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43. Rundbrief mit Berichten
über Januar bis Juni 2003

—> Den Rundbrief gibt es auch als .PDF-Datei zum Ausdrucken <—

Aktuelle Ansicht der Schule El Niño Jesús in Mariátegui: Das zweite Stockwerk ist fertig.

Inhalt:


Sulzbach/Saar, im Oktober 2003

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

unser Titelblatt zeigt die aktuelle Ansicht unserer Schule, und wer bei unserem Diavortrag aufgepasst hat, erkennt gleich: Es ist ein weiteres Stockwerk darauf gekommen. Zur Erinnerung hier die Ansicht der Schule vor sechs Jahren, etwa aus derselben Perspektive:

Ansicht der Schule aus dem Jahr 1997

Telmo, Gloria und die anderen Mitarbeiter (allein in der Schule arbeiten zur Zeit 15 Personen!) haben in der ersten Hälfte dieses Jahres viel geleistet, den ganzen Weiterbau organisiert, selbst mit angefasst, sehr viele Behördengänge und Verhandlungen absolviert, um die Genehmigung für den Betrieb der erweiterten Schule zu bekommen und dabei mit vielen Beschwernissen zu kämpfen gehabt, die Telmo in seinem Bericht (s.u.) nur andeutet.

Natürlich ist all das nur mithilfe Eurer Spenden möglich geworden, wie Ihr aus den Berichten über die Verwendung des Geldes auf den folgenden Seiten ersehen könnt. Eine Neuerung im Finanzbericht aus Perú ist, dass jetzt auch die Einnahmen der Schule aufgeführt werden und sämtliche Ausgaben, also auch die, die direkt aus diesen Einnahmen bezahlt werden. Ich freue mich über diesen Zugewinn an Transparenz. Telmo und Javier, der Buchhalter, schicken uns übrigens monatlich ausführliche und genaue Aufstellungen über alle Einnahmen und Ausgaben, die wir für den Rundbrief nur zusammenfassen. Wer sich dafür interessiert, kann diese Unterlagen gern bei mir einsehen.

Herzlichst, Euer

Holger v. Rauch

Holger v. Rauch

(Vorstand)

PS: Die Verspätung des Rundbriefs hat diesmal ihren Grund in der Fertigstellung der —> Multimedia-CD-ROM und in der Überarbeitung unserer —> Homepage (Ich freue mich über Kommentare zu beidem!)


Telmos Bericht über die Arbeit in Perú Januar bis Juni 2003

(Übersetzt von Holger von Rauch)

An den Verein
El Buen Samaritano e.V.
Deutschland

Ein herzlicher Gruß aus Perú an alle Freunde vom Verein El Buen Samaritano e.V. in Deutschland!

Indem ich Bleistift und Papier ergreife, kommen mir all die Dinge, die ich auf meiner Reise durch Deutschland erlebt habe, in Erinnerung. Seit meiner Reise ist schon mehr als ein halbes Jahr vergangen, aber ich habe noch nichts von den Erfahrungen, die ich machen konnte, vergessen, als da wären: Versammlungen, Treffen, Ausflüge, Begegnungen mit verschiedenen Familien, Kirchen, Gemeinden, Schulen, Gespräche mit Pastoren und Freunden. Sie alle sind mir in meinem Herzen und in meinen Gebeten gegenwärtig. Diese Reise in verschiedene Dörfer und Städte im Süden, in der Mitte und im Norden Deutschlands, wo ich 64 Diavorträge halten konnte, war von großem Segen, denn in der Folge konnte einiges erreicht werden:

1. Unsere gemeinsame soziale Arbeit zwischen Perú und Deutschland wurde gestärkt.

2. Ich konnte über alles, was in den letzten zehn Jahren seit meinem letzten Besuch in Deutschland 1993 erreicht wurde, direkt und genau informieren.

3. Neue Kontakte mit Freunden und Einrichtungen, die Interesse an unserer Schule in Perú zeigten, konnten hergestellt werden.

