EL BUEN SAMARITANO e.V.


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38. Rundbrief mit Berichten über Oktober bis Dezember 2000



Inhalt:

·        An alle Unterstützer(innen) von El Buen Samaritano

·        Brief von Dr. med. Angela Raestrup

 

o       Kassenbericht Oktober bis Dezember 2000: In Deutschland

o       Finanzbericht Oktober bis Dezember 2000: In Perú

 

·        Telmos Bericht über Oktober bis Dezember 2000

·        Zur politischen Lage

·        Die Arbeit der Vorschule

·        Das Programm rescate

·        Die Cocha del Caro Curahuayte

·        Auszüge aus den Berichten der Vorschullehrerinnen

·        Gloria María Aliaga Ch., Lehrerin bei den Vierjährigen

·        Liliana Ruiz Huatay, Lehrerin bei den Fünfjährigen

·        Bericht von Verena Brenner

·        Brief von Sascha Kesseler

·        Brief von Rebecca Casternoque

·        Einladung zur Mitgliederversammlung 


Sulzbach/Saar, im April 2001

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

in diesem Rundbrief findet Ihr außer dem Bericht unserer Partner in Perú den Erfahrungsbericht von Verena Brenner über ihren Aufenthalt bei El Buen Samaritano in Lima.

Ferner haben wir überraschend elektronische Post von einem jungen Deutschen direkt aus dem Amazonasurwald bekommen, dessen Kontakt zu El Buen Samaritano nicht durch unsere Vermittlung hier in Deutschland zustande gekommen war, sondern in Perú selbst. Sascha Kesseler hat mir erlaubt, seinen Brief in unseren Rundbrief einzubinden.

Ich freue mich sehr über solche Beiträge zu unserem Rundbrief, die ihn erst richtig interessant machen!

Wie Ihr schon der Photomontage (der Junge hält in Wahrheit sein Vorschuldiplom in der Hand) auf dem Titelblatt entnehmen konntet, möchten wir in diesem Jahr mal wieder eine Mitgliederversammlung abhalten, zu der ich Euch alle einladen darf. Wie gesagt, Euch alle, wenn auch formal nur die Vereinsmitglieder stimmberechtigt sind, also diejenigen unter Euch, die einen regelmäßigen Jahresmitgliedsbeitrag leisten. (Zum Vereinsbeitritt genügt es, den Jahresbeitrag von mindestens DM 20,00 mit entsprechendem Verwendungszweck auf das Vereinskonto zu überweisen.)

Die offizielle Einladung findet Ihr auf der Rückseite dieses Rundbriefs. Wie Ihr dort lesen könnt, werden Veränderungen beim Vereinsvorstand nötig, weil Dr. med. Angela Raestrup ihr Amt — leider! — abgeben wird. Bitte lest dazu ihren Brief auf den folgenden Seiten!

Die Planung der Mitgliederversammlung ist auch der Grund für das späte Erscheinen dieses Hefts, für das ich um Entschuldigung bitte.

Die Mitgliederversammlung ist eine gute Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch über viele Fragen unserer Arbeit. Deshalb hoffe ich auf eine rege Teilnahme und grüße Euch bis dahin herzlich,

Euer

Holger v. Rauch
(Vorstand)


Steinfurt, 1. Mai 2001

Liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

Als ich Telmo 1993 kennen lernte, während er mit Holger von Rauch, unserem 1. Vorsitzenden und meinem Cousin, rund um Steinfurt seinen bewegenden Dia-Vortrag hielt, war ich noch begeisterter als 1990. Damals hatte mir Holger von ihm erzählt und mich zum Vereinsbeitritt motiviert. So ein liebevoller, offener und aufrichtiger Mensch, der zusammen mit seiner Frau viel Hilfe mit so wenig Mitteln erreichte, und dann noch in Südamerika, wo ich selber als Jugendliche gelebt hatte! Diese Arbeit musste noch mehr unterstützt werden! Da ich zu Holger immer schon einen guten Draht hatte, und nun seinen unermüdlichen Elan, seine Feinfühligkeit und seine Gründlichkeit wieder erlebt hatte, habe ich im April 1993 das Amt der 2. Vorsitzenden und Kassenwartin übernommen.

