EL BUEN SAMARITANO e.V.

Start-
seite
Kontakt &
Impressum
EBS in
Perú
Rund-
briefe
Informations-
material
Kasse Fragen &
Antworten
Suche

47. Rundbrief mit Berichten
über Januar bis Juni 2005

—> Den Rundbrief gibt es auch als .PDF-Datei zum Ausdrucken <—

Grundschulkinder in Mariátegui

Inhalt:


Sulzbach/Saar, im Oktober 2005

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

der Rundbrief nach meinem Perú-Aufenthalt 1997-1998 hatte 116 Seiten. Das hätte ich nach meinem diesjährigen Aufenthalt von Februar bis Mai auch wieder leicht schaffen können, aber diesmal bemühe ich mich im Dienste der besseren Lesbarkeit lieber um Kürze. Dafür ist es mir sehr wichtig, einige Aspekte unserer Arbeit mit Euch persönlich zu diskutieren. Darum: Bitte beachtet die Einladung zur Mitgliederversammlung am Ende des Rundbriefs!

Meine Frau Darinka und ich konnten uns in Lima von vielen bemerkenswerten Fortschritten überzeugen, die die Arbeit in den letzten Jahren gemacht hat: Unsere Schule ist heute ein imponierendes dreistöckiges Gebäude, das Raum für den gesamten Vor- und Grundschulbetrieb bietet. Das hatte ich, ehrlich gesagt, noch vor wenigen Jahren für unmöglich gehalten. Sehr erfreulich war es, das Lehrpersonal kennen zu lernen. Unser Eindruck war, dass wir durchweg sehr fähige und engagierte Kräfte haben.

Die Schule von einem Hügel aus gesehen

Obwohl Mariátegui äußerlich Fortschritte gemacht hat (so führt z.B. jetzt eine asphaltierte Straße bis ganz in die Nähe unserer Schule), ist die Armut des Großteils der Bevölkerung nach wie vor ungeheuer. Was wir in Gesprächen und durch Augenschein über die Situation und die Schicksale vieler Familien dort erfuhren, erschütterte uns sehr, obwohl wir es aus den Berichten doch eigentlich schon wussten. Am schwersten trifft es – wie immer wohl – die Kinder: Immer noch sind sehr viele unter , mangel- oder fehlernährt, leiden unter familiärer Gewalt und haben miserable Bildungs- und Berufsaussichten. Man kann förmlich dabei zusehen, wie Mariátegui immer weiter wächst. An den Abhängen der Hügel, die man von unserer Schule aus sehen kann, siedeln sich immer neue Familien mit ihren Hütten an. Und denen fehlt es schlicht an allem.

Hütten an den Abhängen um die Schule

So gibt es 15 Jahre nach ihrer Gründung heute für unsere Schule in Mariátegui nicht weniger zu tun als damals, sondern sogar mehr. Und die Notwendigkeit ihres Vorhandenseins ist mit Händen zu greifen. Ein Ziel muss es nach den Jahren des Wachstums nun sein, noch mehr als bisher an der Betreuung der Kinder und ihrer Familien zu arbeiten. So hoffen wir beispielsweise, dass es in absehbarer Zeit wieder möglich sein wird, die Kinder vor dem morgendlichen Unterricht mit einem Frühstück zu stärken. (Eine unserer Freiwilligen erzählte uns von Kindern, die im Unterricht vor Hunger eingeschlafen sind!)

Während der über sechs Wochen in Lima führten wir wie immer viele ausgiebige Gespräche, an denen diesmal außer Telmo und mir auch Gloria und der langjährige Buchhalter und Mitarbeiter Javier teilnahmen.

Holger, Gloria, Javier, Telmo

Wir ließen bei diesen Gesprächen nichts aus, sprachen auch ausführlich über Probleme verschiedener Art, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Denn das an sich erfreuliche Wachstum der Arbeit in den letzten Jahren hat auch hinsichtlich der Administration in Perú und der Kommunikation mit uns eine neue Situation geschaffen, die unseren Partnern viel abverlangt. Teilweise waren die Gespräche deshalb auch schwierig.

Erfreulich war dabei, dass sich Gloria und Javier bereit zeigten, künftig mehr Verantwortung als bisher zu übernehmen. In einigen Punkten zeigte sich uns jedoch, dass gewisse strukturelle Veränderungen notwendig sind, damit El Buen Samaritano für die nächsten Jahre gewappnet ist. Unsere konkreten Vorschläge hierzu möchten wir Euch bei der Mitgliederversammlung erklären und sie mit Euch diskutieren.

Sehr interessant war ein Besuch im Stadtteil Pachacútec, wo eine Reutlinger Initiative auch eine Schule unterstützt. Vielleicht können wir in Zukunft zusammenarbeiten.

Wir bereisten auch den Urwald; die Erfahrungen, die wir dabei machten, ähnelten in vielem dem, was Judith Binder in diesem Heft berichtet. Vor Ort führten wir einige Gespräche mit unserem Krankenpfleger Gílber Hupiachihuay. Mein Eindruck ist, dass unser Gesundheitsprogramm im Urwald wirklich sehr hilfreich ist. Ein ständiges Problem ist dabei die Ausstattung mit Medikamenten. Es scheint praktisch unmöglich zu sein, einen Medikamentenvorrat aufrecht zu erhalten, indem man die Patienten die (sehr geringen) Kosten für die üblicherweise verwendeten Heilmittel bezahlen lässt. Denn in den meisten Fällen haben die Patienten (die mehrheitlich aus benachbarten Dörfern kommen) überhaupt kein Geld und gehen ohne zu bezahlen.