4. Wichtige Spenden für den Bau des zweiten Stockwerks der Schule wurden eingenommen.

Ich will Euch erzählen, was ich bei einem meiner Vorträge beim Weltladen in Freiburg erlebte. Am Ende meiner Rede kam eine Frau zu mir und sagte: "Telmo, ich beglückwünsche Dich zu der Arbeit, die Du in all der Zeit getan hast, und für Deinen Bericht. Für mich war es bisher immer etwas unklar, aber jetzt begreife ich, was da bei El Buen Samaritano in Perú getan wird. Ich unterstütze Eure Arbeit schon seit vielen Jahren." Bei meinem Vortrag bei der evangelischen Kirchengemeinde in Nehren bereitete mir die Anwesenheit vieler bekannter Menschen große Freude. Diese Begegnungen lieferten einen wertvollen Beitrag zu dem guten Verhältnis zu dem Pastorenehepaar Siegfried und Rose Fischer und zu anderen Mitgliedern der Kirche.

Ich hatte auch Gelegenheit zu erfahren, wie in der von dem Pastorenehepaar Harald Wagner und Monika Wagner-van der Straten geleiteten Emmaus-Gemeinde in Recklinghausen-Suderwich gearbeitet wird. Sie waren sehr motiviert, unser Werk zu unterstützen, und sie zeigten mir, wie sie mit den Mitgliedern ihrer Kirche arbeiten, so zum Beispiel mit einer Gruppe Jugendlicher, die Autos waschen, um damit Geld für die Unterstützung von Projekten einzunehmen. Im Namen unserer Kirchengemeinde El Buen Samaritano und allen, die in unserer Schule El Niño Jesús arbeiten, danken wir dafür.

Ferner mein Dank an die evangelische Samaritergemeinde in Berlin, die Katholischen Kirchen in Nürnberg und Münster, die Basisgemeinde in Berlin, die Methodistische Kirche in Mössingen und alle anderen Einrichtungen, die mir ihre Türen öffneten.

Um diesen Punkt abzuschließen, möchte ich nicht versäumen, meine tiefe Anerkennung, Bewunderung und Dankbarkeit auszudrücken für alle Familien, die mir ihre Gastfreundschaft schenkten und mich an ihren Tisch einluden. Und ebenso für alle Freundinnen und Freunde, die mir auf die eine oder andere Weise bei meinen Aktivitäten Unterstützung zukommen ließen.

Der Weiterbau der Schule

Nach meiner Rückkehr aus Deutschland, genauer gesagt am 12. Dezember 2002, versammelten wir alle Mitglieder von El Buen Samaritano in Perú, um sie über die in Deutschland geleistete Arbeit zu informieren und uns über die Vollendung des zweiten Stockwerks der Schule zu verständigen.

Mit dem Bau begannen wir Mitte Dezember, wobei wir 50 Personen, darunter Erwachsene, Jugendliche und Kinder, Arbeit gaben, und zwar zehn Personen für die ganze Bauzeit und den übrigen 40 gelegenheitsweise (z.B. eine oder zwei Wochen lang). Ferner nahmen wir den Maurermeister Leoncio Villanueva unter Vertrag und arbeiteten mit dem Inhaber des Eisenwarengeschäfts, Herrn Robles, zusammen, der uns die Baumaterialien lieferte. Der Bau dauerte vier Monate und brachte vielen Familien Einkünfte, von denen sie einige ihre Grundbedürfnisse decken konnten.

Unsere Bauaktivität wurde in Mariátegui mit großer Neugier und Spannung verfolgt, und als wir am 6. April 2003 95% unserer Maßnahmen abgeschlossen hatten, konnten es die Bewohner, die gewählten Vertreter und die Eltern kaum glauben. Was noch vor ein paar Jahren eine provisorische Schule mit einem Dach aus Stecken, Wellblech und Schilfgeflecht gewesen war, erstrahlte nun mit einer soliden, geräumigen Baumasse - alles für die Sicherheit und zum Nutzen unserer Kinder.