Mittlerweile sind acht Jahre vergangen, in denen Telmo, Holger und ich stets gut zusammenarbeiten und die großen Entfernungen zwischen Deutschland und Bulgarien, Tschechien, Lima oder dem Amazonasurwald überbrücken konnten. Dabei haben uns auch die freiwilligen Mitarbeiterinnen zur Seite gestanden, allen voran Ulrike Sallandt, aber auch Barbara Franz sowie Nicole Turad, Regine Brehm, Godela von Döhren, Annika Lund, Cornelia Prauser und Verena Brenner. Auch waren für mich die Besuche anderer in Perú motivierend, so die von Clemens Oberle, Andrea von Rauch, Martin und Renate von Rauch, Holger selbst, Stefan Rohrer und der Besuch von Gerhard und Hanneli Braungardt zur 10-Jahres-Feier, Sylvester 1999/2000. Der von Familie Turad ermöglichte einjährige Aufenthalt von Telmos und Glorias Tochter Rebecca in Mössingen hat mich nochmal stärker freundschaftlich mit Perú verbunden; sie war in dieser Zeit zweimal bei uns.

Zur nächsten Mitgliederversammlung, am 9. Juni 2001, möchte ich gerne mein Amt jemand anderem von Euch übergeben. Ich habe jetzt noch etwas Erziehungsurlaub — für unser viertes Kind — und möchte mich möglichst intensiv auf die Rückkehr in meinen Beruf als Ärztin vorbereiten.

An dieser Stelle möchte ich mich als Kassenwartin für den Auftrieb bedanken, den mir jedes Mal Eure tiefen Griffe in Eure Taschen gegeben haben, wenn wir zum Beispiel mal wieder ins finanzielle Sommerloch zu rutschen drohten oder Renovierungen anstanden.

Ich freue mich, am 9. Juni möglichst viele von Euch wiederzusehen und grüße alle herzlich,

Angela Raestrup


 Telmos Bericht über Oktober bis Dezember 2000

Liebe Freunde,

seid herzlich und innig gegrüßt, wir wünschen uns wie immer, dass unsere Freundschaft zwischen Perú und Deutschland beständig sei und wir weiterhin gemeinsam in diesem Werk der sozialen Arbeit wirken mögen.

Zur politischen Lage

Bevor ich über unsere Arbeit berichte, möchte ich einen Exkurs machen und Euch einen Überblick über die politische Lage in Perú geben. Im November 2000 trat der Präsident Alberto Fujimori von seinem Amt zurück, nachdem er unter anderem an korrupten Handlungen seines obersten Beraters, Vladimiro Montesinos, beteiligt gewesen war. Zuvor war im Fernsehen ein Videoband gezeigt worden, auf dem Montesinos Kongressabgeordnete bestach, um so die Mehrheit im Kongress zu sichern. Dieses Video war derart überzeugend, dass dem Präsidenten kein anderer Ausweg blieb, als Neuwahlen für den Kongress und das Präsidentenamt anzukündigen. In der Folge wurde eine ganze Reihe von Tatsachen über die Verwicklungen des Präsidentenberaters bekannt, und in einem sehr respektlosen Akt gegenüber dem peruanischen Volk erklärte der Präsident seinen Rücktritt von Japan aus, dem Herkunftsland Herrn Fujimoris, der, wie die japanische Regierung bestätigte, eine doppelte Staatsbürgerschaft innehatte. Der peruanische Kongress nahm unter diesen beklagenswerten Umständen den Rücktritt nicht an, sondern enthob den Präsidenten wegen moralischer Untragbarkeit seines Amtes. Dann ernannte der Kongress Herrn Valentín Paniaga Curazao zum Übergangspräsidenten, der für die Durchführung eines sauberen und durchsichtigen Wahlverfahrens verantwortlich ist. Die Wahl soll am 8. April 2001 stattfinden. Wenn alles gut geht, wird der neue, demokratisch gewählte Präsident sein Amt am 28. Juli 2001 antreten.

