EL BUEN SAMARITANO e.V.


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40. Rundbrief mit Berichten über Juli bis Oktober 2001


Die Erstklässler der Schule von El Buen Samaritano auf dem Weg zum Sportunterricht


An alle Unterstützer(innen) von El Buen Samaritano

-> Kassenbericht Juli bis Oktober 2001: In Deutschland

-> Finanzbericht Juli bis Oktober 2001: In Perú

Telmos Bericht über die Monate Juli bis Oktober 2001

Die Arbeit der Schule El Niño Jesús

Freiwillige Helferinnen

Die Kirchengemeinde

El Buen Samaritano im Amazonasurwald

Das Programm rescate

Arbeit im Gefängnis

Bericht der Schule El Niño Jesús

Gloria María Aliaga de Casternoque

Gina de Cabrera de Garcés

Bericht des Krankenpflegers Arlán Padilla

Bericht von Barbara Richter und Marlene Melchers

Bericht von Ulrike Salland

Bericht von Monielle van der Straten und Katja Lorenz


Sulzbach/Saar, im Dezember 2001

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

auf dem Titelblatt seht Ihr unsere Erstklässler auf dem Weg zum Sportunterricht. Wie der weitere Weg für die Grundschule aussieht, und ob diese Kinder auch im kommenden Jahr in die Schule von El Buen Samaritano werden gehen können, ist indes weiterhin ungewiss. Zwar hat die Schulaufsichtsbehörde inzwischen eine vorläufige Betriebsgenehmigung erteilt, aber ob die Mittel für die notwendigen Investitionen und Unkosten ausreichen werden, ist fraglich.

In diesem Rundbrief könnt Ihr neben den Berichten aus Perú drei Berichte von deutschen jungen Frauen lesen, die in diesem Jahr bei El Buen Samaritano in Perú mitgearbeitet haben, bzw. noch mitarbeiten.

Wir freuen uns darüber, dass unser Freiwilligenprogramm auf so lebhaftes Interesse stößt, und besonders über die Berichte. Allerdings hat sich die Zahl der Anfragen junger Leute, die bei El Buen Samaritano in Perú mitarbeiten möchten, in der letzten Zeit stark erhöht. Deshalb haben wir für künftige Bewerber(innen) ein etwas formalisiertes Bewerbungsverfahren vorgesehen, das auf der Homepage erläutert wird (EBSeV.de/mbfreiw.htm).

Nun noch etwas Technisches:

-> Mitteilungen zur Euro-Umstellung sowie Formulare für Einzugsermächtigungen und Beitrittserklärungen

Euch allen herzlichen Dank und die besten Wünsche für die Advents- und Weihnachtszeit und das neue Jahr!

Euer

 

Holger v. Rauch

(Vorstand)


-> Kassenbericht Juli bis Oktober 2001: In Deutschland

-> Finanzbericht Juli bis Oktober 2001: In Perú

 


Telmos Bericht über die Monate Juli bis Oktober 2001

An den Verein El Buen Samaritano e.V., Deutschland

Ein Gruß aus Perú an jeden einzelnen von Euch, liebe Freunde, ich hoffe, es geht Euch allen gut bei Eurer Arbeit, Euren Studien und in Euren Familien, mit dem Segen Gottes.

Wir, die ganze Mannschaft von El Buen Samaritano in Perú, arbeiten wie immer mit dem einzigen Ziel, dazu beizutragen, dass viele arme Familien die Möglichkeit bekommen, durch unsere sozialen Programme ihre Lebensumstände zu verbessern.

Wir berichten Euch, dass die peruanische Regierung kürzlich den Plan Huascarán vorgestellt hat. Dieses Programm sieht vor, in allen Provinzen Schulen mit Computern und Internet-Anschlüssen auszustatten, damit innerhalb von speziellen Ausbildungsprogrammen der Gebrauch von Computern und dieses Mediums erlernt wird.

Ferner hat die Regierung eine Mutter-Kind-Versicherung eingerichtet, speziell für schwangere Frauen und Kinder unter vier Jahren. Sie werden durch dieses Programm kostenlos begünstigt.

Diese beiden Programme haben einige Bedeutung für unsere Arbeit. Zum einen wird der Plan Huascarán vom Bildungsministerium durchgeführt, und dementsprechend können wir als Bildungseinrichtung an diesem Programm teilnehmen, denn wir möchten moderne Technik einsetzen, um die Kinder besser auszubilden. Zum anderen wird die Mutter-Kind-Versicherung durch das Gesundheitsministerium verwaltet. Wie Ihr wisst, haben wir ein Gesundheitsprogramm an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald. Das neue staatliche Programm würde uns sehr helfen, denn hier gibt es viele Kinder und schwangere Frauen, die kein Geld haben, um ihre Kinder ins Krankenhaus zu bringen und behandeln zu lassen.

Wenn künftig Fälle von Kindern und schwangeren Frauen mit schweren gesundheitlichen Problemen auftreten, die notwendigerweise in einem Krankenhaus behandelt werden müssen, können wir sie dort hin transportieren und dort für sie die Aufnahmeformalitäten erledigen, denn das Programm ist kostenlos und deckt alle Kosten für die medizinische Versorgung wie für die stationäre Unterbringung.

Wir wollen Euch auch darüber informieren, dass das Gesundheitsministerium durch das Krankenhaus in Requena beschlossen hat, unsere Medizinstation drei kostenlose staatliche Gesundheitsprogramme abwickeln zu lassen, denn eine staatliche Medizinstation gibt es ja dort nicht. Es handelt sich um das Familienplanungsprogramm, das Malariaprogramm und das Choleraprogramm. Das funktioniert so: Das Krankenhaus von Requena versorgt uns mit den kostenlosen Medikamenten für diese Programme, und der Krankenpfleger muss in regelmäßigen Abständen an das Krankenhaus Bericht über die aufgetretenen Fälle und die verbrauchten Medikamente erstatten. Nach Prüfung dieses Berichts füllt das Krankenhaus dann den Medikamentenvorrat wieder auf. Ferner unterstützen wir das Krankenhaus von Requena, wenn Impfaktionen an der Cocha del Caro Curahuayte durchgeführt werden sollen.