Für die Fertigstellung des zweiten Stocks fehlen jetzt noch:

  • die Toiletten
  • Mobiliar und Ausstattung
  • Elektrische Installationen
  • vier Türen.

Aber, Gott sei Dank, ist die Schule dank Euren Beiträgen fast fertig gestellt. Inzwischen traf auch eine Sonderspende für die Türen aller Klassenzimmer ein, für die wir danken wollen.

Der Beginn des Schuljahres

Der Schulunterricht wurde am Tag nach dem Abschluss der Baumaßnahmen begonnen, am 7. April. Wegen der angesprochenen großen Aufmerksamkeit, die der Bau hervorgerufen hatte, war die Nachfrage sehr groß, und wir schlossen die Einschreibungsliste mit 177 Kindern, die sich folgendermaßen verteilen:

Vorschule (und zuständige Lehrerinnen):

  • Fünfjährige: 40 Kinder (Elizabeth Castro)
  • Vierjährige: 25 Kinder (Marelín Martínez)
  • Dreijährige: 10 Kinder (Gloria María Aliaga)

Grundschule:

  • 1. Klasse (a): 26 Kinder (Lucila Robles)
  • 1. Klasse (b): 26 Kinder (María Elena Monteza)
  • 2. Klasse: 24 Kinder (Gladis Rivas)
  • 3. Klasse: 26 Kinder (Elizabeth Vásquez)

Hilfskraft: Luz María Aliaga

Turnlehrer: Jesús Cairo (Praktikant)

Verwaltungspersonal:

  • Direktor: Dionisio Cairo
  • Sekretär: Ricardo Candia
  • Buchhalter: Javier Méndez

Reinigungspersonal: Gladys Meza und Yuli Alarcón.

Projektleiter: Telmo Casternoque

Insgesamt arbeiten 15 Personen in der Schule.

Ich weise darauf hin, dass wir in diesem Jahr zwei neue Schulklassen haben, nämlich die dritte Klasse und eine zusätzliche erste Klasse, die wir der großen Nachfrage wegen eingerichtet haben.

Die erste Klasse

Die Schule erfüllt in Mariátegui eine sehr wichtige Funktion. Das wurde durch die städtischen Behörden und durch die Außenstelle Nr. 5 des Bildungsministeriums anerkannt. Die Bewohner sind sich im Klaren über die Annehmlichkeiten und Erleichterungen, die unsere Schule mit ihrem Stipendienprogramm besonders bedürftigen Familien bietet.

In diesem Stipendienprogramm sind im laufenden Jahr 47 Kinder erfasst, und zwar 13 Kinder mit Vollstipendien und 34 Kinder mit halben Stipendien. Die Kinder mit Vollstipendium sind von der Zahlung der Schulgebühren befreit und erhalten Unterstützung für den Kauf von Schulutensilien; ein halbes Stipendium bedeutet, dass nur die halbe Schulgebühr bezahlt werden muss.

Unsere Schule unterscheidet sich von anderen privaten und staatlichen Schulen in diesem Gebiet auch dadurch, dass unsere Lehrerinnen nicht nur einen guten Unterricht machen, sondern außerdem die Kinder zuhause besuchen, wenn sie Lernprobleme haben oder auffälliges Verhalten aufweisen. Auf diese Weise sind sie ganzheitlich über die Probleme des Kindes informiert.

Hinzu kommt die schwere Aufgabe, auch die Eltern der Kinder dazu zu erziehen, Verantwortung für die Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zu übernehmen und sie reinlich in die Schule zu schicken, nicht schmutzig und verlaust, wie es bei einigen Kindern der Fall ist. Infolge des Kontakts mit diesen Kindern wurde sogar schon eine unserer Lehrerinnen von Läusen befallen.

Ein sehr schweres Problem ist die Gewalt und die Vernachlässigung, die in den Familien vieler Kindern herrscht. Ich werde Euch vier Fälle berichten:

– Der Erstklässler Chuqui (an den sich manche von Euch vielleicht noch aus meinem Diavortrag erinnern) wurde von seiner Tante mit einem Elektrokabel so heftig verprügelt, dass auf seinem Rücken viele Male zurückblieben.

