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48. Rundbrief mit Berichten
über Juli bis Dezember 2005

—> Den Rundbrief gibt es auch als .PDF-Datei zum Ausdrucken <—

Kinder in Mariátegui

Inhalt:


Sulzbach/Saar, im Februar 2006

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

das vergangene Jahr war ein schwieriges Jahr für El Buen Samaritano, das einige Veränderungen mit sich gebracht hat.

Derzeit besteht keine Zusammenarbeit mit Telmo Casternoque mehr. Wir hoffen aber, dass er nach einer gewissen Auszeit, die er wohl benötigt, wieder einsteigen wird.

Wir sind derweil daran gegangen, die Organisationsstrukturen in Lima von Grund auf zu reformieren. Dass dies notwendig ist, ergibt sich aus der mittlerweile erreichten Größe des Werkes dort und aus gewissen Entwicklungstendenzen der letzten Zeit, die nicht in unserem Sinne waren. Ich habe darüber bei der Mitgliederversammlung ausführlich gesprochen (vgl. Protokoll in diesem Rundbrief).

Die Steuerung des Reorganisationsprozesses und die Kontrolle der Finanzen haben in Lima für etwa ein bis zwei Jahre Dr. theol. des. Ulrike Sallandt und ihr Ehemann Michell Solari übernommen. Dies ist eine sehr gute Nachricht, denn Ulrike kennt El Buen Samaritano seit 1993, war 1996 unsere erste Freiwillige und hat die Arbeit seither stets eng begleitet und auf vielfältige Weise unterstützt. Seit vier Jahren lebt sie in Perú. Michell ist Peruaner und von Beruf Informatiker. Beide haben eine gute persönliche Beziehung zu unseren peruanischen Partnern und zugleich tiefen Einblick in alle Strukturen und Gegebenheiten vor Ort. Sie identifizieren sich in hohem Maße mit El Buen Samaritano, sind sehr motiviert, ihren Beitrag zu einer erfolgreichen Zukunft unseres Werkes zu leisten und verdienen unser volles Vertrauen. Bitte lest in diesem Rundbrief ihren ersten Bericht!

Die reibungslose Funktion der Schule, für die mit Abstand der größte Teil der Spendengelder verwendet wird, ist übrigens stets sicher gestellt gewesen. In diesem Jahr wird die Wachstumsphase mit Einrichtung der sechsten Klasse abgeschlossen sein. Wir erwarten, dass nunmehr wieder mehr Gewicht auf die den Unterricht begleitende Hilfen für die Kinder (vor allem Frühstück!) gelegt werden kann.

Herzliche Grüße

Euer
Holger v. Rauch
Holger v. Rauch

PS: Anbei die Spendenbescheinigungen für 2005; bitte entschuldigt, dass das nicht zeitiger möglich war! Bitte überprüft alle Beträge und meldet Euch, wenn etwas nicht stimmen sollte! – Vielen Dank!


Brief von Ulrike Sallandt und Michell Solari

Liebe Mitglieder von El Buen Samaritano,

viele Grüsse senden wir Euch allen aus der peruanischen Hauptstadt Lima, in der wir seit knapp anderthalb Jahren wohnen.

Ulrike Sallandt und Michell Solari

Insgesamt bin ich (Ulrike Sallandt) nun mittlerweile knapp vier Jahre in Perú. Obwohl ich in der ersten Zeit im Süden des Landes gelebt habe, hatte ich stets engen Kontakt zu meiner Zweitfamilie Casternoque. Durch regelmäßige berufliche Reisen nach Lima ist der Kontakt zu ihr nie abgebrochen, sodass mein peruanischer Mann Michell und ich sogar zu Beginn unserer Zeit in Lima in Villa María del Triunfo im Hause Telmos und Glorias Unterschlupf gefunden haben.

Mittlerweile wohnen wir im Stadtteil Surco, gar nicht weit von Casternoques entfernt.

Im vergangenen Jahr habe ich neben meiner theologisch-kirchlichen Arbeit noch an einer deutsch-peruanischen Schule gearbeitet, während Michell bei der chilenischen Fluggesellschaft Lan Chile Nachtschicht geschoben hat.

Unsere berufliche Planung für das Jahr 2006 ist noch im Prozess; jedoch gehört etwas ganz sicher dazu: unser Einsatz für El Buen Samaritano.

Was heißt das konkret?

Seit dem 1. Dezember letzten Jahres haben wir im Auftrag der Mitgliederversammlung vom 26. November die finanzielle Verwaltung und die Steuerung der Arbeit in Perú übernommen. Unsere Aufgabe sehen wir in Absprache mit dem Vorstand darin, das von Beginn an verfolgte Ziel des Vereins, nämlich den bedürftigen Kindern in Perú zu helfen, zu stärken. Es geht darum, den Einsatz der Spendengelder zu optimieren und auf diese Weise zu mehr Effektivität und Dynamik der Arbeit von El Buen Samaritano zu kommen.