Die Arbeit der Schule El Niño Jesús

In diesen vier Monaten der Studien (Juli bis Oktober) gab es einige bedeutsame Erfolge, von denen wir Euch berichten wollen, zum Beispiel: Die Eltern der Kinder in der ersten Grundschulklasse äußerten sich zu Anfang des Schuljahrs beunruhigt, und sie hatten ja auch Grund dazu, denn unsere Schule hatte in diesem Jahr 2001 zum ersten Mal eine erste Grundschulklasse eingerichtet. Wir stellten uns der Herausforderung, das Schuljahr erfolgreich zu Ende zu bringen, damit die Eltern mit der Lehrtätigkeit unserer Lehrerin Mercedes zufrieden sein würden. Die ersten Monate verliefen mit großer Unruhe und Sorge seitens der Eltern, die meinten, ihre Kinder bekämen nicht genug Hausaufgaben und würden zu langsam lernen. Gleichwohl, trotz dieser Äußerungen, führte die Lehrerin Mercedes ihre Arbeit normal weiter, indem sie darauf hinwies, dass das Lernen nun mal ein Prozess sei, und die Kinder schon beizeiten schnell lernen würden. Inzwischen hat sich die Lage verändert, die Kinder können bereits lesen und schreiben, und die Eltern sind zufrieden, eher beschweren sie sich jetzt, dass ihre Kinder zu viele Hausaufgaben bekommen. Wir hatten von Anfang an viel Vertrauen zu der Lehrerin Mercedes, denn sie ist eine Spezialistin und hat umfangreiche Erfahrung. Wir freuen uns, dass das Klassenziel nun schon vor dem Ende des Schuljahres erreicht werden konnte. Ich will ergänzend mitteilen, dass in dieser ersten Klasse nur zwei Kinder wegen familiärerer Probleme nicht das Niveau der anderen erreicht haben, aber wir tun was wir können (z.B. geben wir nachmittags zusätzlichen Stützunterricht), damit diese Kinder das Schuljahr auch abschließen können. Bei den Fünfjährigen hat die Lehrerin Liliana, eine junge, sehr engagierte Frau, ihren Lehrplan zu 90% erfüllt, was bedeutet, dass die Kinder gut vorbereitet in die erste Klasse wechseln können.

Diese Gruppe scheidet in diesem Jahr aus der Vorschule aus und wird das Schuljahresabschlussfest durchführen. In den letzten Monaten haben sie einige Aktivitäten durchgeführt, um Mittel für die Schuljahresabschlussfeier aufzubringen. Ich will Euch darüber informieren, dass die Lehrerin Liliana schwanger ist, weshalb sie nach den Arbeitsgesetzen 90 Tage Mutterschaftsurlaub erhält, und zwar in den Monaten November, Dezember und Januar, also 45 Tage vor und 45 Tage nach der Geburt. Als Ersatz für die Lehrerin Liliana ist nun die Lehrerin Elizabeth eingesprungen, die die Aufgabe hat, in den Monaten November und Dezember das Lehrprogramm zu vollenden. Sie hat schon früher in unserer Schule gearbeitet und hat genug Erfahrung, um die von Liliana begonnene Arbeit abzuschließen. Die Drei‑ bis Vierjährigen lernen normal.

Freiwillige Helferinnen

— Monielle und Katja sind zwei junge Deutsche, die gemeinsam mit der ganzen Mannschaft von El Buen Samaritano in José Carlos Mariátegui und insbesondere in der Schule El Niño Jesús ihre Erfahrungen gemacht haben. Sie haben uns sehr dabei geholfen, den Englischunterricht für die Vier‑ und Fünfjährigen und in der ersten Grundschulklasse einzurichten. Ihr Aufenthalt dauerte nur einen Monat, vom 24. Juli bis zum 24. August.

— Katrin und Nathalie halfen uns auch bei den Englischkursen für unsere Kinder. Die Eltern sind für diese Geste unserer beiden deutschen Freundinnen dankbar. Ihr Aufenthalt im Haus Agape dauerte vom 17. August bis zum 13. September.

— Barbara und Marlene kamen vor kurzem (im Oktober) nach Perú, und sie haben sich schnell in die Arbeit hineingefunden, und Kontakt zu den Bewohnern in José Carlos Mariátegui, den Lehrerinnen und den Kindern gefunden. Wir freuen uns, dass wir sie bei der Familie El Buen Samaritano haben.

Die Kirchengemeinde

Die christliche Gemeinde El Buen Samaritano in José Carlos Mariátegui, Lima

Unsere christliche Gemeinde El Buen Samaritano hat nun schon mehr als ein Jahrzehnt der fortgesetzten geistlichen Arbeit in José Carlos Mariátegui vollendet, einem der Armutsviertel der Stadt Lima.

Unsere Beständigkeit und unser Gehorsam in das Wort Gottes, die Bibel, hat dazu geführt, dass Hunderte von Menschen die Bibel lesen lernen und wir eine missionarische Vision haben, Kirchen an Orten zu errichten, wo es noch keine gibt. Bis heute gibt es zwei neue christliche Gemeinden, die eine Frucht unserer Arbeit sind:

— Die christliche Gemeinde El Buen Samaritano in der Stadt Pucallpa im Amazonasurwald

— Die christliche Gemeinde El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald.

Im Laufe dieses Jahres haben sich neue Gläubige der Familie der Christen angeschlossen, vor allem Frauen, und für ihr geistliches Wachstum erhalten sie seit dem ersten Oktober drei Mal pro Woche thematische Bibelstunden mit dem Pastor Telmo Casternoque.

Wir senden Euch ein Foto, wo wir uns zu einem Abendessen versammelt haben, um unsere Bibelstudien zu evaluieren, und eines, wo neun der neuen Mitglieder zu sehen sind.

Neue Mitglieder in der christlichen Gemeinde in José Carlos Mariátegui

Anliegen für Eure Gebete

— Für die nächste Taufe, Ende Dezember

— Für die Familien, die schwere gesundheitliche Probleme haben, z.B. der Fall von Teófilo Hilario, einem Vater von fünf minderjährigen Kindern, der von einem Bus angefahren wurde und nun Invalide ist und nicht mehr gehen kann; er braucht dringend einen Rollstuhl.