Gílber Hupiachihuay, der Krankenpfleger

Während unserer Tage in der Stadt Requena verstarb die junge Ehefrau unseres Krankenpflegers an einer Tumorerkrankung. Wir erlebten ihren Tod hautnah mit und es erschütterte uns, zusehen zu müssen, wie wenig medizinischen Beistand sie erhielt, und dass sie bis zuletzt keine Schmerzmittel bekommen konnte. Dieses entsetzlich bittere Erlebnis führte uns vor Augen, wie riesengroß das Defizit an medizinischen Diensten in dieser Region sogar in der Stadt ist, und welch hohen Wert unser kleines Gesundheitsprogramm im Urwald besitzt, wo es für mehrere Dörfer die gesamte erreichbare medizinische Versorgung darstellt.

Den Bericht aus Perú für diesen Rundbrief haben Gloria und Javier verfasst. Alle Fotos im Rundbrief stammen von Darinka und mir.

Der im letzten Rundbrief vorgelegte Finanzbericht aus Perú über Juli bis Dezember 2004 enthielt infolge eines Übertragungsfehlers nicht alle relevanten Daten, daher legen wir Euch mit diesem Rundbrief eine korrigierte Fassung vor. Bitte entschuldigt diesen Fehler.

Wir haben das Abrechnungsverfahren ein wenig überarbeitet und dabei den US-Dollar aus der Buchführung eliminiert. Die Finanzberichte ab Januar 2005 erhalten wir aus Perú in peruanischen Soles, die wir für Euch in Euro umrechnen.

Bitte kommt am 26. November zahlreich zur Mitgliederversammlung nach Mössingen!

Herzliche Grüße

Euer
Holger v. Rauch
Holger v. Rauch

PS: Anträge an die Mitgliederversammlung müssen lt. Satzung 14 Tage vor der Versammlung beim Vorstand eingereicht werden. Bitte teilt auch eventuelle Kandidaturen für den Vorstand beizeiten mit. Meldet Euch bitte auch, falls es Fragen zur Anreise oder zu Übernachtungsmöglichkeiten etc. geben sollte.


Bericht über die Arbeit in Perú Januar bis Juni 2005

(Übersetzung: Holger von Rauch)

Lima im Juli 2005

An den Verein El Buen Samaritano e.V., Deutschland

Empfangt unseren herzlichen und warmen Gruß aus Mariátegui in Perú. Wir beten dafür, dass der Herr Euch und Euer Familien- und Arbeitsleben erleuchten möge.

Wir möchten mit diesem Bericht jedem einzelnen von Euch über unsere soziale Arbeit in den verschiedenen Programmen in Lima und im Urwald Mitteilung machen.

Hier unsere Neuigkeiten:

Die Schule El Niño Jesús

Es erscheint uns unglaublich, wie nach und nach eine Schule mit einem Gebäude von drei Stockwerken erbaut werden konnte. Als dieses Projekt im Jahr 1991 begonnen wurde, konnte sich niemand vorstellen, dass mit dem Lauf der Jahre diese kleine Schule, die die Bewohner gemeinsam mit unserer Organisation aus Ziegelsteinen, Stecken und Wellblech gebaut hatten, mit der Zeit eine schöne Schule mit drei Stockwerken werden würde, die heute Sicherheit und Annehmlichkeiten für 155 Kinder bietet. Für die Eltern der Kinder ist es verblüffend, eine Schule mit so einer guten Infrastruktur zu sehen, und sie sind froh darüber, ihre Kinder lernen zu sehen.

Dieses Projekt, das hier in diesem bescheidenen Vorort Mariátegui entstanden ist, hat allen unseren deutschen Freunden und Freundinnen sehr viel zu verdanken, und obwohl wir weit voneinander entfernt sind, wissen wir, dass sie ein großzügiges und solidarisches Herz haben, und dass deswegen unsere Kinder in die Schule gehen und Hoffnung für die Zukunft haben dürfen. Wir haben zum Beispiel erfahren, dass junge Deutsche die Idee hatten, ein Fußballturnier zu veranstalten, bei dem Institutionen und Jugendliche verschiedenen Alters mitwirkten, mit dem einzigen Ziel, Geld für die Fertigstellung der Schule aufzubringen. Das ist wunderbar, und dafür danken wir den Jugendlichen von der Methodistischen Kirche in Mössingen, die diese Solidaritätsaktion durchgeführt haben. Inzwischen konnten alle Fenster eingebaut werden, und wir arbeiten jetzt an den Türen. Das freut uns sehr, vielen Dank und viele Grüße von allen Kindern an ihre deutschen Freunde. Ebenso danken wir für die Geste unserer Freundin Monika, die sich die Mühe gemacht hat, für die Kinder in Mariátegui ein Konzert zu veranstalten. Für uns ist es staunenswert, wie unsere deutschen Freunde solche unterschiedlichen Aktivitäten durchführen, um uns zu unterstützen. Wir sind glücklich darüber, so viele Freunde zu haben, die sich um das Wohlergehen unserer Schüler sorgen.

Berichte der Lehrerinnen und Lehrer aus dem Schulalltag

Gina CabreraGina Cabrera: Im April machte ich eine traurige und Besorgnis erregende Erfahrung, als einer meiner Schüler von der Bühne im Schulhof stürzte und sich den linken Arm brach. Ich ging sofort mit ihm ins Krankenhaus, wo er aufgenommen und operiert wurde. Die Schule erledigte die notwendigen Formalitäten und bezahlte die Behandlung. Glücklicherweise ist der Junge wieder ganz gesund und nimmt mit seinen Kameraden am Unterricht teil. In der letzten Juniwoche wurden alle unsere Kinder in Zusammenarbeit mit der Medizinstation auf ihren Gesundheitszustand und ihr Körpergewicht hin untersucht. In der Folge informierten wir die Eltern darüber, dass in meiner Gruppe fünf Fälle von mittlerer Unterernährung festgestellt wurden. Wir führen nun mit den Eltern darüber Gespräche. Wie Ihr seht, muss ich von allem etwas machen, so ist meine Arbeit, und ich bin sehr glücklich darüber. Ich muss auf meine Kinder aufpassen und ständig mit den Eltern im Gespräch bleiben, um die Probleme, denen ich begegne, zu lösen. Dieser enge Kontakt zu den Familien ermöglicht es mir, die Probleme jedes einzelnen Kindes zu erkennen und ihnen gezielt zu helfen, damit sie mit dem Lernen vorankommen.

