ihres Gehalts). Aber im Finanzbericht wurden trotzdem die vollen Gehälter abgerechnet, und es wurden uns unterschriebene Belege eingereicht.

Nachdem wir das also wussten, sprachen wir mit Javier und Gloria. Beide räumten diesen Tatbestand ein: Tatsächlich hatten sie gemeinsam mit Telmo die Unterschriften auf den Belegen gefälscht! Das Geld war verwendet worden, um Telmo bestimmungswidrig weiterhin ein Gehalt zu bezahlen. Ferner wurde ein Gehalt an Ricardo Candia bezahlt, für den noch nie eine Bezahlung vorgesehen war, Javiers Gehalt wurde erhöht, und den Rest verwendete die Familie Casternoque, um diverse laufende Rechnungen zu begleichen. Unsere Vermutung, das Geld sei vielleicht wegen einer besonderen Notlage veruntreut worden, bestätigte sich nicht. Unsere Vertrauenspersonen hatten sich das Geld schlicht und einfach untereinander aufgeteilt – und dafür die Lehrer und Lehrerinnen (die selbst alle Familien zu ernähren haben) zwei Monate lang praktisch ohne Geld sitzen lassen!

Wir nahmen umgehend Kontakt zu Holger in Deutschland auf und erörterten mit ihm den Sachverhalt. Ihr könnt Euch vorstellen wie schockiert und maßlos enttäuscht wir alle waren!!

Die Folgerung war eindeutig: Die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war durch diese Vorkommnisse zerstört. Es war klar: El Buen Samaritano e.V. kann die Arbeit der Schule in Mariátegui nur dann weiter finanziell tragen, wenn die an diesem Betrug beteiligten Personen dort keine Verantwortung mehr haben.

Wir führten also neuerlich Gespräche mit Telmo und Gloria. Leider haben bis heute weder sie noch sonst jemand von den an dem Betrug beteiligten Personen irgendeine Art von Entschuldigung oder wenigstens ein Eingeständnis der Unrechtmäßigkeit dessen, was vorgefallen war, geäußert.

Die Gespräche mit Telmo und Gloria waren sehr schwierig. Telmo nahm nun eine aggressive Haltung ein und stellte Forderungen. Er wollte eine absolute Trennung zwischen den Organisationen in Deutschland und Perú. Die Arbeit in der Schule würden sie alleine leiten, Deutschland sollte für einen bestimmten Bereich (z.B. Gehälter) spenden, hätte aber kein Mitspracherecht bei der Arbeit vor Ort. Wir erklärten deutlich, dass eine solche absurde Idee nichts mit einer deutsch-peruanischen Zusammenarbeit zu tun hat, und umso mehr in der konkreten Situation von Misstrauen und Unterschlagung völlig undenkbar ist.

Wir sagten Telmo und Gloria, dass es aus unserer Sicht notwendig ist, dass sie beide die Schule in Mariátegui verlassen und öffentlich alle Ansprüche an der Schule und gegenüber dem Personal aufgeben. Nur dann könnte die Unterstützung aus Deutschland für die Schule weitergehen. Wir wollten ihnen einen Abgang ohne großen Gesichtsverlust ermöglichen.

Doch Telmo war dazu nicht bereit, und in den folgenden Tagen übte er in der Schule heftigen Druck auf die Lehrer/innen aus, denen er jeden Kontakt mit uns bei Androhung der fristlosen Entlassung untersagte (während Gloria uns von den Lehrer/innen ausrichtete, dass diese kein Interesse an weiteren Treffen mit uns hätten). Er verbreitete auch üble Gerüchte über uns und „die Deutschen“ in Mariátegui.

Es gelang uns dennoch, uns wieder mit den Lehrer/innen zu versammeln und sie über alles zu informieren. Wir zeigten ihnen auch die gefälschten Belege. Gemeinsam mit ihnen kamen wir zu dem Beschluss, die Vorkommnisse unter den Eltern unserer Schulkinder und in Mariátegui publik zu machen. Es blieb uns nichts anderes übrig; nur so konnten wir bewirken, dass sich Gloria und Telmo aus der Schule zurückziehen würden.

Einige Tage später lenkte Telmo ein und unterschrieb eine Erklärung, nach der er alle Ansprüche an der Schule aufgibt. Als offizieller Vertreter der Schule ist beim Erziehungsministerium nun Michell Solari eingetragen.