— Für die erste Hochzeit in unserer Kirche

— Für den Frieden in der Welt, vor allem im Mittleren Osten

— Für die Missionare und Pastoren auf der ganzen Welt.

Die christliche Gemeinde El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

Seit Januar dieses Jahres hat die Kirche einen neuen Pastor namens Rómulo Ríos, der, ohne eine akademische theologische Ausbildung zu haben, die Siedler voller Eifer dazu motiviert hat, zwei Mal pro Woche, nämlich Donnerstags und Sonntags, Versammlungen abzuhalten, um zu beten und gemeinsam die Bibel zu lesen. Er hatte auch die Kraft und den Mut, die Infrastruktur der Kirche aus dem vor Ort verfügbaren Baumaterial zu errichten.

Die christliche Gemeinde El Buen Samaritano in Pucallpa im Amazonasurwald

Seit März dieses Jahres ist unsere neue Kirche in einem der gefährlichen Stadtviertel der Stadt Pucallpa, dem Barrio de San Fernando, in Betrieb. In der Kirche versammeln sich zehn Familien und zwanzig Kinder. Der Pastor Mauro Mori, ein lediger junger Mann, der einen Abschluss als Missionar von der Schule für die Ausbildung von Missionaren namens RAM (Real Academia Misiológica) hat, übt eine interessante pastorale Arbeit aus. Im August wurde das Dach der Kirche fertiggestellt, wo sie sich derzeit zu ihren Gottesdiensten versammeln. Mit dieser neuen Kirche sind es zwei christliche Gemeinden, die von der Kirche in José Carlos Mariátegui, Lima, aus gegründet worden sind. Mit diesen neuen christlichen Gemeinden wurde vom 4. bis zum 8. August ein Missionstreffen in der Gemeinde Vinoncuro veranstaltet. Bei diesem Treffen nahmen Kirchen von verschiedenen Orten in der Region teil. Das Ziel war es, sie gut zu organisieren, damit sie auf diese Weise bei ihren verschiedenen kommunalen Bedürfnissen, in den Genuss staatlicher Hilfen kommen können. Zum zweiten ging es um eine biblische Unterweisung, damit sie eine bessere Kirchenarbeit machen können. Ferner führten wir einen Grundkurs in Erster Hilfe durch, der für diese weitab der Stadt gelegene Region eine große Hilfe ist.

Das Dorf El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

Unser Dorf ist gewachsen, nachdem sich drei weitere Familien angesiedelt haben. Darüber informierte uns der Krankenpfleger Arlán Padilla telefonisch. Weiterhin informierte er uns, dass die Siedlungen, die durch das Gesundheitsprogramm begünstigt werden, sehr dankbar sind. Für Januar 2002 haben wir (Telmo, Barbara und Marlene) eine Reise an die Cocha del Caro Curahuayte geplant, bei der wir das Gesundheitszentrum renovieren wollen.

Ich will dem Krankenpfleger Arlán besonders dafür danken, dass er seine Arbeit sehr gut macht. Als dieses Gesundheitsprogramm eingerichtet wurde, hatten wir zunächst nur im Sinn, die Siedlungen, die direkt an der Cocha del Caro Curahuayte gelegen sind, zu versorgen, nämlich El Buen Samaritano, Sinar, Las Malvinas und Lago Prado. Doch jetzt hat sich die Nachricht von der wirkungsvollen Arbeit unseres Krankenpflegers rasch in anderen Siedlungen verbreitet, die am Fluss Ucayali liegen, nämlich Sapote, Leoncio Prado und Nuevo Bagazán. Die Menschen von dort kommen zu unserer Medizinstation, bringen ihre Kranken, und hier finden die Kranken immer ein Medikament und vor allem viel Aufmerksamkeit bei ihrer Betreuung. Mehr noch: Unser Krankenpfleger führt regelmäßige Besuche bei den Siedlungen durch, per Kanu, oder mit dem großen Boot, wenn Benzin da ist. Außerdem führt er Vorträge und Übungsstunden zur Vermeidung von Krankheiten durch.

Die Schule

Zum ersten Mal hat die Schule Besuch von einem Vertreter des Bildungsministeriums bekommen. Das war etwas ganz besonderes: Eltern, Kinder, Siedlervertreter, alle sprachen, um die Bedürfnisse der Schule an Schulbänken, Regalen usw. zu erläutern. Nun, mit den drei neuen Familien, ist die Anzahl der Schüler auf 30 gestiegen. Wir wollen Euch auch berichten, dass es in diesen Jahr einen Wechsel beim Lehrpersonal gab: Die neue Lehrerin ist eine junge Frau von 25 Jahren, die, außer dass sie ihre Arbeit erfüllt, auch bei verschiedenen anderen Arbeiten im Dorf mithilft.

Das Programm rescate

Das Programm, "Die sauberen Köpfe" findet jeden Donnerstag in Lima am Ufer des Flusses Rímac (unter der Santa-Rosa-Brücke) von 12 bis 18 Uhr mit dem Bruder Telmo und einer Gruppe junger Leute von der christlichen Gemeinde El Buen Samaritano aus José Carlos Mariátegui statt:

— Wir lesen gemeinsam die Bibel, singen christliche Lieder, beten für unsere Nöte, vor allem das Problem der Drogenabhängigkeit.

— Wir schneiden den Kindern die Haare und waschen sie ihnen mit Shampoo. Diese Arbeit macht Telmo.

— Am Ende gibt es ein großes Mittagessen, das von den Straßenkindern selbst zusammengestellt und in Blechgefäßen, die sie auf dem Müll aufsammeln, zubereitet wird.

— Wir suchen auch Kontakt zu den Eltern der Kinder, damit sie nach Hause zurückkehren können. So im Fall der Kinder mit den Spitznamen Gringacho und Payasito. Beide sind elf Jahre alt. Sie wollen nicht zurück, denn sie wurden von ihren Eltern schlimm misshandelt, und wollen lieber auf der Straße sein.