Wie setzen wir das um?

In den ersten Wochen ging es zunächst darum, mit allen Mitarbeitern vor Ort ins Gespräch zu kommen, um die Voraussetzungen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu schaffen. In mehreren Treffen mit Javier und Gloria haben wir ihnen vor allem erklärt, dass wir diese Funktion nur für eine zeitlich begrenzte Übergangsphase ausüben werden. Inzwischen klappt die Zusammenarbeit sehr gut, und wir sind in ständigem Kontakt miteinander. Unser gemeinsames Ziel ist die Verbesserung der administrativen und strukturellen Arbeit von El Buen Samaritano zugunsten der Kinder in Mariátegui.

Als Verwalter der Spendengelder legen wir Wert auf eine effiziente Verwendung der Mittel entsprechend den Prioritäten der Spender sowie auf eine transparente und korrekte Verwaltung der Mittel. Hinzukommt die Entwicklung einer besseren Finanzplanung mit Kostenvoranschlägen usw.

Die Tatsache, dass Michell die peruanische Realität schon immer kennt und auch ich nun mittlerweile nach vier Jahren ein Bild der peruanischen Wirklichkeit habe, ermöglicht es uns, dieser Aufgabe gerecht zu werden.

Was haben wir bisher konkret gemacht?

  • Auf Holgers Ratschlag hin haben wir das Schulprojekt „El Sol Naciente“ in dem limeñischen Stadtteil Ventanilla besucht. Dort haben wir ein ähnliches Projekt kennen lernen dürfen, welches uns Anregungen und Verbesserungsmöglichkeiten für unsere Arbeit bei El Buen Samaritano aufgezeigt hat
  • Michell hat gemeinsam mit Javier das Mädchen Jannika besucht, welches an einem Tumor erkrankt ist und möglichst bald operiert werden muss. Dieses Mädchen wird aus Vereinsmitteln unterstützt.
  • Für Weihnachten haben wir die Kostenvoranschläge für die Weihnachtsfeiern der Schule, des Comedors [der Volksküche] und im Urwald analysiert und geplant.

Wir hoffen, dass unser Einsatz für El Buen Samaritano in diesem Jahr möglichst schnell sichtbar positive Folgen mit sich bringt und dass die Kinder Mariáteguis, auf denen unser aller Interesse liegt, davon profitieren.

Vielen Dank an die Mitgliederversammlung von El Buen Samaritano für das in uns gesetzte Vertrauen und einen lieben Gruß an Euch alle!

Eure Ulrike & euer Michell


Bericht über die Arbeit in Perú Juli bis Dezember 2005

(Übersetzung: Holger von Rauch)

Lima im Januar 2006

An den Verein El Buen Samaritano e.V., Deutschland

Liebe Freunde, ich möchte mit diesem Bericht jeden einzelnen von Euch persönlich erreichen und Euch meine herzlichsten Grüße übermitteln und Euch auch über die Arbeit informieren, die wir von Juli bis Dezember des vergangenen Jahres geleistet haben.

Neben den alltäglichen Dingen passierten im Juli Dinge, mit denen man wirklich nicht rechnet. Wir haben zwei der Kinder besucht, die von uns Stipendien erhalten. Juan Carlos, neun Jahre, geht in die zweite Klasse der Grundschule, und er ist ein wirklich sehr schwieriges Kind, ich würde fast sagen, ein unerträgliches. Das sagen auch die anderen Lehrer, die es schon bald überdrüssig sind, ihn zu ermahnen und ihm gut zuzureden. So entschloss ich mich, nachzusehen, mit wem er zuhause lebt. Meine Traurigkeit war groß, als ich entdeckte, dass er mit seinem jüngeren Bruder (sechs Jahre) allein lebt. Ihr Vater hatte sie schon verlassen, als sie noch ganz klein waren. In ihrer Hütte fand ich nur ein schmutziges Bett, zwei Teller, zwei Plastiktassen, zwei Löffel und ein Messer, sonst nichts. Der Junge erzählte mir, dass ihm die Nachbarin von gegenüber immer etwas zu essen gebe. Seine Mutter ist mit einem anderen Mann zusammen und lebt nicht mit in der Hütte. Sie verkauft tamales [ein einfacher Imbiss aus Mais] im Zentrum von Lima, und wenn sie mit der Arbeit fertig ist, geht sie zum Schlafen in das Haus ihres neuen Mannes, wie uns die Nachbarin erzählte. Bei den Hausaufgaben hilft die Nachbarin den Kindern manchmal. Diese Kinder sind wirklich verlassen, sie werden von niemandem beaufsichtigt und sie leben da wie Tiere. Der Nachbarin von gegenüber haben wir unsere Telefonnummer gegeben, damit sie uns schnell erreichen kann, wenn ein Unfall passiert oder die Kinder etwas brauchen sollten. Außerdem habe ich mir vorgenommen, sie jedes Wochenende zu besuchen. Unsere liebe Judith Binder (ehemalige freiwillige Helferin aus Deutschland) hat eine schöne Geste gemacht: Sie schickte im zu Weihnachten ein Geschenkpäckchen. Könnt Ihr Euch die Aufregung und Freude dieses Kindes vorstellen? Für ihn hat das viel bedeutet, und er sagte: „Meine Farbstifte, meine Schokolade!“ Möge Gott dem kleinen Juan Carlos weiterhin helfen.

