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44. Rundbrief mit Berichten
über Juli bis Dezember 2003

—> Den Rundbrief gibt es auch als .PDF-Datei zum Ausdrucken <—

Freiwillige Helferin von El Buen Samaritano e.V. mit einem Straßenkind

Inhalt:


Sulzbach/Saar, im März 2004

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

die Fotos in diesem Rundbrief stammen größtenteils von unseren freiwilligen HelferInnen des vergangenen Jahres, dem Elektroingenieur Andreas Blumenstock und den beiden Abiturientinnen Susanne Brehm und Annemarie Mielke. Alle drei arbeiteten im Lauf des Jahres als Lehrkräfte für Englisch in unserer Vorschule mit. Wie ihre Berichte zeigen, sammelten sie bei dieser anspruchsvollen Tätigkeit einiges an Lebenserfahrung. (Der Bericht von Andreas Blumenstock war im letzten Rundbrief enthalten.)

In diesem Monat traf sich der Vereinsvorstand mit allen drei Freiwilligen in Nehren zu einem Gespräch, bei dem wichtige Punkte, die beispielsweise die Abwicklung der Freiwilligeneinsätze betreffen, zur Sprache kamen. Solche Gespräche sind für uns wertvoll, denn sie helfen uns dabei, unsere eigene Arbeit stets kritisch zu überprüfen. Wir freuen uns darüber, dass unser Freiwilligenprogramm auch in dieser Hinsicht so gute Früchte trägt.

Nach fast fünfzehn Jahren der gemeinsamen Arbeit erscheint es uns sinnvoll, unser Werk durch unabhängige Personen einer Gesamtevaluation unterziehen zu lassen, die es uns ermöglichen soll zu erkennen, ob die Arbeit in Perú (aber auch hier in Deutschland) effizient genug ist, und die hoffentlich die eine oder andere Anregung zu sinnvollen Veränderungen erbringen wird. Wir konnten eine sehr qualifizierte Spezialistin für diese Aufgabe gewinnen und werden Euch über die Ergebnisse der Evaluation unterrichten.

Eine Anmerkung zum Kassenbericht: Er weist zum Jahresabschluss ein hohes Guthaben von über 10.000 Euro aus. Das bedeutet aber nicht, dass El Buen Samaritano e.V. im Begriff wäre, hier Vermögen zu bilden, sondern das liegt daran, dass zu Jahresende besonders viele Spenden eingingen, die es uns nun in den ersten Monaten des neuen Jahres erlauben, vor allem an der Schule weiterzubauen. Inzwischen ist ein großer Teil dieses Geldes verbraucht.

Für Eure ausdauernde Unterstützung der Arbeit von El Buen Samaritano danke ich Euch einmal mehr und grüße Euch alle herzlich,

Euer

Holger v. Rauch

Holger v. Rauch

(Vorstand)


Telmos Bericht über die Arbeit in Perú Juli bis Dezember 2003

(Übersetzt von Holger von Rauch)

An den Verein
El Buen Samaritano e.V.
Deutschland

Empfangt alle meine herzlichen Grüße. Mit diesem Brief möchte ich Euch zunächst darüber unterrichten, was in den Monaten Juli bis Dezember 2003 in unserer Schule alles passiert ist.

Die Fassade der Schule mit neuer Bemalung

Die Arbeit der Schule in Mariátegui

Im Schuljahr 2003 unternahmen alle Vor- und Grundschullehrerinnen Anstrengungen, um den Vorgaben des Lehrplanes zu genügen.

Nach den kurzen Halbjahresferien zwischen dem 25. Juli und dem 8. August erwarteten wir, dass die Kinder mit großer Lernfreude zurück in die Schule kommen würden, doch das war nicht so. Viele Kinder kamen ganz ohne Lust zu lernen in die Schule, manche beklagten, ihre Eltern hätten sie in den Ferien den ganzen Tag zuhause eingesperrt gehalten, während sie selbst arbeiten gingen, manche wurden bei irgendwelchen Verwandten untergebracht, wo sie nicht gut behandelt wurden und nicht einmal regelmäßig zu Essen bekamen, und all das äußerte sich im Fehlverhalten dieser Kinder im Klassenzimmer. Aber die Lehrerinnen arbeiteten intensiv mit jedem einzelnen der Kinder, um ihr Verhalten zu verbessern. Am meisten betrifft dies die Kinder aus der ersten bis dritten Klasse der Grundschule.