Die Arbeit der Vorschule

Jetzt möchte ich Euch über die Vorschule informieren. Wie Ihr wohl wisst, wurde die Infrastruktur der Vorschule von Grund auf verbessert, und diese Maßnahmen wurden von der Bevölkerung positiv aufgenommen. Im ausgegangenen Schuljahr waren 60 Kinder eingeschrieben, von denen 55 das Schuljahr abschlossen. Fünf Kinder verließen die Vorschule im Laufe des Jahres aus familiären Gründen. Diese Daten haben wir auch dem Bildungsministerium übersandt, für statistische Zwecke und zur Evaluierung unserer Vorschule. Während des Schuljahres erfüllten wir den Lehrplan gemäß den Vorschriften der Schulbehörden und entsprachen den Anforderungen in den Bereichen Logik-Mathematik, Wissenschaft, Technik und Umwelt und integrale Kommunikation. Die Kinder konnten diese Inhalte lernen und verinnerlichen, und ihre Eltern sind über diese Erfolge zufrieden.

Wir wollen an dieser Stelle für die enormen Anstrengungen des Vereins El Buen Samaritano e.V. danken, der mit seinen Spenden die Verbesserungen an der Vorschule und die Schaffung von Bedingungen ermöglicht hat, unter denen die Kinder besser lernen können. Wie schon gesagt, sind die Arbeiten zu 90% abgeschlossen, die fehlenden 10% betreffen Türen, Fenster, Bodenbeläge, sanitäre Anlagen, Wasserversorgung und Abwasser, Elektroinstallationen, und schließlich Arbeitskraft. Wir rechnen noch mit Ausgaben in Höhe von 2.910,00 US-Dollar.

Wir wollen auch der Wilhelm Oberle Stiftung dafür danken, dass sie stets Bereitschaft gezeigt hat, die Vorschule zu unterstützen. Vielen Dank, lieber Freund, Herr Oberle, für Dein gutes Herz für die Kinder, die die Zukunft von Perú sind.

Kinderweihnachtsfeier

Wie jedes Jahr feierten wir mit allen Kindern unserer Vorschule Weihnachten. Das Fest fand am 18. Dezember statt. Die Kinder vergnügten sich sehr schön. Zuerst gab es heiße Schokolade und Weihnachtskuchen, dann bekamen die Kinder ihre Geschenke und tanzten viel. Die Eltern feierten auch mit und waren sehr froh.

Bei der SchuljahresabschlussfeierSchuljahresabschluss

Der feierliche Abschluss des Schuljahres fand am 20. Dezember statt. Im Rahmen dieser Feier wurden die Abschlusszeugnisse und die Zeugnisse über den Lernerfolg und das Betragen der Kinder, die die ersten Plätze belegten, ausgegeben. Ferner wurden die Eltern über die geleistete Arbeit informiert sowie über Vorhaben im Jahr 2001, zum Beispiel die bauliche Fertigstellung der Vorschule und die Erweiterung um die Grundschulerziehung.

Dank an unsere Freunde und Unterstützer

Wir wollen jedem einzelnen unserer Freunde und Freundinnen und Unterstützer dafür danken, dass wir mit dem Jahr 2000 ein weiteres Jahr der sozialen Arbeit abschließen konnten. Vielen Dank.

Wir wollen auch der Schule von Verena Brenner und ihrer Schwester Andrea in Hechingen für ihren Beitrag zu unserer Arbeit in José Carlos Mariátegui danken. Wir sind unendlich dankbar, ein besonderer Gruß an alle, die diesen Beitrag unterstützt haben.

Straßenweihnachtsfest mit den pirañitas [Straßenkindern]Das Programm rescate

Dieses Programm führen wir jeden Donnerstag und Samstag durch. Wir beginnen unsere Aktivität mit Haare schneiden, Singen und Bibelstudien; das alles in einer brüderlichen Atmosphäre. Außerdem machen wir zwei Mal im Monat ein Mittagessen extra für die Kinder.