Ich will Euch auch erzählen, dass wir vor kurzem einen Besuch von Angestellten des INABIF, dem Nationalen Institut für die Wohlfahrt der Familie bekommen haben, gerade als ich dabei war, den Kindern die Haare zu schneiden. Diese Einrichtung beglückwünschte uns für unsere Arbeit für die Straßenkinder.

Wir hatten in diesem Jahr auch schon gute Erfolge, so gingen die Jugendlichen Anita und Antonio in die wohltätige Rehabilitationseinrichtung für Drogenabhängige REMAR. Dort bekommen sie eine Berufsausbildung. Anita lernt Schneiderei und Antonio Schreinerei. Sie baten uns nur, für sie Hygieneartikel zu kaufen.

Arbeit im Gefängnis

Zwei Mal im Monat besucht Telmo politische Gefangene im Gefängnis Castro Castro, einem Hochsicherheitsgefängnis.

Die Ziele sind:

1. ihnen durch Bibelstudien eine Botschaft der Hoffnung für ihre Freiheit zu bringen,

2. mit denen, die wollen, christliche Lieder singen. Wir versammeln immer 15 bis 20 Personen in einem Pavillon. Und wir beten zu Gott für die Nöte, die sie uns nennen.

3. ihnen beim Verkauf der Produkte, die sie herstellen, zu helfen, wie Handarbeiten, Näharbeiten, Gemälde, und das Geld bringen wir ihnen dann, und zwar fair, ohne einen Anteil für uns einzubehalten,

4. ihnen zu helfen, indem wir Nachrichten und Briefe von ihnen an ihre Familienangehörigen weiterleiten,

5. ihnen, wenn wir können, Rechtsbeistand zu suchen.

Aufrecht in Christus

Telmo Casternoque



Bericht der Schule El Niño Jesús an den Verein El Buen Samaritano

Gloria María Aliaga de Casternoque

Wir loben Gott, weil er uns das Leben, die Kraft und die Vision, in Erfüllung seines Auftrags unserem Nächsten zu helfen, gegeben hat.

"Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe." (1. Joh. 4.21)

Wir danken Euch für Eure Unterstützung, für die Liebe, die Ihr durch Eure Spenden für jedes Kind und für jede Familie zeigt. Innerhalb des Lehrplanes hat jede Lehrerin ihr tägliches Unterrichtsprogramm absolviert.

Im August kamen wir nach unseren kurzen Ferien in der Jahresmitte zurück und fanden die Kinder sehr unruhig und unkonzentriert vor, so dass wir motivierende Aktivitäten mit Spielen und viel Dynamik machten. Immer am Ende jedes Monats feiern wir die Geburtstage der Kinder, die in dem Monat Geburtstag hatten. Im September feierten wir das Frühlingsfest, wo jedes Kind seinen besten Freund oder seine beste Freundin aussucht, und wir einen Freundschaftsmarsch machen.

Im Stadtteil gab es eine Tragödie in der Familie eines ehemaligen Vorschülers unserer Schule: Bei einem Feuer brannte die Hütte der Familie ab und der jüngste Sohn verkohlte in den Flammen. Die Schule trat hier mit einer Hilfe für die Mutter, Frau Sangama, in Erscheinung. Das geschah zwei Straßen von der Schule entfernt.

Die Lehrerin Liliana ist am 31. Oktober wegen ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft in den Mutterschutz gegangen; sie wird durch die Lehrerin Elizabeth vertreten. Ich habe die Eltern über diese Veränderung informiert. Drei Kinder kamen nach drei Monaten der Abwesenheit wegen familiärer Probleme wieder in die Schule zurück, nämlich Scott, Raúl und Max.

Die Kinder erlebten zwei besondere Tage: den Tag des Fruchtsalats und den Tag des Gemüsesalats. Damit sollten sie und ihre Eltern dazu motiviert werden, sich abwechslungsreicher und gesünder zu ernähren. Am 31. Oktober feierten wir mit einem typisch Limaer Essen den Tag des kreolischen Liedes. Jede Gruppe bereitete ein anderes Gericht zu.

Seit dem 19. Oktober arbeitet bei uns señorita Barbara mit, die eine sehr fröhliche und freundliche Art im Umgang hat und sich gut verständigen kann, weil sie spanisch spricht. Sie unterstützt uns, indem sie in allen Gruppen täglich von 9 bis 12 Uhr Englisch unterrichtet.

Die Eltern und wir Lehrerinnen haben gemeinsam eine anticuchada [Verkaufsaktion von Rinderherzspießen] organisiert. Den Gewinn haben wir für das Herrichten der Schule verwendet.

Wir verabschieden uns mit einem brüderlichen Gruß an alle unsere Freunde, die Unterstützer.

Gloria María de Casternoque


Gina de Cabrera de Garcés

An den Verein El Buen Samaritano

Von: Gina de Cabrera de Garcés, Lehrerin in der Gruppe der Vierjährigen in der Schule El Niño Jesus, Datum: Oktober 2001

Vor allem danke ich Gott für die Zeit, die ich schon in der Schule Eures Vereins, El Niño Jesús arbeite.

Die täglichen Aktivitäten sind normal vonstatten gegangen, der Unterricht fand täglich von 8.30 Uhr bis 12 Uhr statt, außer am Tag des Streiks im Transportwesen, an diesem Tag waren die Straßen gesperrt und es konnte kein Unterricht stattfinden.

Hinsichtlich des Lernerfolgs kann ich berichten, dass 80% meiner Schüler die Vokale und die Zahlen bis neun gelernt haben. Sie können jetzt zeichnen, malen, mit Knet modellieren, mit der Schere Papier schneiden, Punktzeichnungen machen, Linien nachzeichnen, die Farben, Größen und Formen unterscheiden, sie finden sich gut in ihrer Umgebung zurecht und sie kommen gern, um etwas zu lernen.