Ich will Euch nun einige konkrete Fälle erzählen.

Der erste Fall ist der sechsjährige Luis aus der ersten Klasse. Er wechselte aus einer staatlichen Schule zu uns, eben jener staatlichen Schule, die wir bei unseren Diavorträgen zeigten, aus der er wegen seines schlechten Verhaltens ausgeschlossen worden war. Andere Schulen wollten ihn nicht aufnehmen, deshalb kam er schließlich zu unserer Schule El Niño Jesús und nahm hier seine Schulausbildung wieder auf. Doch gleich am ersten Schultag entwand er seiner Lehrerin die Stempel und ihren Federhalter, warf sie aus dem Fenster auf die Straße, rannte heraus und machte diese Gegenstände mit einem Stein kaputt. Danach schob er alle Schuld auf einen Klassenkameraden. Die Lehrerin ließ die Mutter des Jungen kommen (der Vater lebt nicht mehr) und gemeinsam sprachen sie mit Luis, um ihm zu sagen, dass sie beide, seine Mutter und seine Lehrerin ihn sehr lieb hätten. Da begann er zu weinen und gestand, dass er es getan hatte und sagte, dass er sich so verhalte, weil er glaubte, niemand würde ihn lieb haben und sich für ihn interessieren, und schließlich versprach er, er wolle fortan ein guter Junge sein. Seit ihm nun seine Lehrerin María Elena Monteza viel Aufmerksamkeit und Liebe zuwendet und ihn regelmäßig zuhause besucht, hat sich das Betragen von Luis deutlich verbessert, und er konnte auch das Schuljahr erfolgreich abschließen. Wir sind darüber sehr glücklich.

Im zweiten Fall stahl der achtjährige Luis S. aus der dritten Klasse seiner Lehrerin 20 Soles, die sie für ihre Busfahrten bereithielt, und versteckte sie unter einem Stein. Als die Lehrerin entdeckte, dass ihr Geld fehlte, sagte sie zu den Kindern, sie werde sofort die Polizei rufen, damit jedes einzelne Kind verhört werde, wenn ihr die Kinder nicht sagten, wer das Geld genommen hatte; dann würde nichts weiter passieren. Da meldete sich Luis schnell und gestand, dass er es getan hatte, und er sagte, dass er es getan habe, weil sie zuhause nichts zu Essen hätten und er sich schon so lange neue Schuhe und Kleidung wünsche, und er fragte, warum andere Kinder diese Dinge bekämen, aber er nicht. Sein Vater ist arbeitslos und am Rückgrat erkrankt; seine Mutter arbeitet als Putzfrau in unserer Schule.

Der dritte Fall ist der vierjährige Johanes, der frechste in seiner Klasse. Er verletzte sich zuhause beim Spielen mit einem Eisenstück am rechten Auge und musste als Notfall in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht werden, wo man ihm half, und Gott sei Dank besserte sich sein Zustand. Allerdings ist sein Auge nicht ganz in Ordnung gekommen, und nun benötigt er eine Operation. Seine Eltern kamen zu uns, um uns um Hilfe zu bitten, denn aufgrund des Unfalls ihres Kindes hatten sie sich verschulden und einen Teil ihres Eigentums verkaufen müssen, beispielsweise ihren Tisch und die Stühle, um damit die medizinische Behandlung zu bezahlen, und so waren sie mit den Schulgebühren um vier Monate in Rückstand geraten. In Anbetracht der Bedürftigkeit dieser Familie befreite sie die Schule für diese vier Monate von ihren Schulden und wir halfen ihnen auch mit einem Beitrag für den Kauf der Medikamente. Johanes konnte das Vorschuljahr erfolgreich abschließen und in die Gruppe der Fünfjährigen wechseln.