– Die Eltern des sechsjährigen Paolo arbeiten als Straßenhändler. Der Junge wird der Aufsicht einer Nachbarin überlassen, die sich allerdings nicht um ihn kümmert, sodass er praktisch auf der Straße lebt.

– Die Eltern des fünfjährigen Briam haben schwere Eheprobleme. Sein Vater kommt häufig nicht nach Hause, seine Mutter arbeitet als Wäscherin im Zentrum von Lima. Die Nachbarin, die auf ihn aufpassen soll, bekam von der Mutter die Anweisung, den Jungen mit einem Vorhängeschloss in der Hütte einzusperren, bis die Mutter zurückkomme. Am 4. Juli machte sich Briam während der 15-Minuten-Pause davon und fuhr mit dem Bus nach Lima, um dort seine Mutter zu suchen. Dies geschah genau nach seiner Englischstunde, weshalb unser deutscher Gastlehrer Andreas in höchste Besorgnis geriet und mit ihm die ganze Schule und vor allem die Familienangehörigen. Als schließlich die Mutter kam und ihr Kind nicht vorfand, ließen wir es über die Lautsprecher des Marktes ausrufen und erstatteten Anzeige bei der Polizei. Zur großen Beruhigung der Schule und der Eltern tauchte der Junge um neun Uhr abends gemeinsam mit einem anderen Bewohner auf, dem er im Zentrum von Lima begegnet war. Dieses Kind hat ein sehr schwieriges Verhalten, schlägt seine Kameraden, ist aufmüpfig, wirft Stühle um und hört auf niemanden.

– Der Erstklässler Cristián entstammt einer geteilten Familie. An einem Tag kam er mit deutlichen Spuren von Schlägen an den Armen und Beinen, die ihm seine Mutter zufügte, weil sie ihn nicht zuhause vorgefunden hatte und er seine Schularbeiten nicht machte. Dieser Junge macht in der Schule viel Lärm und hört auf niemanden. Einmal warf er seiner Lehrerin einen Stein an den Kopf.

Diese Kinder werden nun minutiös durch einen Psychologen untersucht, der dringend verlangte, mit den Eltern der Kinder zu sprechen. Das Schlimme ist, dass die Eltern kaum Interesse zeigen, deshalb glauben wir, dass es das Beste sein wird, diese Kinder für das kommende Jahr in eine Sonderschule zu überweisen.

Probleme unserer Schule

1. Noch immer konnte der offizielle Eigentumsstatus für das Grundstück, auf dem die Schule steht, nicht geklärt werden.

2. Bei der Erstellung der Baupläne wurden wir von einem Ingenieur betrogen, den wir für diese Arbeit bezahlten, der aber nie erschien. Erst der zweite Ingenieur, den wir dann engagierten, machte den Plan, doch ihn haben wir bis jetzt noch nicht bezahlen können.

Die Schule zu bauen war alles andere als einfach. Anfangs hatten wir Schwierigkeiten mit einigen der gewählten Bewohnervertreter und mit einigen Bewohnern, die uns verdächtigten, wir würden uns mit der Schule bereichern, da wir monatliche Schulgebühren erheben, obwohl unsere ausländischen Freunde doch sicher mehr als genug Geld schicken würden. Sie sagten auch, ich hätte sicher sehr viel Geld von meiner Deutschlandreise mitgebracht und folgerten daraus, dass ich nun die Pflicht hätte, Geldmittel für die kommunale Verwaltung bereitzustellen. Um diesem Problem Herr zu werden, mussten wir bei mehreren Versammlungen vorsprechen, wo wir klar und detailliert all diese Punkte und die Hintergründe meiner Reise zur Sprache brachten und erläuterten. Dabei hoben wir die besonderen Dienstleistungen unserer Schule hervor, nämlich die hohe Qualität des Unterrichts, Gesundheitsprogramme, Stipendien für bedürftige Familien, unseren Beitrag für die Schulbildung der Kinder während über zehn Jahren und schließlich die Baumaßnahmen, die den Zweck haben, den Kindern mehr Sicherheit zu bieten. Wir mussten zusagen, einen Beitrag zur Anlage eines kommunalen Parks zu leisten, der an der Rückseite der Schule entstehen soll. Ferner unterstützen wir die kommunale Verwaltung mit Busfahrscheinen, Papier und Fotokopien, wenn sie Angelegenheiten mit staatlichen Behörden zu regeln haben.