Wir wollen für eine Sonderspende danken, die uns über unsere deutsche Freundin Cornelia Prauser erreichte. Mit dieser Spende machten wir ein Straßenweihnachtsfest mit den pirañitas [Straßenkindern]. Bei diesem Fest nahmen 35 Kinder teil. Wir sangen gemeinsam, sie bekamen heiße Schokolade und Weihnachtskuchen und je eine Tafel Schokolade als Geschenk. Die Straßenkinder erlebten einen Augenblick der Liebe und Freude, und sie sind dankbar. Vielen Dank dafür, dass Ihr Eure Liebe mit unseren Brüdern geteilt habt.

Die Cocha del Caro Curahuayte

Das Gesundheitsprogramm

Der Krankenpfleger Sangama tut eine aufopferungsvolle Arbeit, indem er die Siedlungen an der Lagune besucht, um dort die Kranken zu behandeln. Er reist täglich zu verschiedenen Gemeinden, um zu sehen, ob dort medizinische Notfälle aufgetreten sind. In den Monaten Oktober bis Dezember hat er vornehmlich Fälle von Malaria, verschiedenen Infektionskrankheiten und Dehydratation versorgt. Mit dem Medikamentenvorrat konnten die Notfälle behandelt werden. Die Bewohner der fünf Siedlungen sind sehr dankbar für diesen Dienst. Im Urwald bedeutet es einen Segen für eine Familie, wenn sie ein notwendiges Medikament auftreiben kann. Wenn jemand krank wird, gibt es keine nahegelegene Medizinstation, das Krankenhaus ist 50 Kilometer entfernt; um es zu erreichen, ist man 18 Stunden lang mit dem Kanu auf dem Río Ucayali unterwegs, im Regen, in der Hitze, in der Nacht und allen Gefahren des Flusses ausgesetzt. Glaubt mir, liebe Freunde, dass dieses Gesundheitsprogramm ein wahrer Segen ist.

Die Schule

Im vergangenen Jahr 2000 konnte das Schuljahr zur Zufriedenheit abgeschlossen werden. Die Schuljahresabschlussfeier fand am 19. Dezember statt. Der neue Lehrer Padilla ist mit der Arbeit zufrieden und hofft auch im Jahr 2001 weiter als Lehrer tätig zu bleiben. Die Bewohner beglückwünschten den Lehrer und feierten ihn mit einem gemeinsamen Essen und einem kleinen Fest.

Es ist auch zu berichten, dass das Bildungsministerium die Schule mit 37 Schulbänken, einer Tafel und einer Nationalflagge ausgestattet hat.

Arbeitseinsatz

Die Gemeinde El Buen Samaritano konnte im Rahmen einer sogenannten minka  (gemeinsamer Arbeitseinsatz) einen Weg von der Siedlung bis zum Ufer des Río Ucayali bauen, auf einer Strecke, die El Mangual heißt und parallel zum Caño verläuft, dem Durchfluss von der Cocha del Caro Curahuayte zum Río Ucayali. Dieser neue Weg bringt der Gemeinde viele Vorteile, denn nun kann sie leichter ihre Produkte an den großen Fluss schaffen, wo Schiffe zu den Städten Requena und Iquitos verkehren, und auf den dortigen Märkten mit ihnen Handel treiben. In nächster Zeit soll der Weg bis zu der Gemeinde Sinar weitergebaut werden.

Weihnachten im Amazonasurwald

Mit einem Teil der Spenden, die wir im Monat Dezember empfingen, konnten wir im Urwald ein Weihnachtsfest feiern. Die Kinder und ihre Eltern konnten heiße Schokolade und Weihnachtskuchen kosten. Bei diesem Fest der Liebe kamen den ganzen Tag über viele Familien in unsere Gemeinde, und gemeinsam mit ihnen verbrachten wir frohe Weihnachten. Vielen Dank, liebe Freunde.

Aufrecht in Christus

Telmo, Gloria, Rebecca und Gloria Casternoque


Das Vorschulpersonal

Auszüge aus den Berichten der Lehrerinnen über die Arbeit der Vorschule

Gloria María Aliaga Chávez, Lehrerin bei den Vierjährigen:

Bei unserem diesjährigen Weihnachtsfest nahm eine Gruppe von Universitätsstudenten teil, von denen sich einer als Weihnachtsmann verkleidete. Sie brachten den Kinder viele Süßigkeiten und Geschenke mit. Ferner bekamen die Kinder auch von der Vorschule kleine Geschenke, so dass sie glücklich und zufrieden über die vielen Geschenke waren.