Sehr traurig sind wir über den Fall des vierjährigen Kewin, der sich bei einem Sturz im August das rechte Bein brach. Nachdem man ihm den Gips entfernt hatte, bildeten sich an seinen beiden Beinen Schwellungen und später auch an seinen Armen. Seine Eltern erschraken darüber sehr und kamen schließlich im Januar zu uns und gaben der Schule die Verantwortung für die Erkrankung ihres Kindes. Wir halfen ihnen sofort, damit das Kind zu stationärer Behandlung in ein Krankenhaus kommen könnte. Einen Monat später gaben die Ärzte das Kind auf, da sie Knochenkrebs feststellten. Der Junge ist jetzt in einer Spezialbehandlung in einem anderen Krankenhaus, und die Schule unterstützt die Familie weiterhin finanziell. Wir hoffen, dass es ihm bald besser geht und er seine Schulausbildung wieder aufnehmen kann. Gott stehe ihm bei.

Hütten in der Umgebung der Schule

Im Lauf des Jahres 2003 berief unser Schuldirektor Oswaldo Dionisio zwei Mal Versammlungen aller Eltern unserer Schulkinder ein. Wir luden zu diesen Gelegenheiten eine Psychologin ein, die den Eltern erklärte, wie wichtig es ist, den Kindern Zeit zu widmen und sie nicht die ganze Woche über in der Aufsicht von Nachbarn oder Verwandten zu lassen. Ferner wurde auf die Wichtigkeit der Schulbildung hingewiesen. Die Psychologin rief alle Anwesenden dazu auf, ihre Kinder nicht mit Schlägen zu misshandeln, wenn sie sie zurechtweisen wollen, sondern lieber als wahre Freunde mit ihnen zu sprechen. Ich glaube, dass diese Versammlungen auch einen Beitrag dazu geleistet haben, dass das Schuljahr zu einem erfolgreichen Ende kam.

Der Schuljahresabschluss

Die Unterrichtstätigkeit endete am 22. Dezember. Im Schulhof fand eine Zeremonie statt, bei der die Kinder aller Stufen Lieder vorsangen, Gedichte rezitierten und typische Tänze aufführten. Mit Befriedigung und Freude durfte ich dabei zusehen, wie 40 Vorschulkinder ihre Abschlusszeugnisse entgegennahmen, die sie zum Eintritt in die Grundschule befähigen. Am Schluss richteten der Schuldirektor Oswaldo Dionisio und ich als Projektleiter Dankesworte an die anwesenden Eltern für deren Mitarbeit am Erziehungsauftrag der Schule und dafür, dass sie ihre Kinder unserer Schule anvertraut hatten.

Schulkinder

In der zweiten Januarwoche versammelten wir alle Lehrerinnen zu einer Versammlung, um die pädagogische Arbeit des Jahres zu evaluieren. Bei dieser Versammlung nahmen wir auch eine persönliche Evaluation jeder einzelnen Lehrerin vor. Es tut uns Leid, Euch mitteilen zu müssen, dass die Vorschullehrerin bei den Vierjährigen, Marilin Martínez im Jahr 2004 nicht mehr als Lehrerin bei uns tätig sein wird, und zwar aus zwei Gründen:

  • Sie hat die Kinder schlecht behandelt.
  • Weil die Eltern darum baten, dass die Lehrerin bei den Vierjährigen ausgewechselt werde.

Als die Lehrerin das erfuhr, reagierte sie sehr böse und begann, schlecht von der Schule und von ihren Kolleginnen zu sprechen. Sie nahm einen Anwalt und zeigte uns bei den Behörden an, und forderte durch ihren Anwalt alle möglichen Sozialleistungen und Zahlungen. Wir führten dann mehrmals Gespräche mit ihr und kamen schließlich mit ihr überein, ihr die Abfindung zu bezahlen, die ihr laut Gesetz nach einem Dienstjahr zusteht.