In emotionaler Hinsicht nehmen sie mit Freude an den Spielzeiten, Liedern und dem Unterricht teil, sie lieben ihre Schule, ihre Lehrerin und ihre Kameraden. Ich kann einige besondere Fälle hervorheben:

Das Kind Luis Cullash ist vier Jahre alt, sehr intelligent und kontaktfreudig. Einige Monate lang kam er ohne besondere Begeisterung zur Schule, doch jetzt hat sich das geändert und er ist fröhlich. Er nimmt freudig an allen Aktivitäten teil. Einmal gingen wir auf den Markt, um das Gemüse und die Früchte kennen zu lernen. Auch am Tag des Gurken-und-Tomatensalats erlebten wir schöne Momente.

Jaír Jiménez ist unser Sport-Champion. Er ist der schnellste und gewinnt alle Sportwettkämpfe, die wir veranstalten. Für ihn ist es immer eine besondere Freude, wenn wir am Freitag auf das Mini-Fußballfeld gehen.

Mariana Gieza ist nicht besser geworden, sie hat Probleme beim Lernen. Den Eltern wurde empfohlen, sie einem Spezialisten zur Behandlung zu geben. Die Eltern ließen sich inzwischen einen Termin im Krankenhaus geben.

Pamela Victoriano hat ihre Lernerfolge stark verbessern können, nicht aber ihr Verhalten. Die Ursache dafür ist, dass sie jeden Nachmittag ihre Mutter begleiten muss, die als ambulante Händlerin in den Straßen arbeitet. Wohl deshalb ist sie ein bisschen gewalttätig. Sie würde einen Hort benötigen, wo sie nach der Schule bleiben kann, damit sie versorgt und beaufsichtigt ist, während ihre Mutter arbeitet, und nicht den Gefahren ausgesetzt ist, wenn sie mit ihrer Mutter durch die Straßen zieht.

Auf der anderen Seite, wenn ich die familiären Hintergründe der Kinder untersucht habe, habe ich viele familiäre Probleme Die Lehrerin Gina Cabrera de Garcésfestgestellt, vor allem Partnerschaftsprobleme. Deshalb habe ich versucht, mit den Müttern ins Gespräch zu kommen, etwa wenn sie ihre Kinder gebracht oder abgeholt haben. Im Juni sprach ich mit der Mutter eines unserer Mädchen, und sie erzählte mir, dass sie eine schwere Partnerschaftskrise durchlebte. Ich bin sehr froh, denn ich konnte ihr Ratschläge geben, und, Gott sei Dank, befolgte sie diese Ratschläge und konnte ihre Familienverhältnisse wieder in Ordnung bringen, was für das Leben ihrer ganzen Familie viel Gutes gebracht hat.

An den Montagen machen die Lehrerin Gloria de Casternoque und ich gemeinsam Gebetsversammlungen in den Häusern der Nachbarinnen und der Schwestern im Glauben. Wir haben viele schwere Probleme physischen und emotionalen Missbrauchs der Kinder und ihrer Mütter vorgefunden. Auch das Selbstwertgefühl der Frauen und der Kinder hier ist niedrig, weil sie durch die Armut des Gebiets in dem sie leben, bedrückt sind.

Gina Cabrera de Garcés


Bericht des Krankenpflegers Arlán Padilla über seine Arbeit bei El Buen Samaritano an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

(Der Bericht ist aus mehreren Monatsberichten zusammengefasst und gekürzt. HvR)

Zunächst möchte ich für meine Vergütung danken und für den Geldbetrag für Treibstoff, der uns Besuche bei den Gemeinden ermöglicht und damit eine bessere Versorgung.

Ich darf Euch eine wichtige Mitteilung machen: Unsere Medizinstation ist nunmehr offiziell anerkannt, und deshalb können wir jetzt Medikamente zu einem sehr niedrigen Preis erwerben. Dies wurde durch enge Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus in Requena erreicht. Das Gesundheitsministerium hat uns anerkannt, und jetzt können wir auch an den verschiedenen staatlichen Programmen teilnehmen.

Im Juli führte unsere Medizinstation gemeinsam mit den anderen Gesundheitseinrichtungen in der Region Requena eine Massenimpfaktion gegen das Gelbfieber durch, um die Menschen hier gegen diese schreckliche Krankheit zu schützen.

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit, denn es ist ja nicht nur eine medizinische Arbeit, sondern ich wirke auch in der Gemeinde mit, zum Beispiel bei kommunalen Arbeitseinsätzen. Dann arbeiten wir gemeinsam mit den Siedlern für den Fortschritt unserer Gemeinde. Ich lebe hier mit meiner Ehefrau und meinen beiden Töchtern. Meine Familie ist mir eine wichtige Stütze in meiner Arbeit.

Ich will Euch von einer Rundfahrt an der Cocha del Caro Curahuayte berichten, bei der ich die verschiedenen Siedlungen besucht habe. Ich begann in der Gemeinde Lago Prado, wo ich gegen neun Uhr morgens eintraf. Ich setzte mich mit den Siedlervertretern in Verbindung, dann führten wir eine Versammlung aller Siedler durch, bei der wir über Gesundheitsprobleme sprachen, wie zum Beispiel Parasitenbefall bei Kindern, Anämie, Hautkrankheiten, Zahnbeschwerden, Magen-Darm-Erkrankungen usw. Anschließend betreuten wir alle Personen, die medizinische Hilfe nötig hatten, und zwar im Rahmen der staatlichen Programme, wie auch bei akuten Fällen. Wir verbrachten die Nacht in der Siedlung, und am nächsten Tag reisten wir weiter zu der Gemeinde Sinar. Dort trafen wir wieder auf dieselben gesundheitlichen Probleme wie in der am vorigen Tag besuchten Gemeinde. Hier versorgten wir die Siedler, indem wir gemeinsam mit einem Siedlervertreter von Hütte zu Hütte gingen. Wir beendeten unsere Besuche gegen Abend und blieben wieder über Nacht — stets in Gesellschaft der lästigen Stechmücken, von denen es in dieser Gegend sehr viele gibt. Am dritten Tag unserer Runde gelangten wir zur Gemeinde Las Malvinas. Zusammenfassend kann ich sagen, dass die Gemeinden viel mehr medizinische Versorgung und eine viel umfangreichere Medikamentenausstattung benötigen.

Es wäre sehr wichtig, jede einzelne Familie zu kennen. Es wäre sehr wichtig, eine Kampagne zur Parasitenbekämpfung bei Kindern zu machen, wir sind in diesem Bereich unterversorgt und können bei weitem nicht alle Fälle behandeln.