Elizabeth CastroElizabeth Castro: Die Aufgabe, die ich an jedem Monatsende zu erfüllen habe, heißt „Elternschule“. Dieses Bildungsprogramm soll dazu beitragen, dass sich die Eltern der Verantwortung bewusst werden, die ihnen daraus erwächst, dass sie ein Kind haben. Denn es gibt viele verantwortungslose Eltern, die ihre Kinder bei ihrer Bildung nicht unterstützen.

Ich berichte Euch einen Fall als Beispiel: Ich gab der Mutter meiner Schülerin Mayli einen Zettel mit einem Gedicht für den Tag des Bauern und sagte ihr, ihre Tochter solle es auswendig lernen. Aber am folgenden Tag kam die Frau zu mir uns sagte: „Señorita, mein Mann hat gesagt, dass ich das Gedicht meiner Tochter nicht beibringen soll, weil davon ihr Gehirn kaputtgehen würde.“ Solcherlei sagen die Eltern aus Unwissenheit. Sie beschränken damit ihre Kinder und machen sich nicht bewusst, was sie an ihnen haben. Aber trotz solcher Erfahrungen gebe ich als Lehrerin nicht klein bei und ich stehe in ständigem Kontakt zu den Eltern und den Kindern. Es befriedigt mich, wenn sie mich nach und nach besser verstehen, und das trägt auch etwas dazu bei, dass die Kinder auf dem Weg zu ihren Lernzielen vorankommen.

Lucila RoblesLucila Robles: Das Schuljahr begann in diesem Jahr schon im März. In meiner Klasse hatte ich nur zwei neue Schüler, von denen einer, Marcos, undiszipliniert ist. Er und der Schüler Juan sind oftmals ungehorsam, was daran liegt, dass ihre Mütter ständig arbeiten und sie keinen Vater haben. Juan ist ein sehr unruhiges Kind; er will immer, dass der Unterricht möglichst bald zu Ende sei, weil er lieber spielen mag. An einem Tag kam ohne Gürtel, und seine Hose rutschte ihm ständig herunter. Am nächsten Tag kam er mit einem Stromkabel anstelle des Gürtels; der Gürtel war kaputt gegangen, wie er sagte. In der ersten Juniwoche kam Juan mit Spuren von Gewaltanwendung in die Schule, sein Auge war ganz blau geschwollen. Die Lehrerein Judith brachte ihn in die Medizinstation, die Schule übernahm die Kosten für die Behandlung. Wir machten schriftlich Mitteilung an die Familie, dass das Kind ins Krankenhaus gebracht und dort untersucht werden sollte, aber der Junge sagte, dass seine Mutter dafür keine Zeit habe, da sie immer arbeite. Diese Familie wohnt auf dem Berg hinter der Schule in einer Hütte aus Schilfgeflecht; ich kenne das Haus, denn ich habe schon verschiedentlich mit der Mutter gesprochen. Dieser Art von Problemen begegne ich bei vielen Kindern, aber das ist eben meine Arbeit, und ich nehme mir Zeit, um diesen Kindern bei ihren Aufgaben und bei ihren Problemen im Elternhaus zu helfen. Manchmal sind die Kinder sehr traurig und erzählen mir ihre Probleme, und ich höre ihnen zu und erkläre ihnen viele Dinge, und manchmal gehe ich auch zusammen mit ihnen zu den Eltern; die Eltern danken mir für diese Geste.

Pablo ArcePablo Arce: Im ersten Halbjahr, das im März begann, waren einige der Kinder unruhig, was daran lag, dass ihnen das Bildungsministerium die Ferien verkürzt hatte. Sehr lustig war, dass manche der Schüler mich mit „Señorita“ ansprachen, wohl deshalb, weil die meisten Lehrkräfte gewöhnlich Frauen sind, aber sie entschuldigten sich dann immer mit einem unschuldigen Lächeln. Eine andere Geschichte sind die Jungen Angel und Martín, die zu zwei Gelegenheiten mit den Fäusten aufeinander losgingen. Der eine Junge ist dafür bekannt, dass er ein Problem mit seiner Erziehung hat, und der andere ist impulsiv. Dieser Fall wird jetzt behandelt, so hat Angel jetzt Gespräche mit dem Psychologen. Ich freue mich darüber, dass der Junge nach der Behandlung wirklich ein gebessertes Verhalten und auch bessere Lernerfolge zeigt. Ich stehe in Kontakt mit dem Psychologen, um den Jungen hinsichtlich seines Verhaltens gegenüber seinen Kameraden auch betreuen zu können.