Die Lehrerin Elizabeth Vásquez benutzte die Versammlung dazu, uns ihre Kündigung vorzulegen, wobei sie zwei Gründe nannte:

  • Die große Entfernung zwischen der Schule und ihrem Zuhause (drei Stunden Busfahrt jeden Tag)
  • Weil sie in unserer Schule zu wenig verdiene.

Um die beiden freien Stellen neu besetzen zu können, ließen wir über Radio und Zeitung verbreiten, dass wir zwei Lehrerinnen für verschiedene Klassenstufen suchten. Im Verlauf einer Woche stellten sich 15 Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Unterlagen bei uns vor, und nach einer Evaluation der Bewerbungen durch den Direktor entschieden wir uns für Magaly Roxana Suárez, 22 Jahre, als Lehrerin für die fünfjährigen Vorschulkinder und Pablo Rojas, 25 Jahre, als Lehrer für die dritte Grundschulklasse.

Tätigkeiten während der Schulferien

Vom 19. Januar bis zum 28. Februar führten wir Wiederholungskurse und Einstufungstests durch, an denen elf Zweit und Drittklässler und zwölf Erstklässler teilnahmen.

Die Lehrerin Gladys Rivas übernahm dabei die Zweit- und Drittklässler; die Lehrerin María Elena Monteza die Erstklässler. Diese Veranstaltung war notwendig, da die betreffenden Kinder zu niedrige Lernerfolge aufwiesen und die Schuljahresabschlussprüfungen nicht bestanden hatten. Den Bemühungen und der Zuwendung der beiden Lehrerinnen ist es zu verdanken, dass diese 23 Kinder nun ihre Abschlusszeugnisse bekommen und in die nächste Klasse versetzt werden konnten.

Seit dem 1. Januar 2004 arbeitet unsere Schule El Niño Jesús mit dem Bildungsministerium bei dessen Alphabetisierungsprogramm zusammen, das nun an Samstagen und Sonntagen von 15 bis 17 Uhr in den Räumen der Schule stattfindet. Die Beamten des Bildungsministeriums wählten die Lehrerin Elizabeth Castro für die Arbeit mit den 48 Teilnehmern zwischen zwölf und 60 Jahren aus, die diese Verantwortung mit großer Bereitwilligkeit auf sich nahm.

Die Arbeit an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwaldgebiet

Vom 28. Januar bis zum 10. Februar reisten Simon Braungardt und ich gemeinsam in den Amazonasurwald, um zu sehen, wie die Arbeit an der Cocha del Caro Curahuayte vonstatten geht, wo El Buen Samaritano eine Medizinstation und eine Schule gebaut hat. Seit 1996 bezahlt El Buen Samaritano e.V. das Gehalt für einen Krankenpfleger. Zurzeit ist Gilber Hupiachihuay, 40 Jahre, verheiratet und Vater von fünf minderjährigen Kindern der Verantwortliche für die Medizinstation. Der Lehrer für die 40 Schulkinder wird nach einer Übereinkunft mit dem Bildungsministerium vom Staat bezahlt.

Auf unserer Reise lernten wir zwei junge Leute aus Frankreich kennen, Eric und Arnaud, die sich sehr für die Cocha del Caro Curahuayte interessierten und sich entschlossen, uns dorthin zu begleiten. Die Arbeit an der Cocha del Caro Curahuayte ist nicht einfach; der Lehrer und der Krankenpfleger leiden sehr unter den Stechmücken, die sie unentwegt belästigen, und unter dem kontaminierten Wasser. Der Krankenpfleger berichtete uns, dass in vielen Fällen Kranke, die in die Medizinstation kommen, nicht behandelt werden könnten, weil es nicht genügend der notwendigen Medikamente gebe, an denen es hier immer fehle. Gleichwohl wird die pädagogische wie die medizinische Arbeit so gut es geht aufrechterhalten.