Gott sei Dank, dass wir trotz aller Schwierigkeiten den zweiten Stock fertig stellen konnten.

Wir danken dem Verein El Buen Samaritano e.V. in besonderer Weise dafür, dass er uns in diesem Jahr einen freiwilligen Helfer, unseren Freund Andreas Blumenstock, entsandt hat, der in den Monaten Mai und Juni als Englischlehrer in den drei Grundschulklassen mitgearbeitet hat. Wir hoffen, dass auch in Zukunft junge Leute wie er kommen werden. Er erzählte uns, dass es für ihn eine unvergessliche Erfahrung gewesen sei, da der Umgang mit diesen Kindern so schwer sei, und er es doch schaffte, sich hineinzufinden und die Zuneigung und das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Wir bewundern seine menschlichen Qualitäten und seinen Zeitaufwand und seine Hingabe für die Sache der armen Kinder von Mariátegui.

Beim Schulfest

Weitere Programme in der Schule

Das Frühstücksprogramm an unserer Schule in Mariátegui mussten wir fürs erste einstellen, bis wir dafür die geeigneten Räumlichkeiten im dritten Stock geschaffen haben, wo wir dann unseren Herd und Bänke und Tische für unsere Kinder aufstellen wollen. Anstelle des Frühstücks, das aus einer Tasse Haferbrei mit Milch und einem Brötchen bestand, bekommen die Kinder derzeit gegen 10 Uhr früh etwas Obst und ein Ei.

Über unser Gesundheitsprogramm teilen wir Euch voller Befriedigung mit, dass es eine wichtige Funktion erfüllt. Aufgrund einer Vereinbarung, die wir mit der Medizinstation vor Ort getroffen haben, werden unsere Kinder jetzt regelmäßig auf verschiedenen medizinischen Gebieten betreut, nämlich Psychologie, Allgemeinmedizin und Zahnmedizin. Auf allen diesen Gebieten werden unsere Kinder von der Vorschule bis zur Grundschule gründlich untersucht. Mit Hilfe des Psychologen konnte fünf Kindern mit schlimmen Verhaltensstörungen geholfen werden, und damit auch ihren Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern eine Woche lang eine Reihe von Vorträgen hörten. Wenn die Ärzte mit ihrer Evaluation unserer Kinder fertig sind, werden sie uns einen umfassenden Bericht über ihre Arbeit vorlegen.

Wir danken allen unseren Freunden, die den Schülerhilfefonds ermöglicht haben, denn mit dieser Hilfe können wir Jugendlichen und Kindern aus unserer Schule die Fortsetzung ihrer Ausbildung ermöglichen. Wie funktioniert das? El Buen Samaritano bezahlt für drei Schüler die monatlichen Schulgebühren. Ferner helfen wir Kindern in unserer Schule und außerhalb, die keine Möglichkeit haben, ihre Schulutensilien, Schuluniformen und Unterrichtsmaterial zu kaufen.

Beim Schulfest: Tanzdarbietung von Kindern in Andentracht

Die Arbeit im Amazonasurwald

Es freut uns zu wissen, dass die Arbeit an der Cocha del Caro Curahuayte in den Bereichen Gesundheitspflege und Bildungswesen bis heute ohne größere Probleme vonstatten geht. Der Krankenpfleger Arlán informiert uns von allen Vorkommnissen an der Lagune und so berichtete er uns, dass er in ungewöhnlicher Weise drei Frauen beistehen konnte, die in ihren eigenen Häusern ihre Kinder zur Welt brachten, was ohne Komplikationen glückte. In einem Fall konnte der schwer an Malaria erkrankte 48-jährige Don Miguel ins Krankenhaus in der nächsten Stadt Requena transportiert worden, wo er jetzt auf dem Wege der Genesung ist.