María Elena MontezaMaría Elena Monteza: Ich will Euch den Fall des Jungen Joshua erzählen, um den ich mir große Sorgen mache, weil ich keine Fortschritte bei ihm sehen kann und nicht mehr weiß, mit was für einer Strategie ich vorgehen soll. Er ist ein von seinem Vater verlassener Junge, weshalb er sehr verbittert und unverträglich ist. Hinzu kommt, dass er auch seine Mutter nicht täglich sieht, da sie offenbar als Hausangestellte tätig ist. Er wohnt also allein bei seinen Großeltern, die ihn wegen ihres Alters nicht angemessen betreuen und anleiten können. Am Vatertag bastelten wir an Glückwunschkarten, die alle Kinder mit einer Nachricht beschriften sollten. Doch Joshua wollte das nicht tun und sagte, sein Vater solle doch sterben! Diese Antwort überraschte mich sehr und ich fragte ihn, warum er so sprach. Darauf antwortete er mir, dass er seinen Vater nicht liebte, weil er ihn verlassen hatte. Da sagte ich, dass uns Gott lehrt, unsere Eltern zu ehren, worauf er sofort antwortete, er habe zu Gott gebetet und Gott habe ihm geantwortet, dass er die Erlaubnis habe, dieses Gebot zu missachten. Dieser Junge ist ein ganz besonderer Fall, und ich habe mich mit dem Psychologen verabredet, damit er ihn behandelt.

Wie um Joshua so mache ich mir auch um alle anderen Kinder Sorgen und Gedanken, den jedes von ihnen ist eine eigene Welt und hat seine eigenen Probleme. Ich bin als langjährige Lehrerin an diese Probleme gewöhnt, aber hier in Mariátegui sind die Fälle schon besonders drastisch, vor allem wegen der familiären Gewalt, und deswegen spreche ich viel mit den Eltern.

Gladis RivasGladis Rivas: Ich möchte Euch den Fall des Jungen Miguel erzählen, der mit neun Jahren noch niemals in die Schule gegangen war. Laut seinem psychologischen Dossier war er ein Grenzfall mit Sprachproblemen; er sprach kein einziges Wort. Ich redete mit allen Kindern in meiner Klasse, damit sie ihn nicht hänselten, sondern ihm Vertrauen und Unterstützung gäben. Ich bemühte mich, das Kind zum Sprechen zu bringen, indem ich ihn stark in den Unterricht einbezog. Als er sah, dass seine Klassenkameraden sprachen, begann er etwas offener zu werden. Nachdem er inzwischen auch einige Wörter gesprochen hat, habe ich den Glauben, dass er weitere Fortschritte machen wird.

Ich muss Euch auch erzählen, dass aus meinem Klassenzimmer Hefte und Bücher gestohlen wurden, doch glücklicherweise konnte das Problem gelöst werden: Wir setzten uns mit dem Verlag in Verbindung, und von dort wurden uns sechs Bücher gespendet. Zwei weitere fotokopierten wir. Die Eltern waren uns sehr dankbar dafür, dass wir das Problem so lösten, denn sie hätten das Geld nicht gehabt, um die Bücher neu zu kaufen.

Humberto RiáteguiHumberto Riátegui: Wir hatten einige Fälle von Kindern, denen das Lernen große Schwierigkeiten macht, wie zum Beispiel der Junge Luis Alberto, der anfangs große Abneigung gegen das Lernen zeigte. Wir gehen nun mit ausgewählten psychosozialen Methoden auf ihn zu, die seiner Lebensumwelt angepasst sind, und inzwischen zeigen sich Veränderungen in seinem Verhalten und auch seiner Lernbereitschaft, was zu einer guten Halbjahresbewertung geführt hat.

Das Gesundheitsprogramm der Schule

Im Mai veranstaltete die Schule in Zusammenarbeit mit der Medizinstation eine Kampagne gegen das Denguefieber, eine epidemische Krankheit, die durch Mückenstiche verbreitet wird. Bei dieser Gelegenheit untersuchten die Ärzte alle unsere Kinder, doch glücklicherweise wurde in der Schule kein einziger Denguefall festgestellt. Als eine Präventionsmaßnahme marschierten alle Kinder mit Plakaten und Transparenten über den Kampf gegen das Denguefieber durch Mariátegui.

Kinderaufmarsch gegen das Denguefiber

Die Kinder der Vor- und der Grundschule wurden allgemeinmedizinisch untersucht, gemessen und gewogen. Ein Großteil der Kinder hat Karies und ein zu geringes Körpergewicht, weshalb der Arzt die Eltern zu Beratungsgesprächen eingeladen hat, um sie über die Befunde ihrer Kinder zu informieren.

In den ersten Monaten des Jahres sind auch zwei Unfälle passiert. In einem Fall verschluckte ein fünfjähriges Mädchen ein Zehncéntimostück und drohte daran zu ersticken. Wir brachten sie sofort in die Medizinstation, und am dritten Tag wurde das Geldstück auf natürlichem Weg ausgeschieden; das Mädchen ist glücklicherweise gesund. Ein anderes Kind schlug sich die Augenbraue auf und kam blutend in die Schule. Wir brachten es gleich in die Medizinstation, um es behandeln zu lassen. Die Eltern dieses Kindes gehen früh morgens arbeiten, und es bleibt allein zu Hause.

Das Alphabetisierungsprogramm

Dieses Programm ist dazu da, junge Erwachsene zu alphabetisieren. Zwanzig von ihnen haben bereits ihr Grundschulabschlusszeugnis erworben, es sind Menschen, die weder lesen noch schreiben können. Sie müssen nichts bezahlen für diesen Dienst, den die Schule durch die Lehrerin Lucila Robles in der Volksküche anbietet.

Der Schülerhilfefonds

Es wurde die fünfzehnjährige Schülerin Medalí unterstützt. Wir kauften ihr alle ihre Schulutensilien, damit sie das ganze Jahr über in die Schule gehen konnte. Sie geht in die staatliche Schule; ihre Eltern machen nur Gelegenheitsarbeiten. Ihr Vater leidet an einem Leistenbruch und kann nur selten als Maurer arbeiten, und ihre Mutter wäscht Wäsche und arbeitet als Putzfrau.