Auf unserer Reise erging es uns gut, wir kamen gesund und wohlbehalten zurück, Simon und die anderen beiden jungen Männer waren von Hunderten von Stechmücken gestochen worden, doch es war nichts Ernstes.

Die Kirchengemeinde

Im Januar 2003 hatte ein Sturm das ganze Dach unserer Kirche zum Einsturz gebracht, weshalb wir uns dazu entschlossen, einen anderen Raum anzumieten, wo jetzt unsere Kirchengemeinde ihre Gottesdienste abhält. Erstaunlicherweise hat dieser Ortswechsel dazu geführt, dass an unseren Gebetsversammlungen nun mehr Menschen teilnehmen als zuvor. Wir hatten im vergangenen Jahr fünf neue Taufen und viele neue Erwachsene und Jugendliche kamen zu uns, um Mitglieder unserer Gemeinde zu werden.

Unser Programm für das laufende Jahr 2004 ist anspruchsvoll. Im März wollen wir die erste Taufe des Jahres abhalten und am 21. März werden zwei Paare in unserer Kirche heiraten, was wir als einen großen Segen des Herrn ansehen. In den Monaten Januar und Februar veranstalteten wir eine Ferienbibelschule mit über hundert Kindern, die biblische Geschichten kennen lernten. Wir benötigen in unserer Gemeinde eine Musikanlage und Musikinstrumente, wie eine Gitarre und eine Orgel, und beten dafür.

Die Arbeit mit den Straßenkindern (pirañitas)

Wir sind sehr traurig darüber, dass es in diesem Jahr schon zwei Todesfälle gegeben hat. Ein sechzehnjähriges Mädchen namens Tatiana stürzte sich in tiefer Verzweiflung in den Fluss, von wo sie ihre Kameraden Stunden später leblos bargen. Sie hinterlässt eine zweijährige Tochter. Ein zwölfjähriger Junge starb an einer Vergiftung.

Bei einem meiner regelmäßigen Besuche an den Donnerstagen stahlen mir die Kinder meine Brille, die mir meine liebe Freundin Nic Turad geschenkt hatte, so dass ich jetzt eine neue Brille benötige.

Auf der anderen Seite erfüllt es uns mit viel Freude, dass ein Achtzehnjähriger mit dem Spitznamen Bambam freiwillig den Entschluss gefasst hat, in das Rehabilitationszentrum Renacer zu gehen. Es geht ihm sehr gut, er nimmt jetzt keine Drogen mehr und er geht gern in die Kirche. Von dem Zentrum aus kommt er seine Kameraden am Fluss besuchen und predigt zu ihnen, dass mit Gott alles möglich ist. Wir haben Bambam eine Bibel geschenkt, und als andere Jugendliche das erfuhren, sagten sie mir, dass auch sie eine Bibel haben wollten.

Die Menschen, die auf der Straße leben, und besonders die, die am Ufer des Rímac-Flusses leben, werden ständig von Polizisten misshandelt, die kommen und ihre aus Karton und Stecken gebauten Hütten zerstören und abbrennen. Am Fluss gibt es immer viel zu tun, viel Arbeit fällt an mit den Menschen dort, und was sie am meisten brauchen, ist Liebe und Verständnis.

Abschließend wollen wir für eine Sonderspende danken, die für die Straßenkinder bestimmt war. Damit konnten wir einen schönen Weihnachtsausflug an den Strand veranstalten. Ebenso danken wir den Schülerinnen und Schülern aus dem Mössinger Quenstedt-Gymnasium, die an ihren Projekttagen eine Aktion machten und Geld für die Straßenkinder einnahmen. Mit diesem Geld wollen wir einigen Straßenkindern den Schulbesuch ermöglichen. Bald wollen wir Euch die Namen dieser Kinder nennen, doch im Moment möchten sie noch nicht, dass sie erkannt werden, so wie alle, die am Fluss leben, nie ihren vollen Namen sagen, weil sie von der Polizei oder von Familienangehörigen nicht identifiziert werden wollen.