Die Bewohnervertreter der Siedlung El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte berichten uns, dass sie in Verhandlungen mit dem Bildungsministerium stehen, um eine bessere Ausstattung für die Schule zu bekommen und eine kleine Bibliothek. Unsere 38 Kinder, die hier ihre Grundschulausbildung bekommen, werden im September einen Ausflug zu anderen Schulen, in den ebenfalls an der Lagune gelegenen Dörfern Sinar und Las Malvinas unternehmen. Der neue Lehrer Raul Mafaldo ist froh über die neuen Erfahrungen, die er mit den Kindern an der Lagune macht.

Liebe Freunde, ich hoffe, dass Ihr durch diesen Bericht etwas mehr darüber erfahren konntet, wie wir bei El Buen Samaritano in Perú in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen arbeiten.

Von Perú aus wünsche ich jedem einzelnen von viele Segnungen Gottes für Euer Leben und Eure Arbeit.

Mit besten Grüßen,

Euer Diener

Telmo Casternoque, Missionar


Bericht von Andreas Blumenstock über seinen Aufenthalt als freiwilliger Helfer

Liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

von Mai bis Juli hatte ich die Gelegenheit, als Volontär in der Schule El Niño Jesús Englisch zu unterrichten.

Das Schulgebäude ist Anfang des Jahres um ein erstes Obergeschoss erweitert worden, um alle Klassen der Vorschule (drei bis fünf Jahre) und der Grundschule (bisher sechs bis neun Jahre) unterzubringen. Die gelb gestrichenen Klassenräume schaffen eine freundliche und helle Atmosphäre und sind mit Arbeiten der Schüler und Lehrerinnen geschmückt.

Alle Klassen (bis auf die Klasse Dreijährigen) wurden in Englisch unterrichtet, in der Regel 90 Min. pro Woche. Begonnen haben wir mit dem Grundwissen (Farben, Zahlen, Früchte, Kleidungsstücke, Tiere). In der Vorschule lag der Schwerpunkt auf Malen, Singen, Spielen. Aber auch hier gab es bereits Hausaufgaben, so z.B. das Kolorieren von Früchten, die wir im Unterricht besprochen hatten.

In der Grundschule hatten wir auch etwas anspruchsvollere Aufgaben bearbeitet, so z.B. die Benennung von Körperteilen oder Kleidungsstücken. Es hat uns allen Spaß gemacht, zu den jeweiligen Themen passende Lieder (mit Bewegungen) zu singen.

Am Ende des Monats ist es hier üblich, ein Kurz-Examen zu schreiben. Die Schüler bekommen ein vorbereitetes Blatt, das in der Regel Auswahlaufgaben enthält. Bei den Kleinen waren das einfache Zuordnungen von Farben, die Schüler der Grundschule mussten u.a. die Begriffe des Gesichts richtig zuordnen. Die Termine der Examen hatte jede Klassenlehrerin den Kinder schriftlich mitgeteilt, es wusste also jeder rechtzeitig vorher (das sollte man zumindest annehmen). Dennoch hatten morgens Mütter und ein Vater vor dem Schulgebäude auf mich gewartet, um mir mitzuteilen, dass es gerade heute ihrem Kind ganz schlecht ginge. Es habe Grippe, einen verdorbenen Magen o.ä.. Und ich möge doch bitte das Examen verschieben, ob das denn nicht ginge. Oder doch wenigstens ihr Kind besser bewerten.