Am 20. Dezember endete offiziell das Schuljahr 2000. An diesem Tag bekamen die Kinder ihre Weihnachtsbasteleien, ihre Hefte, Materialien und ihre Zeugnisse ausgehändigt.

Ich will zusammenfassend sagen, dass das Jahr 2000 ein Jahr mit viel Arbeit und hohem Einsatz war.

Die Eltern der Kinder fragen uns oft, ob wohl im Jahr 2001 schon die erste Grundschulklasse eingerichtet werden wird. Der Grund dafür ist, dass die staatliche Grundschule ziemlich weit entfernt ist, und da die Kinder noch klein sind, haben manche von ihnen schon Unfälle erlitten. Wir haben den Eltern mitgeteilt, dass wir mitten in den Planungen zur Einrichtung einer Grundschulklasse stecken. Wenn das erfolgreich wird, werden wir im Jahr 2001 vielleicht schon Grundschulunterricht erteilen. Dazu mehr in den kommenden Berichten.

Wir wollen Verena Brenner für ihren Beitrag bei der Arbeit unserer Vorschule danken. Es war das erste Mal, dass eine deutsche Freundin ihre Zeit darauf verwendet hat, an der Vorschule einen Englischkurs abzuhalten, der für die Kinder sehr wertvoll ist. Ich glaube, die Kinder haben wirklich etwas gelernt. Vielen Dank!

Ich will ferner dem Verein El Buen Samaritano e.V., der Weltschachtel e.V. und allen anderen Einrichtungen danken, die uns im Jahr 2000 unterstützt haben. Ich glaube, wir werden auch in Zukunft viel für die Kinder in José Carlos Mariátegui tun können.

Die Lehrerin Liliana mit ihrer Gruppe bei der SchuljahresabschlussfeierLiliana Ruiz Huatay, Lehrerin bei den Fünfjährigen:

Lehrplangemäß wurden folgende pädagogischen Programmpunkte absolviert: "Wir machen einige physikalische und chemische Experimente und lernen die atmosphärischen Phänomene kennen." Im mathematisch-logischen Bereich lernten die Kinder die Zahlen bis 20 zu erkennen und zu schreiben und Additionen durchzuführen.

Ferner wurden grundlegende Normen und soziale Gebräuche, wie Respekt und Hilfsbereitschaft behandelt. Die Kinder beteiligten sich an von ihnen oder der Lehrerin vorgeschlagenen Aktivitäten.

Die Förderung der Kinder, die von der Vorschule Stipendien bekommen, war durch die gute Zusammenarbeit mit den Eltern besonders erfolgreich.

Die Kinder führen ihre sanitären Verrichtungen inzwischen selbständig durch und essen selbständig und halten Ordnung, was von ihrem Selbstvertrauen und ihrer Sicherheit zeugt.



Bericht von Verena Brenner

Liebe Freunde von El Buen Samaritano,

Nachdem mein Aufenthalt in Lima aus persönlichen Gründen erheblich kürzer war als ursprünglich geplant, kommt mein Bericht nun schon wieder aus Deutschland. Trotzdem habe ich in den zwei Monaten, in denen ich in Perú war, einen Großteil der Arbeit von El Buen Samaritano in Perú kennen lernen können und zumindest einen Eindruck vom „país del sol“ [Land der Sonne] bekommen.

Was ich als größte Belastung empfand, war die zwei Welten – die westeuropäische Konsumgesellschaft und die Welt Südamerikas – in mir in Einklang zu bringen. Um so mehr wuchs meine Bewunderung für die Peruaner, die sich trotz der schlechten wirtschaftlichen und sozialen Situation des Landes jeden Tag aufs Neue durchschlagen und sei es auch nur mit dem Verkauf von einigen wenigen Süßigkeiten, Kugelschreibern, oder ähnlichem.