Der sechsjährige Daniel ist ein anderer Sonderfall. Er ist das ganze Gegenteil von Juan Carlos, er ist sehr schweigsam und schüchtern, obwohl auch er von seinem Vater verlassen wurde. Er lebt zurzeit mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern. Dank der Unterstützung durch ein Stipendium von El Buen Samaritano kann Daniel in die Schule gehen. Seine beiden Brüder gehen nicht in die Schule. Daniel hat in nur einem Jahr seines Lebens zwei schwere Unfälle erlitten. Bei dem ersten verbrühte er sich an einem Topf kochenden Wassers, das sich über seine beiden Ärmchen ergoss. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht, wo er 45 Tage lang stationär behandelt wurde. Ich führte ein Gespräch mit dem Sozialdienst des Krankenhauses, damit er von den Kosten befreit werde. Wegen seiner prekären Lebenssituation wurde ihm diese Form der Unterstützung zuteil. Der zweite Unfall, den er erlitt, war ein Knochenbruch. Bei einem Sprung von einem großen Felsbrocken brach er sich den rechten Arm. Wir brachten ihn wieder in dasselbe Krankenhaus, wo ich wieder dieselben Verhandlungen führte. Im Ergebnis hat der Junge viel Zeit in der Schule gefehlt, doch glücklicherweise war seine Lehrerin Gladys dazu bereit, sich ihm täglich anderthalb Stunden zusätzlich zu widmen, um ihn das Versäumte aufholen zu lassen. Letztlich musste Daniel das Schuljahr nicht wiederholen und konnte in die zweite Klasse versetzt werden.

Wir haben in mehreren Fällen Familien besucht, in denen es zu Kindesmisshandlungen gekommen ist.

Im November unternahmen wir einen schönen Schulausflug mit allen unseren Kindern. Es machte uns Freude, die Mütter glücklich beim Spielen mit ihren Kindern zu sehen. Einige der drei , vier , und fünfjährigen Kinder besuchten zum ersten Mal in ihrem Leben einen solchen Park. Für sie war jedes einzelne der dort vorhandenen Spielgeräte eine Sensation.

Der Dezember war ein Monat, in dem wir sehr viel Arbeit hatten. Die Kinder waren am Ende des Schuljahres müde, unruhig und nervös. Wir hatten in diesem Monat den Vorschulabschluss unserer Fünfjährigen, bei dem sich 25 Kinder für den Übergang auf die Grundschule qualifizierten, die Schuljahresabschlussveranstaltungen mit der feierlichen Zeugnisausgabe, Elternversammlungen, Lehrerversammlungen und die Weihnachtsfeier mit allen Kindern, und all das erschöpfte unsere Kräfte. Gloria María Aliaga Chávez Aber wir danken unserem guten Gott, der uns geholfen hat und uns die Kraft, den Mut und den Willen gegeben hat, das Schuljahr ohne viele Probleme abzuschließen. Ich glaube, ohne unseren Herrn an unserer Seite wäre das nicht möglich gewesen. Aber wir müssen auch die großen Anstrengungen erwähnen und anerkennen, die Ihr, meine lieben Freunde, in Deutschland unternommen habt, um 2005 zu einem erfolgreichen Jahr werden zu lassen. Auch ohne diese Hilfe hätten wir es nicht schaffen können. Ich bitte daher Gott von Perú aus in meinen Gebeten stets darum, dass er euch eine gute Gesundheit, Erfolg bei der Arbeit und – vor allem – Frieden und Glück in Euren Häusern geben möge. Wir hoffen, dass uns das Jahr 2006 wiederum hold sein wird. Empfangt herzliche Grüße von unseren Lehrern, von unserem sonstigen Personal und auch von unseren geliebten Kindern, wir alle wünschen Euch Gottes Segen.

Eine feste Umarmung und viele Küsse an jeden einzelnen von Euch

Sendet Euch Eure

Gloria María


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