Grüße von meiner ganzen Familie und von mir, ich hoffe Euch im nächsten Monat wieder schreiben zu können, mit einer festen Umarmung, Gott segne Euch,

Arlán Padilla


Anmerkung: Die Berichte aus Perú wurden von Holger v. Rauch aus dem Spanischen übersetzt.


Bericht von Barbara Richter und Marlene Melchers (derzeit als freiwillige Helferinnen bei El Buen Samaritano in Perú)

¡Hola amigos de El Buen Samaritano!

Viele Grüße aus dem sonnigen Lima ins winterliche Deutschland senden Marlene und Barbara. Wir sind seit vier bzw. sechs Wochen bei Telmo, Gloria, Rebecca und Daniel in Villa María del Triunfo. Sehr herzlich wurden wir von ihnen aufgenommen und als Familienmitglieder begrüßt. So erleben wir hautnah peruanisches Familienleben.

Im Projekt besteht unsere Hauptaufgabe in der Mitarbeit in der Vorschule "El Niño Jesús" in José Carlos Mariátegui. Jeden Morgen fahren wir mit Gloria zur Schule. Die Fahrt dauert ca. 1 1/2 Stunden und ist nicht sonderlich bequem, da die carros wenig Beinfreiheit bieten (für uns Europäer...). Zudem müssen die 16 Sitzplätze meistens unter 22 Fahrgästen aufgeteilt werden.

Marlene Melchers und Barbara Richter vor der Schule von El Buen Samaritano in José Carlos Mariátegui, Lima, PerúIn der Schule angekommen, werden wir herzlich begrüßt, ein lautes ¡Buenos Días, Señoritas! schallt uns entgegen. Barbara unterrichtet Englisch in der letzten Klasse der Vorschule (ein Mal wöchentlich), und Marlene in der ersten Klasse (zwei Mal pro Woche). Außerdem helfen wir den Klassenlehrerinnen bei ihrer täglichen Arbeit, wie z.B. Hausaufgabenkontrolle, Diktate, Unterrichtsvorbereitung (vieles wird von Hand gezeichnet, da Kopien teuer sind). Barbara ist außerdem für den Englischunterricht der Vierjährigen verantwortlich, wo sie einmal pro Woche unterrichtet.

Mittags gibt es dann ein leckeres Essen aus dem Comedor [der Volksküche], von den Frauen dort liebevoll zubereitet, mit einem Glas Incacola, der Spezialität des Landes...

Sonntagsabends geht die ganze Familie in die Kirche in José Carlos Mariátegui. Während des Gottesdienstes kümmern wir uns zusammen mit Rebecca um die Kinder, damit sie den Verlauf nicht stören. Dafür haben wir in der Kirche eine Spielecke eingerichtet, wo Märchen gelesen werden, gemalt und gespielt wird.

Für viele Menschen hier spielt die Religiosität eine viel wichtigere Rolle als in Deutschland. Man spürt, dass Telmos Arbeit den Menschen hilft und ihnen Kraft und Hoffnung für ihre Alltagsprobleme gibt.

In der kurzen Zeit, in der wir hier in Perú sind, haben wir viele neue Erfahrungen gemacht, und sehr liebe Menschen kennen gelernt. (Gastfreundschaft bekommt hier eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland.) Wir freuen uns auf die kommenden Wochen und Monate und auf weitere spannende Ereignisse, u.a. Weihnachten in der Sonne...

In diesem Sinne eine schöne Adventszeit und frohe Weihnachten!

Marlene und Barbara


Bericht von Ulrike Salland über ihren Aufenthalt in Perú im Juli/August 2001

Liebe Freundinnen/Freunde von El Buen Samaritano,

zum wiederholten Male habe ich mich in diesem Jahr nach Perú aufgemacht. Für mich war es das erste Mal, dass ich zur selben Zeit in Lima weilte, während noch andere Freiwillige dort waren. Es war eine interessante und neue Erfahrung. Sie hat mir zum einen die Bestätigung gebracht, dass das Freiwilligenprogramm von El Buen Samaritano eine sehr lohnenswerte Sache ist, zum anderen aber auch vor Augen geführt, dass die Auswahl und Vorbereitung der jungen Leute vor allem mit Blick auf die Sprache besser durchgeführt werden muss. Diese Feststellung ist auch eine Kritik an mich selbst.

Wie bei jedem meiner Aufenthalte, leider bei diesem nur eine sehr kurze Zeit, habe ich Telmo auf seinen Wegen begleitet. José Carlos Mariátegui ist mittlerweile ein bekannter Ort für mich. Ein längerer Besuch bei Alberto Saldamando, der sicherlich dem einen oder anderen von Euch ein Begriff ist, steht immer auf meinem Plan. Er ist eine feste Größe in José Carlos Mariátegui und hat, seit ich ihn im Jahr 1996 kennen gelernt habe, nichts an Lebensfreude und Würde verloren. Er und seine Frau Cristina erzählten mir von ihren Wünschen, ihrem Sohn Freddy eine Ausbildung im Elektrobereich zu ermöglichen. Diese und noch andere Gespräche über individuelle Unterstützungen, wie Patenschaften, zeigen mir erneut, dass eine solche konkrete Hilfe für eine Person, gerade im Bildungsbereich eine nachdenkungswürdige Sache ist. Bei Freddy bedeutet eine halbjährige Unterstützung die Möglichkeit in Zukunft mit den in dieser Zeit erlernten Fähigkeiten die Fortsetzung der Ausbildung zu finanzieren. Hilfe zur Selbsthilfe im ganz kleinen.

Die Vorschule steht noch immer am selben Ort und, wie mittlerweile allen bekannt sein dürfte, mit der Erweiterung der ersten Grundschulklasse. Ob und wenn ja, wie diese im nächsten Jahr weiter laufen soll, ist noch nicht klar. Möglicherweise muss sie zunächst vorübergehend geschlossen werden. Ich habe mit Telmo lange Gespräche über die staatlichen Anforderungen geführt, die das Gebäude für die Durchführung der Grundschule haben muss. Es scheint ein ewiges Hin und Her zu sein. Eine klare Linie konnte ich nicht wirklich erkennen. Wichtig aber ist die Tatsache für uns alle hier in Deutschland, dass es nicht an dem Engagement unserer peruanischen Freunde liegt, wenn Pläne nicht in dem Maße in die Realität umgesetzt werden können. In Perú tickt die Uhr einfach anders.