Blick auf die Vorschule (Bild: Verena Brenner)

Und diese Zähigkeit zeichnet wohl auch Telmo, Gloria, Javier und die anderen „Brüder“ von El Buen Samaritano aus, zumindest kann ich mir nur so erklären, wie sie die Arbeit in José Carlos Mariátegui jetzt schon über zehn Jahre am Laufen halten.

Und auch wenn es zeitweise etwas schwierig war, möchte ich diese, wenn auch kurze Zeit auf keinen Fall missen.

Wie ihr ja schon von Ulli Salland erfahren habt, sind die Arbeiten an der Schule, bis auf einige Türen und die Fertigstellung des WC's soweit abgeschlossen. Und so wird die Arbeit in der Schule eigentlich auch nur dadurch immer wieder beeinträchtigt, dass einige Eltern das monatliche Schulgeld von 15 sol (ca. 8-9 Mark) nicht zahlen können oder wollen, oder die erforderlichen Materialien (Papier, Stifte, etc.) nicht mitbringen, was für die Lehrerinnen Gloria, Mercedes und Liliana einen ständigen Kampf bedeutet. Ich – in meiner westeuropäischen Naivität – habe natürlich erst einmal jedem Elternteil, das über „Zahlungsunfähigkeit“ klagte, geglaubt, vor allem, nachdem ich die Wohnsituation der Leute dort einmal „live“ gesehen habe, doch Gloria kennt die Leute sicherlich erheblich besser, wenn sie sagt, das es bei vielen einfach am Willen fehlt. Auf der anderen Seite habe ich auch die große Solidarität der Eltern mit der Schule erlebt, so z.B. bei der „Anticuchada“, die veranstaltet wurde, um Geld für Weihnachtsgeschenke für die Kinder zu sammeln, und bei der sich ohne größere Probleme genügend freiwillige Mütter zum Mithelfen fanden. („Anticucho“ sind Rinderherzstücke auf Holzspießen, die gegrillt werden – eine Spezialität von Lima.)

Ich habe den Kleinen zweimal pro Woche Englisch unterrichtet, bzw. versucht, ihnen mit kleinen Liedchen und Spielen ein paar Brocken beizubringen, was zwar sehr anstrengend war, aber auch viel Spaß gemacht hat.

Dieser „Englischunterricht“ war sozusagen ein „Probelauf“ (da zum ersten Mal in José Carlos Mariátegui) und ein großes Anliegen sowohl von Telmo als auch von den Eltern, doch ich bin jetzt hinterher ehrlich gesagt von der Notwendigkeit nicht so ganz überzeugt, einfach weil ich finde, dass die Kinder noch zu jung sind (drei bis fünf Jahre) und erst einmal genug damit zu tun haben, andere Dinge zu lernen (auch wenn es in Perú an den „besseren“ Privatschulen wohl gar nicht so unüblich ist, auch in diesem Alter schon mit Fremdsprachenunterricht zu beginnen.)

Hütten in José Carlos Mariátegui (Bild: Verena Brenner)

Als jedes Mal sehr schöne Erfahrung habe ich es empfunden, wenn ich Telmo Sonntags zu seiner „Kinderkirche“ begleitet habe. Zusammen mit Patty (einer „Schwester“ von Telmo, die in seiner Kirche wohnt) und zwei weiteren „Schwestern“ haben wir mit einigen Kindern des Viertels gespielt, gebastelt o.ä., bevor Telmo seinen Gottesdienst mit viel Gesang usw. abgehalten hat.

Überhaupt war mir davor nicht klar, welch hohen Stellenwert die kirchliche Arbeit innerhalb von El Buen Samaritano in Perú hat. Und auch wenn ich mich in Deutschland nicht unbedingt als Freund der Kirche bezeichnen würde (man möge mir verzeihen!), ist mir vor Ort auch die Wichtigkeit der spirituellen Seite der Missionsarbeit bewusst geworden, denn ich habe gesehen, wie gerade in einem Land wie Perú der Glaube an Gott den Menschen sehr viel Kraft geben kann. Und nicht selten kam es vor, dass die Menschen von José Carlos Mariátegui Telmo oder Gloria auch bei ganz alltäglichen Problemen um Rat gefragt haben – eben „Mission integral“ (ganzheitliche Mission), wie Telmo seine Arbeit bezeichnet. Und ich denke, gerade das führt auch zur der großen Identifikation der Menschen des Viertels mit El Buen Samaritano.