Dies ist alles für heute. Es grüßt Euch brüderlich und auf bald

Telmo Casternoque


Andreas Blumenstock mit einer Familie vor deren Behausung in Mariátegui


Bericht von Susanne Brehm und Annemarie Mielke über ihren Einsatz als freiwillige Helferinnen

Liebe Mitglieder und Freunde von El Buen Samaritano,

schon im letzten Rundbrief sollte eigentlich ein Grußwort von uns, den profesoras de inglés [Englischlehrerinnen] stehen. Doch zu der Zeit standen wir gerade am Anfang unseres Aufenthaltes in Lima und waren mit Kultur, Sprache und der neuen Aufgabe wirklich ausreichend beschäftigt und ausgelastet. Jetzt, nach unserer Heimkehr nach Deutschland, haben wir Zeit und Muße, euch an unseren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

Wir beide haben im Sommer 2003 glücklich unser Abitur hinter uns gebracht und fuhren im September für insgesamt fünf Monate nach Perú, wovon wir knapp vier Monate bei Telmo und Gloria in Lima verbrachten und als Andreas Blumenstocks Nachfolgerinnen den Englischunterricht im Colegio [Schule] fortführten.

Glücklicherweise hatten wir vorher schon Kontakt zu Andreas aufgenommen gehabt, und er hatte uns gut informiert und auf unsere Aufgabe vorbereitet. Wir wussten also grob, was auf uns zukommen würde, als wir vier Tage nach unserer Ankunft in Lima zum ersten Mal offiziell als Lehrerinnen ein Klassenzimmer betraten. Der Unterricht gestaltete sich, wie erwartet, sehr schwierig. Es gab in jeder der sechs Klassen, die wir unterrichteten, eine Handvoll Kinder, die ihn geradezu boykottierten und teilweise fast unmöglich machten. Mit der Zeit fanden wir Mittel und Wege, uns durchzusetzen, sowie die nötige Portion Gelassenheit – chaotisch wird es nach deutschen Maßstäben immer bleiben und damit muss man sich einfach abfinden.

Annemarie Mielke mit Schulkindern

Inhaltlich haben wir uns zunächst sehr eng an Andreas' Beispiel gehalten, weil die Kinder an diesen Unterricht gewöhnt sind, nicht nur in den Englischstunden, sondern auch in anderen Fächern. Wir haben Vokabelfelder gelernt und wiederholt (z.B. Tiere, Früchte, Fahrzeuge, Familienmitglieder...) und das so spielerisch wie möglich. In den beiden höchsten Klassen (Klasse 2 und 3), bei denen wir auch jeweils zwei statt nur einer Stunde pro Woche hielten, versuchten wir nach einiger Zeit, auch kleine Sätze und Dialoge einzuführen und Grundzüge der Sprachstruktur im Englischen zu vermitteln. Die Erfolge waren da aber eher mager. Voraussetzung für das Ganze wäre mündliche Mitarbeit der einzelnen Schüler gewesen; diese Methode kennen die Kinder aber gar nicht und waren auch nicht oder kaum dazu zu bewegen.

So groß die Schwierigkeiten im Klassenzimmer auch waren, so groß war die Freude, die wir außerhalb an den Kindern hatten. Die uns im Unterricht fast zur Verzweiflung trieben, überraschten uns auf dem Pausenhof, in der Kirche oder im Comedor [Volksküche] mit ihrer unbeschreiblichen Liebenswürdigkeit und Anhänglichkeit. Das hat uns anfangs sehr verwirrt und dann beglückt und ermutigt. Es hat uns motiviert, unseren Unterricht genauso ernsthaft weiterzuführen, dabei aber den Erfolg nicht hauptsächlich an den Englischkenntnissen der Kinder zu messen, sondern vielmehr Wert auf die persönliche Beziehung zu ihnen zu legen. Das ist der Schluss, zu dem wohl alle Volontäre bei El Buen Samaritano kommen: dass diese Kinder Perús Hoffnung sind und dass sich alle Anstrengung lohnt, sie auszubilden und zu erziehen, aber vor allem auch sie zu lieben. Viele der Kleinen haben in ihrem kurzen Leben schon Dinge erlebt, die wir uns kaum vorstellen können und brauchen nichts mehr als Liebe und Zuneigung.