Unsere erste Maßnahme war eine Aussetzung der Schulgebühren für das erste Schulhalbjahr und die Ankündigung einer drastischen Senkung der Gebühren, nachdem diese zuletzt derart erhöht worden waren, dass die ärmsten Familien, für die die Schule doch gebaut worden war, ihre Kinder bald nicht mehr in unsere Schule hätten schicken können. Das Stipendienprogramm und andere Fördermaßnahmen für die Kinder aus armen Familien wurden wieder aufgenommen, und weitere Angebote sollen hinzukommen.

In der Schule wurden die Aufgaben neu verteilt. Der erfahrene Lehrer Humberto Reátegui ist jetzt offiziell Direktor. Wie ihr ja wisst, war er im vergangenen Jahr Lehrer an der Schule und kennt insofern die Situation sehr gut. María Elena arbeitet zurzeit als coordinadora (eine Art Konrektorin) und die Lehrerinnen Susana und Lucila sind für die Kassenführung verantwortlich. Gina ist verantwortlich für das Stipendienprogramm, welches wir gemeinsam durch vermehrte Elternarbeit verbessern wollen, mit dem Ziel, dass es wirklich den bedürftigsten Kindern zugute kommt.

Schon nach einigen Wochen herrscht ein ganz anderes Klima in der Schule, und nach Gesprächen mit Eltern und Bewohnern Mariáteguis stellt sich uns die Situation insgesamt sehr erfreulich dar. Michell und ich stehen in regelmäßigem Kontakt sowohl mit dem Direktor als auch mit den Lehrer/innen. Am Ende jedes Monats treffen wir uns alle zusammen in der Schule, und im Laufe des Monats kommen wir ab und zu unangemeldet. Nachdem sich in der Schule in den letzten Jahren eine ausgesprochene Kommandostruktur eingeschlichen hatte, bei der die Lehrer/innen kaum ein Recht auf eine eigene Meinung hatten, fördern wir nun gezielt die horizontale Ebene im Sinne einer demokratischen Zusammenarbeit. Deshalb haben wir versucht, die Verantwortlichkeiten auf möglichst alle Lehrer/innen zu verteilen, sodass jede/jeder sich über ihren/seinen Unterricht hinaus einbringen kann und muss. Außerdem haben wir die Lehrer/innen dazu animiert, sich selbst Gedanken über Projekte zu machen, die die Qualität der Arbeit in der Schule zugunsten der Kinder verbessern.

Für dieses Jahr haben wir uns das Ziel gesetzt, die Schule in Mariátegui wieder auf den richtigen Weg zu bringen und ihr eine solide Basis, sowohl strukturell als auch pädagogisch zu geben. Dieser Weg ist nicht einfach, aber schon jetzt können wir Euch von einigen konkreten Fortschritten berichten:

1. Seit dem Monat Dezember sind die Lehrer/innen dem Gesetz entsprechend an unsere Schule angestellt. Sie verfügen über einen vom Arbeitsministerium anerkannten Vertrag, der die von uns zu leistenden Abgaben, d.h. Pension und Krankenversicherung, expliziert. Auf diese Weise arbeiten sie nun in einer abgesicherten Festanstellung und erhalten monatlich ihr Gehalt.

2. Durch die Präsenz unseres neuen, aber ja schon bekannten Direktors Humberto Reátegui werden die Lehrer/innen herausgefordert, sich im Bereich der Unterrichtsplanung sowie der Evaluation zu verbessern.

3. Mit Beginn des zweiten Schulhalbjahres wurde das Frühstücksprogramm für alle 150 Kinder wieder aufgenommen. Es wird von den Eltern der Schulkinder unter Anleitung des Direktors organisiert: Täglich sind vier Elternteile für die Zubereitung und die Ausgabe zuständig. Im Anschluss reinigen sie das gebrauchte Geschirr (die Kinder bringen ihre eigene Tasse mit zur Schule). Das Geld verwaltet die Lehrerin Elizabeth, die uns wöchentlich einen gemeinsam mit den Eltern erstellten Bericht vorlegt.

Für das Frühstücksprogramm wurde ein Raum in der Schule im dritten Stock eingerichtet, und es wurden einige Küchengeräte angeschafft. Zurzeit wird eine Wasserleitung verlegt, damit die Frauen, die das Frühstück zubereiten, von der schweren Arbeit des Wassertragens befreit werden.