Die Disziplin der Kinder hier ist nicht mit derjenigen von Kindern in deutschen Schulen zu vergleichen. Viele Schüler sind nicht fähig, zwei Minuten einigermaßen ruhig zu sitzen; viele unterhalten sich in großer Lautstärke mit anderen. Einige laufen im Klassenzimmer herum, spielen die hier so beliebten Kreiselspiele oder büchsen aus dem Klassenzimmer aus. Ständig beklagen sich ein oder mehrere Kinder lautstark, dass der Nachbar sie gestoßen, das Blatt zerknittert oder beschrieben, den Bleistift geborgt und nicht mehr zurückgegeben habe. Andauernd schreien sie "¡profe!" [von profesor, Lehrer] und wollen wissen, ob sie das Wort an der Tafel richtig abgeschrieben haben. Wendet sich der Lehrer der Tafel zu, stehen sofort zwei oder drei auf und machen Unfug. Sie lehnen sich zum Fenster hinaus, spielen auf der mitgebrachten Gitarre oder mit ihren Karten.

Die üblichen Eskalationsstufen (Verwarnung, mehr Hausarbeiten, Nachsitzen, Gang zum Direktor, einen Tag Schulverweis) greifen nicht. Manche Kinder sagen freiheraus, dass es sie überhaupt nicht interessiert, was der Lehrer zu ihnen sagt oder reißen aus dem Klassenzimmer aus. Der Lärmpegel ist ständig so hoch, dass an ein halbwegs konzentriertes Arbeiten nicht zu denken ist.

Dieses Verhalten lässt sich aus dem Familienhintergrund der Kinder ableiten. Viele werden von ihren Eltern misshandelt. Die typische Familiensituation ist die, dass die Väter sich auf und davon gemacht haben und die Mütter arbeiten gehen müssen, um die paar nötigen Soles zu verdienen. Wenn es Großeltern gibt, ist das ein Glück. Wenn es keine gibt, sind die Kinder den ganzen Tag unbeaufsichtigt zu Hause. Die Mutter kommt oft selbst mit den Umständen nicht zurecht, und es ist häufig so, dass sie ihre Wut an den Kindern auslässt. Wenn diese einen Bleistift verlieren oder eine schlechte Note schreiben, dann werden sie geschlagen. Eines Nachmittags kam ein Junge eine Stunde zu früh in den Unterricht. Ich hatte ihm gesagt, er könne ruhig noch einmal heimgehen und in einer Stunde wiederkommen. Da fing er unvermittelt an zu weinen. Seine Mutter werde ihn schlagen, weil er sich in der Zeit geirrt habe. Einige haben Platzwunden am Kopf, das Haar ist blutverkrustet, es gibt eingerissene Ohrläppchen oder angeschnittene Augenlider. Ein Fünfjähriger hat Blutkrusten im Gesicht. Seine Mutter habe ihn mit einem heißen Löffel bestraft.

Auch werden die Kinder nicht in dem Umfang in ihrem Schülerdasein von den Eltern unterstützt, wie das in Deutschland der Fall ist. Die Lebensrealität der Familien (sofern es überhaupt beide Elternteile gibt) sieht so aus, dass sich die täglichen Sorgen um das Bezahlen der Wasser- und Stromrechnung drehen. Die Schule nimmt da oftmals eine nachgeordnete Stellung ein.

Für die Kinder ist es deshalb wichtig, dass es die Einrichtung El Niño Jesús gibt. Hier werden ihnen außer der Schulbildung auch Werte vermittelt, die sie in ihren eigenen Familien oft nicht vorfinden, so z.B. wie man sich seinen Mitmenschen gegenüber korrekt verhält. Sie erfahren die Schule als einen Ort, an dem ihnen vertrauensvoll und gewaltfrei begegnet wird und sie erfahren eine Strukturierung ihres Alltags.

Die Beziehungsarbeit zu den Kindern halte ich für genauso wichtig wie den eigentlichen Unterricht. Sie sind dankbar, dass jemand da ist, der mit ihnen in den Pausen spielt und sich Zeit für sie nimmt.

Und: es lohnt sich, in die Kinder zu investieren. Sie danken es einem, auch wenn während des Unterrichts oft nicht danach aussieht. Sie sind die Zukunft dieses Landes.

Andreas Blumenstock


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