Wir haben hier auch den neunjährigen Nelson, den sein Vater verlassen hat. Seine Mutter leidet an Anämie, doch dessen ungeachtet geht sie täglich arbeiten. Alle drei Geschwister bleiben solange bei der Großmutter. Nelson ist ein Junge, der viel Spaß am Lernen hat. Für ihn haben wir auch alle Schulutensilien gekauft; er ist im zweiten Grundschuljahr.

Und schließlich das Mädchen Roxana. Sie verkauft Bonbons auf der Straße und lebt bei ihren Großeltern oben in den Hügeln. Sie ist sehr fleißig und intelligent und geht in die vierte Klasse in unserer Schule. Sie spielt auch in unserer Musikkapelle mit.

Die Eltern dieser Kinder sind sehr dankbar für die Hilfe, die wir ihnen gewähren, denn dank dieser Unterstützung können ihre Kinder in die Schule gehen. In Mariátegui gibt es viele Kinder, die nicht in die Schule gehen, und dank dieses Fonds können wir Kindern helfen, die sonst keine Möglichkeit hätten, etwas zu lernen.

Die Medizinstation

Diese Medizinstation, die wir vor Jahren gemeinsam mit den Bewohnern errichteten, hat nun drei neue Räume für die medizinische Betreuung der Bewohner Mariáteguis eingeweiht. Wir trugen dazu etwas Baumaterial und eine Toilette bei. Zur Eröffnungsfeier waren wir eingeladen, und Telmo und Holger übernahmen die Patenschaft für den Anbau. Die Bevölkerung applaudierte und zeigte sich dankbar. Dieses Werk wird nicht nur für die Nachbarn sondern auch für unsere Schule von großem Wert sein, denn die Medizinstation unterstützt uns dabei, über die Gesundheit unserer Kinder zu wachen. Wir danken Doktor Abad, dem Leiter der Medizinstation, für die gute Zusammenarbeit.

Dr. Abad bei der Eröffnung der Erweiterung der Medizinstation

Wir haben gemeinsam mit dem Arzt daran gearbeitet, einem ehemaligen Angehörigen des Sendero Luminoso, der an Magenkrebs erkrankt ist, zu helfen. Es gab eine Aktion, um Medikamente für ihn bezahlen zu können, bei der sich die Schule beteiligte. Der Mann lebt allein, nachdem seine Frau und seine Kinder ihn verlassen haben, und wollte sterben. Doch wir besuchten ihn mehrmals und sprachen ihm Mut zu, und schließlich besuchte er auch unsere Kirche, trotz allem, was er in seinem vorherigen Leben getan hatte. Jetzt bereut er seine Taten und möchte nun weiterleben, bis Gott ihn zu sich holt.

Die Arbeit mit den Straßenkindern (pirañitas)

Wöchentlich besuchen wir die Pirañitas, waschen und schneiden ihnen die Haare und kochen mit ihnen Essen. Dabei versammeln sich Kinder und Jugendliche von verschiedenen Orten, und es werden auch Lieder gesungen. Auch unsere freiwillige Helferin und Freundin Judith konnte diese Arbeit kennen lernen und gemeinsam mit ihnen kochen. Der Junge, der ein Auge verloren hat, ist jetzt an Krebs erkrankt. Wir leisten einen Beitrag für seine Medikamente und seine medizinische Behandlung.

Bei den pirañitas (Straßenkindern) unter der Santa-Rosa-Brücke in Lima

Das Gesundheitsprogramm an der Cocha del Caro Curahuayte

Der Krankenpfleger Gílber Hupiachihuay besucht regelmäßig die Gemeinden an der Lagune. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Familienplanung; für die Frauen dort sind Verhütungsmittel sehr notwendig. Es treten auch Erkrankungen der Atemwege auf. Die Ausstattung an Medikamenten ist nicht ausreichend, und häufig legt der Krankenpfleger etwas von seinem eigenen Gehalt dazu. In vielen Fällen nehmen die Patienten die Medikamente mit und versprechen, später zu bezahlen, doch meist tun sie es dann nicht. Daraus entsteht eine ständige schwere Notlage. Doch Gílber ist froh, dass er Arbeit hat, und er besucht jeden Nachmittag die umliegenden Dörfer, wo es auch viele Kinder mit Magen-Darm-Erkrankungen und anderen Beschwerden gibt. Er hält sich ständig an der Cocha del Caro Curahuayte auf, und fährt nur nach Requena, um Angelegenheiten für die Gemeinde zu regeln und in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus von Requena Gesundheitsbildungsmaßnahmen und Präventionskampagnen zu organisieren. Der Krankenpfleger berichtet uns, dass er Zähne gezogen und das Familienplanungsprogramm betreut hat. Ferner hat er viele Familien in ihren Behausungen besucht, um sie in Hygienefragen zu unterweisen und ihnen den Genuss von chloriertem Wasser zu empfehlen. Er führt Buch über alle seine Hausbesuche. Einige Zeit lebten die Dörfer in Angst vor einem Panter, der um die Siedlungen streifte und mehrere Hunde tötete und fraß. Glücklicherweise gelang es einem der Bewohner schließlich, das Raubtier mit einem Schuss zu erlegen.

Aufenthalt von Holger und Darinka

Wir sind dankbar für den Besuch von Holger und Darinka. Gemeinsam mit ihnen konnten wir alle Arbeiten von El Buen Samaritano sehen, sowohl in Lima (Mariátegui) als auch im Urwald. Wir haben mit ihnen über sehr viele Punkte gesprochen, und wir trafen einige gemeinsame Entscheidungen, um die Verwaltung zu verbessern. Wir schauten auch zurück auf 15 Jahre der Arbeit und Entwicklung, an deren Ende heute eine Schule mit drei Stockwerken und einer guten Ausstattung steht, die derzeit 155 Kindern Sicherheit und alles zum Lernen erforderliche bietet. Ein Erfolg ist, dass wir die Betriebsgenehmigung vom Bildungsministerium für die ganze Grundschule erhalten haben.