Ich habe mich auch auf den Weg zu den pirañitas [Straßenkindern] gemacht. Es ist nach wie vor eine Arbeit, die Telmo aus seinem christlichen Engagement heraus macht. Unterstützung erhält er durch einige junge Frauen aus der Kirchengemeinde in José Carlos Mariátegui. Die Gemeinschaft, die Telmo trotz des Ambientes von Müll und Schmutz, dem Zuhause der Straßenkinder, schafft, mit Gitarre und Bibel, muss keinen kirchenfernen Menschen abschrecken. Es ist eine Gemeinschaft, in der menschliche Wärme alle zusammenhält, in der biblische Geschichten mit der Gegenwart, der krassen Situation zusammen passen. Es ist schwer, das in Worte zu verpacken. Das Programm der pirañitas hat nichts mit Plänen und Zukunft zu tun, es ist Telmos reine, aber ganz ehrliche und sehr authentische Nächstenliebe, die mich immer wieder beeindrucken. In diesem Sommer konnte ich miterleben, wie ein junges Paar in vertrauensvollen Gesprächen mit Telmo den Entschluss fasste, ihr Leben ändern zu wollen. Wir begleiteten sie in die Institution REMAR, die Straßenkindern bei ihrem Ausstieg aus ihrem bisherigen Leben unterstützt.

In den Urwald bin ich leider aus Zeitgründen nicht gereist. Aber schon jetzt kann ich Ihnen/Euch ankündigen, dass ich ab April/Mai nächsten Jahres mich für längere Zeit nach Perú aufmache. Dann wird eine Reise und ein Aufenthalt im Urwald bestimmt recht bald in die Tat umgesetzt.

Im Süden traf ich auch unsere alten Freunde Marlene und Guillermo, die die Wilhelm Oberle Stiftung eine Zeit lang bei ihrer Arbeit in dem Armutsgebiet Eben Ezer unterstützte. Schon die Anreise offenbarte mir einen Eindruck davon, was das Erdbeben im Juli dieses Jahres für Spuren hinterlassen hat. In Tacna selbst halten sich die Schäden in Grenzen. Mein Besuch bei Marlene und Guillermo zeigte mir ihre recht schwierige Situation. Sie haben leider in der Zeit der Unterstützung die Verantwortung, für ihren eigenen Lebensstandard aufzukommen, ein wenig vergessen. Sie planen jetzt mit Blick auf den Norden, auf das Gebiet Chanchamayo. Dort im Hochgebirgsurwald besitzt Guillermo eine kleine Kaffeeplantage, und ähnlich wie Telmo hat auch er seine familiären Wurzeln im Urwald. Ihre größte Sorge ist momentan die Zukunft ihres ältesten Sohnes Eliel. Er wird wie Rebecca, die Tochter Glorias und Telmos, in diesem Jahr die Schule abschließen. Der Deutschlandaufenthalt Rebeccas ist natürlich bekannt und allzu gerne würden auch sie ihrem Sohn eine ähnliche Chance bieten. Eliel möchte die deutsche Sprache erlernen, arbeiten und einfach etwas von Land und Leute kennen lernen. Besonders klasse wäre auch eine Möglichkeit, wo er seine genialen musikalische Fähigkeiten auf der Gitarre unter Beweis stellen könnte.

So, dies war ein kleiner Ausschnitt meiner Erlebnisse in diesem Sommer. Ich würde mich über Reaktionen sehr freuen.

Ich grüße Sie und Euch alle ganz herzlich

Ulrike Sallandt

E-mail: Ulrike@EBSeV.de

Postadresse: Schnorrstraße 23, 04229 Leipzig, Tel: 0341/4014938


Bericht von Monielle van der Straten und  Katja Lorenz über ihr Praktikum  bei El Buen Samaritano

Schon in den ersten Tagen mussten wir sehr viele Eindrücke verarbeiten. Nicht nur das Leben in einer fremden Familie, sondern vor allem in einer uns fremden Kultur. Da wir von der Familie Casternoque sehr herzlich aufgenommen und vom ersten Tag an wie Familienmitglieder behandelt wurden, wurde uns der Einstieg etwas leichter gemacht.

Nichtsdestotrotz war es erst einmal schwierig, sich in einer Millionenstadt wie Lima zu orientieren und sich den dort herrschenden Verhältnissen anzupassen. So stellte es sich beispielsweise schon als abenteuerlich heraus, die öffentlichen Verkehrsmittel, welche aus Kleinbussen (colectivos) bestehen, zu nutzen.

In der ersten Zeit erhielten wir neben einer intensiven Einführung in die Struktur der Arbeit außerdem die Möglichkeit, unseren Arbeitsplatz und unsere zukünftigen KollegInnen kennen zu lernen, sowie uns mit den Gepflogenheiten des Lebens in Lima vertraut zu machen. Als besonders wichtig erwiesen sich innerhalb dieses Zeitraums die Gespräche mit der Familie und den KollegInnen, die unsere Fragen bereitwillig und mit großer Offenheit beantwortet haben.

In der Vorschule, wo etwa 70 Kinder im Alter von 3-6 Jahren aus bedürftigen Familien intensiv auf die Schule vorbereitet werden, wird von den Kindern weitaus mehr gefordert, als dies hierzulande üblich ist. So lernen bereits die vierjährigen Kinder erste Buchstaben und Zahlen, sowie sachkundlichen und geographischen Lernstoff. Dies ist gerade für Kinder in diesem Alter eine schwer zu bewältigende Aufgabe, durch das Stillsitzen und durch den hohen Aufwand an Konzentration wird ihnen sehr viel abverlangt. Dies war speziell für uns sehr deutlich, da die Kinder in Deutschland im Kindergarten eher eine Art Schonraum finden. In Perú ist es an privaten Vorschulen üblich, dass die Kinder zusätzlich erste Englischkenntnisse erwerben. Aus diesem Grund wurde die Chance unserer Anwesenheit genutzt, den Kindern die eben genannte Möglichkeit zu bieten.