Genau darum geht es auch bei der Arbeit mit den Straßenkindern am Fluss.

Wir fuhren jeden Donnerstag mit Telmo gemeinsam an ihren Treffpunkt unter einer Brücke und haben mitgesungen und mitgebetet. Während unserer Zeit dort gab es als absolutes Highlight einen Ausflug an den Strand, wovon Wochen vorher schon geträumt und wovon wahrscheinlich auch jetzt noch erzählt wird. Ein anderes Mal haben wir zusammen T-Shirts bemalt, was auch sehr gut ankam. Ansonsten haben wir einfach versucht, Kontakte zu knüpfen. Es ist sicher nicht leicht, wirklich an die Jugendlichen heranzukommen – zumindest nicht in dieser kurzen Zeit, dazu sind sie verständlicherweise zu misstrauisch. Aber wir haben uns trotzdem am richtigen Platz gefühlt. Man spürt genau, wie glücklich die Kinder sind, wenn es eine warme Mahlzeit gibt, wenn Telmo mit seinen Liedern ein wenig Hoffnung verbreitet oder sie einfach mal jemand in den Arm nimmt.

Susanne Brehm mit Straßenkindern

Wir haben wirklich ein großes Paket an Erfahrungen und schönen Erinnerungen mitgebracht, sowohl von unserer Zeit in Lima als auch von unseren Reisen, haben uns in Land und Leute verliebt. Wir hoffen und beten, dass die Arbeit bei El Buen Samaritano weitergehen und noch viel bewirken kann für die Menschen in Perú.

Viele herzliche Grüße, un beso [ein Kuss],

Annemarie und Susanne


Bericht von Simon Braungardt über seine Reise zu Telmo nach Perú

Simon BraungardtIch habe gerade ein Jahr lang in Chile studiert und am Ende Zeit gehabt nach Peru zu reisen. Da ich Telmo bei seinem ersten Deutschlandbesuch 1994 kennen gelernt habe und über meine Mutter immer etwas über seine Arbeit informiert war, habe ich beschlossen ihn in Perú zu besuchen.

In Lima habe ich fünf Tage mit Telmo und seiner Familie verbracht. Wir sind jeden Tag mit seinem altem VW-Käfer nach Mariátegui gefahren, wo er den ganzen Tag für Kirche und Schule am arbeiten war. Es waren gerade Sommerferien, daher war in der Schule kein Betrieb, sie wurde aber renoviert und frisch gestrichen. Mariategui kam mir ein bisschen wie ein Dorf vor, wo jeder jeden kennt und man als "Neuer" bzw. als Tourist eine besondere Attraktion ist, dementsprechend habe ich auch in der kurzen Zeit, in der ich dort war, jede Menge nette Leute kennen gelernt.Beeindruckt hat mich die trotz materieller Armut ungebrochene Lebensfreude vieler Menschen.

Wir reisten auch an die Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald: Mit dem Bus nach Pucallpa von dort mit einem Schiff drei Tage lang den Ucayali-Fluss hinab. In Requena sind wir ausgestiegen und von dort aus ging es noch etwa vier Stunden mit einem kleinen Holzboot mit Außenborder durch Flüsse und überflutete Wälder bis zum Dorf "El Buen Samaritano". Das Leben der Menschen dort besteht aus Fischen, Fußball und Volleyball Spielen, Bananen und Maniok Anbauen und im Wald Jagen oder Früchte Sammeln. Der Krankenpfleger erzählte uns von seiner Arbeit, dass die Patienten fast nie Geld für Behandlung und Medikamente haben und deshalb meistens in Naturalien (vor allem Hühner) bezahlen, die er dann in Requena verkauft. Auch erzählte er uns viel über Heilpflanzen aus denen er selbst Medizin herstellt.

Simon Braungardt


Kinder in Mariátegui


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