Wir danken unseren Freunden in Deutschland, die es mit ihren Spenden Jahr für Jahr möglich gemacht haben, dass unsere Arbeit so vorangeschritten ist – für das Wohl der Kinder.

Das Freiwilligenprogramm

Wir wollen Euch auch über den Aufenthalt der freiwilligen Helferinnen Jessica und Judith berichten. Sie haben mit den Kindern gearbeitet und ihnen Englischunterricht erteilt, wobei viele unserer Schüler etwas gelernt haben, obwohl die Arbeit wegen des Verhaltens der Kindern nicht ganz einfach ist. Dennoch machten sie eine gute Arbeit und wir sind für ihre Unterstützung sehr dankbar.

Das Freiwilligenprogramm ist für unsere Einrichtung sehr wichtig, denn so können Menschen ganz direkt die Bedingungen, unter denen unsere Arbeit stattfindet, und die Not, die in diesem Gebiet herrscht, kennen lernen und Euch später davon berichten. Wir danken allen Freiwilligen für jedes Sandkorn, das sie beigetragen haben. Wir erwarten nun Simon, unseren nächsten Freiwilligen, und wir hoffen, dass sein Aufenthalt in Perú und seine Mitarbeit in der Schule und in anderen Bereichen erfolgreich verläuft.

Wir wollen Euch abschließend mitteilen, dass Telmo infolge seiner vielen Arbeit gesundheitlich ein wenig angeschlagen ist, weshalb Gloria und Javier und das ganze Team seine Aufgaben teilweise mit übernehmen. Wir arbeiten mit dem gleichen Engagement wie vor 15 Jahren, und es verschafft uns große Freude, dass wir gemeinsam so viele Erfolge zugunsten unserer Schulkinder und der Bewohner von Mariátegui erzielen konnten, wie auch das humanitäre Hilfsprogramm, das Gesundheitsprogramm im Urwald und die Arbeit mit den Straßenkindern.

Euch gilt unsere ewige Dankbarkeit. Gott segne Euch.

Telmo, Gloria und Javier


Bericht von Judith Binder über ihren
Freiwilligenaufenthalt 2004-2005

Dschungelbuch

Die Hitze zermürbt alle.

Das Thermometer im Bus zeigt mehr als 40°C an. Ich habe aufgehört, die Stunden zu zählen (sind es schon 14?), die ich seit Beginn der Reise in diesem rollenden Gefährt verbracht habe. Unser Bus hat mittlerweile die befestigten Strassen hinter sich gelassen und während wir über schmale geschotterte Urwaldwege rumpeln, die zerfurcht sind von unzähligen Schlaglöchern, wird mir erst richtig bewusst, dass ich mich mitten im abenteuerlichen Amazonasurwald befinde.

Zwischen einschlummerndem Vormichhinschaukeln und interessiertem Lesen im Reiseführer sehe ich ab und zu kleine Stelzhäuser an meinem Fenster vorbeihuschen. Sie erscheinen wie Puppenhäuschen, so umgeben von der überwältigenden Präsenz des Urwaldes, seinen mit Moos und Efeu überwucherten Mammutbäumen und der schier undurchdringlichen Sträucherwand, die sich rechts und links vom Weg über die Berge erstreckt. Unter den Pfahlbauten rennen frisch geschlüpfte Küken mit Ferkeln um die Wette; Frauen hängen ihre Wäsche, die sie schon früh morgens im frischen Quellwasser eines Wasserfalls gewaschen haben, über die Geländer der Balkone ihrer Häuser.

Meine Gedanken schweifen zurück. Alles begann mit einer viertägigen Flussfahrt mit der so genannten lancha, einem Passagier- und Transportkahn. Als ich „Henry den 3.“ sah, kamen mir doch leise Zweifel. Dieser verrostete, alte und völlig überladene Kahn soll mich sicher ans Ziel bringen?

„Passagiere: 2. Stock“ – steht auf einem großen Schild am Anlegeplatz. Also pack ich mein Hab und Gut (kleiner Rucksack, großer Reiserucksack, Hängematte, die mir die nächsten Nächte als Bett dienen soll & zwei Wasserkanister à 20 Liter Trinkwasser).

Ich quäle mich die schmale, vom Motoröl gefährlich schmierige Eisentreppe nach oben und betrete den für die Passagiere gedachten Aufenthaltsraum.

Urwaldflussdampfer „Henry 4“

Das Bild, das sich mir bietet, werde ich wohl nie wieder vergessen: Affen, Papageien, Hunde, Tauben, dazu eine Unmenge an gestapeltem Gepäck (Peruaner reisen grundsätzlich NIE ohne ihren halben Haushalt!), Früchte & Trinkwasser im Mittelgang und Hängematte an Hängematte an Hängematte an Hängematte... dieser Gestank... Als bekennende mit-aufgerissenem-Fenster-Schläferin rutscht mir das Herz in die Hosentasche! „Ich will hier raus, raus, nur raus... Die haben sowieso keinen Platz mehr für uns.“ Telmo zwingt mich zum Weiterlaufen. Es ist eher ein Weiterkriechen. „Judith, lauf weiter! Hinter uns kommen noch mehr Leute, die mit dieser lancha fahren wollen!“

Ich weiß nicht mehr, wie ich die nachfolgenden fünf Stunden bis zum Ablegen überstanden habe. Die drückende Hitze, weinende Kinder, die schon seit dem Morgen an Bord waren, so viele Menschen, die einen anstarren, weil man eine gringa ist, acht verschieden quakende Radios,... Papageien kreischen... Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass dies der Beginn einer wunderbaren Reise ist...?!! *g*

Hängematten auf dem Urwaldflussdampfer

Es wurde Abend und wieder Morgen – der zweite Tag brach an.