Seit dem ersten August hat sich auch das Lehrer/innenteam erweitert. Hinzugekommen ist Angel Vílchez, ein junger Computer- und Englischlehrer, der an zwei Tagen die Woche unser Team unterstützt. Auf diese Weise kommen wir dem Wunsch der Eltern nach und können das Prestige der Schule verbessern. Es handelt sich im Fach Informatik und Englisch um Zusatzkurse, die nicht in der vollen Stundenzahl unterrichtet werden müssen. Angel hat sich verpflichtet, bis zum Ende des Schuljahres didaktisches Material zu erstellen, welches es ermöglichen soll, ohne Computer die Basiskenntnisse der Informatik zu unterrichten.

Wir wollen ehrlich sein. Es ist nicht möglich, die Vergangenheit ungeschehen zu machen, aber es ist möglich neu anzufangen. Alles braucht seine Zeit, und da in Perú die Mühlen eher langsam mahlen (vor allem in einigen Verwaltungsangelegenheiten), dauert alles ein bisschen länger. Aber wir sehen die kleinen Erfolge, die sich seit April eingestellt haben, und hoffen, dass sich diese ausbauen lassen, und wir sind optimistisch, Euch beim nächsten Mal von weiteren positiven Fortschritten berichten zu können.

Einen lieben Gruß senden Euch aus Perú

Ulrike & Michell


Bericht der Lehrerin Elizabeth Castro

Zunächst danke ich Gott für Eure Hilfsorganisation, die sich bedingungslos einsetzt, um vielen Kinder und Familien in eingeschränkten Lebensbedingungen weiterzuhelfen; gleichzeitig grüße ich alle Personen von ganzem Herzen herzlichst, die uns hier in Perú unterstützen und Geld überweisen.

Elizabeth Castro mit Schulkindern

Ich nutze die Gelegenheit, Euch darüber zu informieren, was hier bei uns passiert ist, seitdem Ulrike und Michell die Leitung übernommen haben. Einige unschöne Dinge wurden bekannt, die mich sehr traurig gemacht haben, da ich nun ja schon neun Jahre in der Schule arbeite. Gott sei Dank wurde alles geregelt, und zwar vor allem durch die Maßnahmen, die die neue Leitung eingeführt hat.

Es ist sehr schön zu wissen, dass wir Lehrerinnen nun, nach so vielen Jahren, über eine Krankenversicherung verfügen und ich glaube, wir müssen der Organisation dankbar sein und dies mit unserem selbstlosen Einsatz hier vor Ort unterstreichen.

Ich informiere Euch auch kurz über das Frühstücksprogramm, welches die Kinder täglich erhalten. Die Eltern sind darüber sehr zufrieden und zugleich sind sie aufgerufen, sich selbst bei diesem Programm zu beteiligen. Es wird wöchentlich rotiert, sodass jeweils andere Eltern das Frühstück zubereiten, und durch regelmäßige Versammlungen wird das Programm organisiert und begleitet.

Außerdem informiere ich Euch auch über unsere Bemühungen, die Eigentumsverhältnisse für das Grundstück, auf dem die Schule steht, zu klären. Jetzt, nach einem Bürgermeisterwechsel, kommen sie langsam aber sicher zum Ende. 90% der Papiere konnte ich Michell schon vorlegen.

Im pädagogischen Bereich sind wir in Zusammenarbeit mit dem Direktor Humberto und dem Lehrkörper in einer Übergangs- und Umstrukturierungsphase; obwohl noch immer nicht alles ganz klar ist, sind wir optimistisch, dass am Ende des Jahres alles Früchte tragen wird.

Ich nutze die Gelegenheit, Euch mitzuteilen, dass ich persönlich Michell und Ulrike für Ihre Unterstützung bei meiner kürzlich notwendigen Operation sehr dankbar bin.

Ich bedanke mich bei allen Personen, die auf irgendeine Weise hier in Perú helfen und bete weiterhin für Euch.

Es bleibt mir noch zu sagen, dass ich weiterhin mit viel Einsatz für das Projekt arbeiten werde.