Wir achteten dabei darauf, die Lerneinheiten so spielerisch wie möglich zu gestalten. Hierzu muss noch gesagt werden, dass wir die Unterrichtsstunden zu zweit durchführten, da wir es bei so kleinen und vielen Kindern als wichtig empfunden haben, auch genügend Zeit und Aufmerksamkeit für jeden Einzelnen zu haben.

Auch wenn die Bedingungen, unter denen die Kinder dort unterrichtet werden, sehr einfach sind, so hat uns diese Arbeit besondere Freude gemacht. Mit den Kindern konnten wir uns gut verständigen und haben sie schnell ins Herz geschlossen, so dass es uns sehr schwer gefallen ist, wieder Abschied nehmen zu müssen.

Außer in der Vorschule hatten wir zudem die Möglichkeit, partiell die Arbeit in der Volksküche (comedor) kennen zu lernen, die nur wenige Meter von der Vorschule entfernt liegt.

Hier wird für wenig Geld täglich ein Mittagessen für Bedürftige zubereitet. Verantwortlich sind drei Frauen der evangelischen Kirchengemeinde, die uns herzlich und offen an ihrer Arbeit teilhaben ließen. Im comedor geht es immer recht turbulent zu, ständig schauen Menschen und Tiere herein und es gibt immer Wichtiges zu bereden. Hierzu sollten wir noch anmerken, dass alle Menschen, mit denen wir zusammen arbeiten durften, reges Interesse an uns und Deutschland hatten und oft das Gespräch mit uns suchten. Dies geschah auf eine sehr respektvolle und liebenswürdige Art, so dass wir uns dort sehr wohl gefühlt haben.

Die tägliche Arbeit begann um 9.00 Uhr. Es wurde geplant, welches Gericht an diesem Tag gekocht werden soll und danach ging es zum nahegelegenen Markt, um die nötigen Zutaten kostengünstig einzukaufen. Meist bestand die Mahlzeit aus einer Gemüsesuppe, Reis und Hülsenfrüchten. Gegen 12.30 war das Essen meist fertig und wurde von den Bewohnern aus José Carlos Mariátegui in eigens mitgebrachten Behältern abgeholt, einige von ihnen haben direkt im comedor gegessen, meist Kinder. Insgesamt wurden so ca. 40-50 Menschen täglich verköstigt. Auch hier ist uns der Abschied schwergefallen, da die drei Frauen eine besondere Lebensfreude ausgestrahlt haben und uns sehr ans Herz gewachsen sind .

Wir hatten in der ersten Woche die Möglichkeit, Telmo mit zu den Kindern am Fluss (pirañitas) zu begleiten. Ein für uns äußerst prägendes und schockierendes Erlebnis. Wenn man in Deutschland Berichte über solche Projekte liest oder im Fernsehen verfolgt, kann man sich nur ansatzweise vorstellen, wie die Realität aussieht. Allerdings ist die Wirklichkeit noch brutaler und grausamer, als man sich das vorstellen kann.

Es gibt verschiedene Projekte die sich um Straßenkinder kümmern, aber nicht vor Ort arbeiten. Telmo arbeitet dort, wo die Kinder leben, was alles andere als angenehm ist. Was wir gesehen haben, waren Kinder, die aus Plastiktüten Klebstoffdämpfe inhalieren, Alkohol konsumieren und sich damit berauschen und die Gesundheit ruinieren, Kinder, die sich aus Müll kleine Buden bauen, eine Umgebung die nach allen möglichen menschlichen und tierischen Exkrementen riecht. Man muss für diese Arbeit schon sehr abgehärtet sein, uns überforderte sie enorm. Nach einem intensiven Gespräch mit Telmo war es auch kein Problem, dass wir uns von diesem Projekt distanziert haben.

Auch wenn wir diese Erfahrung als die härteste während unseres Aufenthalts ansehen, so wissen wir, wie notwendig es ist, dass es Menschen gibt, die dort helfen und Zeit mit den Straßenkindern verbringen. Aus diesem Grund haben wir tiefsten Respekt vor Menschen wie Telmo Casternoque.

Abschließend möchten wir sagen, dass wir sehr dankbar sind, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Dadurch haben sich für uns neue, oder besser, andere Perspektiven ergeben.

Zugegebenermaßen war es nicht immer einfach, gerade, wenn zwei verschiedene Kulturen mit unterschiedlichen Erwartungen aufeinandertreffen, kann dies manchmal zu Missverständnissen führen. Aber wir haben gemerkt, das der Glaube an eine gemeinsame Sache verbindet, der Glaube an eine bessere Zukunft, der Brücken schlägt zwischen den Kulturen. Dies ist eine Erfahrung, die unendlich bereichernd für uns war und unseren Horizont erweitert hat. Dieses Praktikum hat uns deutlich gemacht, wie wichtig die Arbeit des Vereins El Buen Samaritano ist und vor allen Dingen, dass viel mehr Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln sollten, was um sie herum geschieht. Viele kennen nur ihre Welt, ihre Sorgen und Nöte, aber es genügt, nur einmal über den Tellerrand zu schauen, um zu sehen was echte Missstände sind.

Deshalb empfinden wir es als unsere Pflicht, unsere Erkenntnisse zu teilen, mit anderen Menschen darüber ins Gespräch zu kommen, zu sensibilisieren und die Arbeit des Vereins zu unterstützen. Schließlich bleibt noch zu sagen, dass wir das Leben in einer peruanischen Familie als hervorragende Gelegenheit gesehen haben, die Kultur des Landes kennen zu lernen.

Auch wenn das gemeinsame Leben nicht immer reibungslos war, so war es gekennzeichnet von Respekt und Akzeptanz der anderen Kultur gegenüber.

Wir haben in der Familie Casternoque echte Freunde gefunden und möchten uns für die uns gegebene Chance bedanken.

Monielle van der Straten und Katja Lorenz



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