Zum Frühstück bekam Judith eine viel zu süße Haferflockensuppe vorgesetzt, Beilage: Zwei kleine Brötchen. Sie spülte ihren Teller, putzte sich die Zähne und boxte sich anschließend den Weg von der Toilette, die sich am Ende des Schiffes und leider direkt neben der Kochkajüte befand, zu ihrer Hängematte durch. Über Nacht waren ein Dutzend neuer Passagiere zugestiegen. Wie viele Passagiere wohl noch zusteigen können, ohne dass der Kahn untergeht? Judith lag wieder in ihrer Hängematte. Ein bisschen auf der rechten Seite zum Fenster rausgeschaut und von weitem das Grün des Urwaldes bewundert, ein bisschen geschlafen und schon wieder gab es Essen – Mittagessen.

Die Papageien hatten inzwischen aufgegeben, um mehr Freiheit zu kämpfen. Sie ergaben sich stumm ihrem Schicksal und vegetierten zu sechst in einem winzigen Bastkörbchen vor sich hin. Langeweile machte sich bemerkbar bei Judith. Das zu-nichts-zu-gebrauchen-und-fauler-sein-als-ein-Koalabär-in-Australien-Gefühl musste ein Ende haben. Also: zur Abwechslung auf der linken Seite zum Fenster rausgeschaut und von weitem das im Abendlicht glänzende Grün des Urwaldes bewundert. Zwischendurch zu Abend gegessen (hatte Judith überhaupt Hunger?). Dann ein bisschen an Deck gegangen, um den wunderschönen Sonnenuntergang zu genießen. Es wurde Abend und wieder Morgen – der dritte Tag brach an.

Und weil alle Tage auf der lancha nach demselben Schema gestaltet waren, wollen wir einen kleinen Zeitsprung machen...

Nachdem wir die lancha verlassen hatten, war es mir nur kurze Zeit vergönnt, endlich mal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Die letzte Etappe vor der Ankunft in dem Dschungeldorf El Buen Samaritano steht mir bevor: Diesmal darf ich es mir in einem kleinen wackeligen, zum Motorboot umgebauten Kanu gemütlich machen. Wir fahren im angenehmen Zockel-Tucker-Tucker-Tempo auf dem Río Ucayali, begleitet von Libellen, Schmetterlingen und ein paar Delphinen. Nach der Hälfte des Weges (ca. 1,5 Stunden) biegt unser peque peque in einen winzigen Nebenarm des Ucayali. Wir müssen uns ducken, damit das dichte Gestrüpp uns nicht das Gesicht blutig kratzt. Ich bin benommen von dem ohrenbetäubenden Lärm, der mir entgegenschlägt: kreischen, summen, flöten, singen – zirpen, brummen, flattern, klingen. Meine Gehörgänge sind verstört, können aber nach und nach einzelne Klänge von anderen unterscheiden. Eine Stechmücke setzt sich auf mein Knie. Sie endet jedoch, noch bevor sie in den Genuss meines süßen Blutes kommen konnte, im Stechmückenhimmel. Ich habe es geschafft, ich bin endlich im grünen Paradies.

Ich bin im Dschungel!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Zufrieden lehne ich mich an meinen großen Reiserucksack. Die Pflanzenwelt lichtet sich. Unser kleines peque peque fährt auf eine Lichtung zu. Im Glanze der Abendsonne erkenne ich 13 Pfahlbauten mit Strohdächern, im Halbkreis stehend, eine große Rasenfläche in ihrer Mitte. Auf der einen Seite des Rasenplatzes fällt eine leichte Böschung zum Río Ucayali ab. Zur anderen, wo die Pfahlbauten stehen, öffnet sich der Dschungel mit all seinen geheimnisvollen und etwas beängstigenden Geräuschen. Später wird mir erklärt, dass hier, an der Cocha del Caro Curahuayte acht Familien wohnen. Unter den 13 Hütten befindet sich unter anderem eine kleine posta médica (Krankenstation), eine iglesia (Kirche) und ein colegio (eine Schule).

Don Santos und Doña Alejandrina, Telmos Eltern

Wir sind bei den Eltern von Telmo untergebracht, Alejandrina & Santos, einem drahtigen, etwas gebrechlich wirkendem Ehepaar. Unsere Unterkunft: eine große Strohhütte, bestehend aus einem einzigen Raum. In der linken Ecke des Raumes entdecke ich auf dem Boden eine Feuerstelle aus Stein, daneben ein kleiner Holztisch mit einer Bank und vier Stühlen. Das sind die einzigen Möbelstücke im Raum. Das Strohdach ist an vielen Stellen undicht. Weil wir uns in der Regenzeit befinden, regnet es an manchen Tagen viele Stunden. Das größte Leck im Dach befindet sich über dem kleinen Holztisch. Der Tisch und die Stühle sind aufgequollen und eine schmierige Schicht hat sich auf deren Oberfläche angesammelt.