Ich verbleibe mit einer festen Umarmung, Gott segne Euch

Elizabeth Castro


Gina Cabrera mit SchulkindernBericht der Lehrerin Gina Cabrera

Geschwisterliche Grüsse an alle Spender/innen die sich für das Wohlergehen der Kinder in Mariátegui einsetzen.

Mit diesem Schreiben informiere ich Euch als Verantwortliche für das Stipendienprogramm, dass für das neue Schulhalbjahr 15 Anträge auf Unterstützung bewilligt wurden. Es handelt sich dabei entweder um eine Ermäßigung des Schulgeldes oder um einen völligen Erlass, je nach dem konkreten Einzelfall.

Die Auswahl wurde durch Hausbesuche getroffen, bei denen jeweils Lebensstandard und aktuelle Situation der Familien ermittelt wurden.

Die Mehrheit der Stipendiaten sind Kinder, die noch mindestens zwei Geschwister haben. Die Anzahl der unterstützten Kinder ist nicht höher, da ja zugleich das Schulgeld gesenkt wurde und momentan monatlich 30 Soles [ca. 7,50 Euro] für die Vorschule und 35 Soles [ca. 8,75 Euro] für die Grundschule beträgt.

Im Schulgeld ist auch das Frühstücksprogramm inbegriffen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Herzlichst

Gina Cabrera


Bericht von Simon Nonnenmacher über seinen Peruaufenthalt im Rahmen des Anderen Dienstes im Ausland

Gut zehn Monate habe ich bis zum jetzigen Zeitpunkt in Perú verbracht und es fehlt nicht mehr viel, bis ich Anfang Juli wieder nach Deutschland zurückkehren werde.

Simon Nonnenmacher

Als ich mich für die Stelle bei El Buen Samaritano e.V. beworben habe, war ich mir zwar bewusst, dass ein elfmonatiger Auslandsdienst keinesfalls mit einem mir auch zur Auswahl stehenden Zivildienst in einem Krankenhaus oder Altenheim zu vergleichen ist. Mit der Wahl des Zivildienstes hätte ich sicherlich eine Zeit verbracht, die sehr geregelt abgelaufen wäre, nach festen Arbeitszeiten, mit immergleichem Betätigungsfeld,....

Auf genau das hatte ich aber keine Lust. Zum einen hatte ich mir schon längere Zeit Gedanken darüber gemacht, ob ich in einem anderen Land nicht möglicherweise mehr bewirken kann, als beispielsweise in Deutschland Senioren im Rollstuhl rumzufahren, zum anderen bin ich sehr abenteuerlustig, reise sehr gerne und wollte ein für mich unbekanntes Land und dessen Kultur kennen lernen. Da schreckte es mich auch nicht ab, als Holger mir erklärte, dass sich die Schule anderthalb Stunden entfernt vom Haus der Casternoques befinde, die Busse dorthin winzig klein seien, es somit öfters dann auch mal keinen Sitzplatz gäbe und einen, in Mariátegui angekommen, nicht gerade wohlerzogene, behütete Schulkinder erwarten.

In Perú angekommen, zeigte sich dann, dass mein Dienst etwas anders ablaufen sollte, als es mir in Deutschland noch erklärt worden war. Anstatt die ganze Zeit in der Schule zu unterrichten, schlug mir Telmo vor, ob ich nicht Kultur, Land und Leute etwas besser kennen lernen möchte und so ging es nach einer Woche in Lima schon nach Chimbote, eine Stadt sechs Stunden nördlich von Lima.

Chimbote

Dort habe ich unter der Woche in einer privaten christlichen Schule geholfen Englisch zu unterrichten. An den Wochenenden habe ich in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Chimbote, den Kindern zweier Kirchengemeinden ebenfalls etwas Englisch beigebracht.

Von dort sollte es dann weiter zu meinem zweiten Einsatzort Pucallpa gehen. Mit meinem Betreuer in Chimbote habe ich mich so auf eine lange Reise von der Costa (Küste) in die Sierra (Andengebirge) und von dort in die Selva (Urwald) gemacht. Bis nach Yurimaguas, einem kleinen Städtchen am Río Huallaga, hatte ich immer noch mir gewohnte Transportmittel benutzt. Von dort ging es dann allerdings mit einer lancha (Schiff) weiter, auf der ich insgesamt mehr als eine Woche verbracht habe.