Es gibt keine Betten, keine Elektrizität, kein fließendes Wasser, keine Straßen oder Autos. Obwohl meine Armbanduhr erst 18:00 Uhr anzeigt, ist die Sonne bereits untergegangen. Zwei kleine, stark rußende Öllämpchen werden angezündet. Mein mir zugeteilter Schlafplatz ist gleich neben der Türe im rechten Eck, direkt gegenüber der Kochstelle. Ich richte mir auf dem Boden mit Isomatte und Moskitonetz einen Platz zum Schlafen. Die Holzbalken unter meiner Isomatte sind nicht gleichmäßig zugeschnitten. Durch die entstehenden Ritzen dringt kühle Nachtluft. Ich kann das Tapsen der Hühner hören, die unter dem Haus nach Körnen picken. Plötzlich macht sich Hektik breit. „Schnell, wir müssen essen. Die zancudos kommen!“ Keine Zeit für Erklärungen. Es gibt Kochbananen, die über dem offenen Feuer geröstet wurden, frisch gekochte, zarte Maniokwurzeln und gebratenen Fisch. (Im Verlauf meines Dschungelaufenthaltes werde ich das Essen nicht mehr erwähnen: ich habe jeden Tag die gleichen Alimente zu mir genommen. Zwar abwechselnd geröstet, zu Suppe oder Brei verarbeitet, im Wesentlichen aber bestehend aus Bananen, Maniok und Fisch, zum Frühstück, Mittag- und Abendessen!) Eine Stechmücke hat sich auf meinen Oberschenkel gesetzt. Diesmal bin ich zu langsam. Sie fliegt triumphierend davon und hinterlässt einen stark juckenden Fleck, der bedenklich schnell anschwillt. Ich versuche, ihn zu ignorieren. Nach dem Essen falle ich todmüde auf mein gemütliches Lager und schlafe sofort ein.

Und der nächste Morgen, der nächste Tag? Ein Hahn kräht. Weil die Sonne schon aufgegangen ist, quäle ich mich aus meinem dünnen Baumwollkokon, ziehe mir die Gummistiefel an und mache mich auf den Weg zum Klo – irgendwo ins Nirgendwo. Die Tautropfen auf dem Gras glänzen wie kleine Perlen. Das Dorf ist in einen Mantel friedlicher Stille gehüllt. Alles scheint noch zu schlafen. Ich schaue auf meine Armbanduhr: Natürlich, es ist erst 5.35 Uhr!!! Doch nach und nach kommt Leben ins Dorf. Nach dem Frühstück versuchte ich mich im Fischen und war so erfolgreich, dass unsere Gastgeber zwei Tage nicht zu fischen brauchten. Bei einem Streifzug durch den Dschungel mit der örtlichen Jugend übte ich mich im Umgang mit der Machete und lernte die Gefahren des Urwalds kennen. Am Nachmittag besuchten wir mit dem Kanu drei umliegende Dörfer, die im Prinzip alle gleich aussahen. Die Tage vergingen in ruhiger Gleichförmigkeit. Nur zum Abschied gab’s noch was Besonderes: Ein leckeres Essen, nicht mit Fisch sondern, man staune, mit Fleisch. Als ich anderntags allerdings erfuhr, dass ich ein niedliches kleines Äffchen verspeist hatte, plagten mich die Gewissensbisse. Na ja, so ist das halt: Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erleben..........

Judith Binder in Mariátegui...und weil ich ein ganzes Jahr in Peru war und – anfangs noch mit Jessica, später dann alleine – in der Schule als Englischlehrerin Kinder in Lima/Mariátegui unterrichtet habe, gibt es weitere Berichte, die ich im Laufe des Jahres verfasst habe.

Ihr könnt sie nachlesen auf der Homepage von El Buen Samaritano bei http://EBSeV.de/judith.html.

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen von ganzem Herzen für die große Unterstützung bedanken, nicht nur finanziell sondern auch mit tröstenden und aufbauenden Worten.

Mein Dank gilt vor allem meiner Gastfamilie mit Telmo, Gloria & Daniel, die mir wie ein zweites Zuhause waren; den Frauen vom Comedor (der Volksküche), die trotz ihrem trostlosen Alltag nie die Lebensfreude zu verlieren scheinen und mir bei meinen vielen Fragen immer Rede & Antwort standen, und natürlich meinen kleinen Schülern. Sie haben mir gezeigt, was es heißt in einem Armenviertel der Dritten Welt aufzuwachsen, sie haben mich manchmal zur Verzweiflung getrieben – aber dennoch waren sie der Grund, der mich zum Weitermachen ermutigt hat!

Jedes Einzelne dieser Kinder ist etwas ganz Besonderes und ich bin stolz auf sie!

Judith Binder


Einladung zur Mitgliederversammlung
am 26. November 2005, 15 Uhr
in Mössingen, Langgaßschule (Lange Straße),
Nebengebäude, Raum 15

TAGESORDNUNG:

TOP 1: Bericht des Vorstands über die Arbeit seit der letzten Mitgliederversammlung und Aussprache

TOP 2: Wahl der Kassenprüfer und ggf. Bericht der Kassenprüfer

TOP 3: Abstimmung über die Entlastung des Vorstands

TOP 4: Antrag des Vorstands auf Änderung der Satzung in § 1 Abs. 4

Bisherige Fassung:

Der Verein verwirklicht die Satzungszwecke als Träger von Kinderbetreuung, Aus- und Weiterbildung, Gesundheitsfürsorge, soziale Beratung und Hilfe umfassenden Selbsthilfeunternehmungen in Perú, insbesondere des Werkes El Buen Samaritano, das von der peruanischen evangelischen Missionarsfamilie Casternoque im Auftrag des Vereins betrieben wird. ...

Vorschlag Neufassung:

Der Verein verwirklicht die Satzungszwecke als Träger von Kinderbetreuung, Aus- und Weiterbildung, Gesundheitsfürsorge, soziale Beratung und Hilfe umfassenden Selbsthilfeunternehmungen in Perú, insbesondere des Werkes El Buen Samaritano, das von peruanischen Partnern im Auftrag des Vereins betrieben wird. ...

TOP 5: Vorstandswahl

Der bisherige Vorstand (Holger von Rauch und Hanna-Elisabeth Braungardt) stellt sich zur Wiederwahl.

TOP 6: Sonstiges

Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen!


Seitenanfang Startseite Mail an webmaster