zu Gast in Pucallpa

In Pucallpa kam ich bei Mauro Mori, einem Freund von Telmo unter. Dieser arbeitet unter anderem als Pfarrer und so hatte ich die Möglichkeit, in der zwar kleinen aber kinderreichen Kirchengemeinde etwas Englisch zu unterrichten. Obwohl das Unterrichten großen Spaß machte, stellte Pucallpa wohl eine meiner Härteproben in Perú dar. Ein Faktor war sicherlich das Klima. Jeden Tag eine glühende Hitze, die ich so einfach noch nie erlebt hatte. Das andere waren wohl die für mich ebenfalls neuen Wohn und Lebensbedingungen. Wasser aus dem Brunnen, Plumpsklo und ein kleine Hütte, die sich sechs Personen, ca. 15 Hühner und ein Hahn teilen. Besonders der Hahn sorgte immer wieder für freudige Momente, indem er schon morgens um drei Uhr seine Mitbewohner auf das Heranbrechen des neuen Tages hinweisen wollte.

Nach gut zwei Wochen hatte ich mich dann allerdings recht gut an die Bedingungen gewöhnt, verbrachte eine sehr schöne Zeit und gewann viele einzigartige Eindrücke vom Leben und Arbeiten in der Selva.

Auf Weihnachten bin ich dann nach Lima zurückgekehrt, um meine Eltern vom Flughafen abzuholen. Diese haben die Weihnachtsferien genutzt, um mich zu besuchen und so haben wir die gut zwei Wochen genutzt, um den Süden Perus kennen zu lernen (Arequipa, Puno, Cusco).

Zum Schulanfang hieß es dann wieder: Zurück nach Lima!

Nachdem das ganze Lehrerkollegium angepackt hatte und die Klassenzimmer neu gestrichen waren, stand dem Schulbeginn nichts mehr im Wege.

Doch statt wie geplant als Englischlehrer hatte mich Telmo kurzfristig zum Lehrer für den dieses Jahr neu eingeführten Computerunterricht gekürt.

Mit Hilfe einiger, für den Grundschulunterricht geeigneten Bücher, die ich von meinen Kolleginnen bekommen hatte, wagte ich mich dann an das für mich neue Unterrichtsfach. Die ersten Wochen habe ich mit den Schülern einige Grundkenntnisse eingeübt, um ihnen dann in einem nahe gelegenen Internetcafé die Arbeit mit einem Computer näher zu bringen. Auf den ersten Gang ins Internetcafé hatten natürlich alle Schüler schon sehnsüchtig gewartet, und so war die Freude sehr groß.

Angefangen mit Paint, beherrschen die Schüler inzwischen schon einige Grundfunktionen von Word.

Auch wenn es manchmal nicht ganz einfach war zu unterrichten, gab es immer wieder schöne Momente, die mich nach dem Unterricht glücklich und zufrieden meinen Heimweg antreten ließen.

Die Schule von El Buen Samaritano

Nach dem Ausscheiden von Telmo und Gloria, habe ich den Eindruck, dass nach einer langen Phase der Turbulenzen, Misstrauen, Unsicherheiten und Angst in Mariátegui ein gelungener Neuanfang begonnen hat, ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht und die Schule wieder zu einem anerkannten sozialen Zentrum für viele Familien wird.

So, wie nach meinem Eindruck Gladis und July (die Putzfrauen) bei der Arbeit sind, nämlich mit dem Herzen, beginnen unter der neuen Leitung auch die Lehrer sich mehr als Gemeinschaft zu sehen, die sich mit ihrer Schule identifiziert und alles unternimmt, um einen guten Unterricht zu gewährleisten.

Simon Nonnenmacher mit einer Schülerin

Mit Ulrike Sallandt und Michell Solari hat El Buen Samaritano e.V. ein Paar, das in den letzten, sehr ereignisreichen Monaten, hervorragende Arbeit geleistet hat und die Schule wieder zu dem gemacht hat, was von allen Mitgliedern von Buen Samaritano e.V. gewünscht wird. Mit ihnen hat der Verein jemanden, der mich nach elf Monaten in Perú wieder beruhigt nach Deutschland zurückkehren lässt und mir die Sicherheit gibt, dass alles nur Mögliche für das Wohl der Schule und ihrer Schüler getan wird.

Simon Nonnenmacher


Kinder im Urwald


Seitenanfang Startseite Mail an webmaster