In José Carlos Mariátegui (Bild: Verena Brenner)

Leider habe ich auch immer wieder von den Geldproblemen von El Buen Samaritano mitbekommen, so konnten/können (?) die Kinder der Vorschule gerade nicht mehr medizinisch betreut werden und die Medizinstation in der „Selva“ [Urwald] lag praktisch brach. (Dank finanzieller Mithilfe einiger meiner Verwandter konnte Telmo wenigstens wieder einen Grundstock an Medikamenten anschaffen – Danke!!!)

Schließlich habe ich auch noch die Arbeit mit den Straßenkindern kennen gelernt. Die wird zwar inzwischen hauptsächlich von „Los Niños del Río“ gemacht, doch durch die enge Verbindung mit El Buen Samaritano werden die meisten von euch wohl trotzdem interessiert sein, wie es darum steht. Außerdem geht Telmo nach wie vor einmal pro Woche an den Fluss um mit den Jugendlichen zu singen, die Haare zu waschen und schneiden, etc.

„Los Niños del Río“ hat inzwischen eine Wohnung nahe des Zentrums, wo sich jeden Nachmittag einige Volontäre treffen um mit den „pirañitas“ [Straßenkindern] zu basteln o.ä.. Dadurch verlagert sich die Arbeit etwas weg von den Jugendlichen, die unten am Fluss wohnen, was aber auch so gewollt ist, da wieder verstärkt wirklich Kinder angesprochen werden sollen, und nicht Jugendliche/Erwachsene, die inzwischen hauptsächlich am Fluss leben.

Leider hatten zur Zeit sowohl die peruanischen als auch die französischen Volontäre mit ziemlichen Motivationsproblemen zu kämpfen – ich hoffe ein längerer Besuch von Olivier de Metz im nächsten Jahr kann wieder neuen Schwung bringen.

Schließlich möchte ich mich noch bei den Casternoques und Vásquez noch für die herzliche Aufnahme bedanken.

Es grüßt Euch alle „con un abrazo muy fuerte“ [mit einer festen Umarmung]

Verena



Brief von Sascha Kesseler

Sascha KesselerIch will Euch ein wenig über meine Erfahrungen in Perú berichten. Zuerst einmal ein paar Kleinigkeiten über mich: Ich bin 22 Jahre alt und habe ein Jahr in Aachen Bauingenieur studiert. Dieses Studium habe ich jetzt erfolgreich abgebrochen, um auf dieser Reise mehr zu lernen als die Theorie der Ingenieure.

Ich werde voraussichtlich bis zum Februar 2002 hier bleiben und viele Eindrücke gewinnen. Den Kontakt mit Lima hat ein Schüler aus Büdingen, dessen Schule mit Pastor Luis Villar zusammenarbeitet, geknüpft. Deshalb wohne ich jetzt, wenn ich nicht reise, in Luis' Familie in Canto Rey. Es ist beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit ich in dieser Familie sehr schnell vom Gast zum Sohn/Bruder wurde. Ich fühle mich sehr wohl dort.

Als ich einen Tag mit Luis in der Stadt war, haben wir ein Treffen mit Telmo organisiert. Dies war mein erster Kontakt mit Telmo. Vollkommen spontan bin ich noch am gleichen Abend mit ihm in seine Kirche zum Gebet gefahren. Es sollte sehr beeindruckend für mich werden. Nie zuvor habe ich ein so gelebtes Gebet erlebt. Telmo hat mich seinen Brüdern vorgestellt und ich wurde erneut empfangen wie ein Freund. Vom ersten Moment an nannten sie mich hermano [Bruder] und so fühlte ich mich auch. Telmo hat mich während des Gebetes von meiner Ankunft in Lima erzählen lassen. Es war nicht leicht für mich, weil ich überrascht war und mein Spanisch noch in den Kinderschuhen steckt.

Meine Ankunft war ein kleines testimonio [Zeugnis]. Ich hatte nicht mehr als eine veraltete Adresse von Luis, an der er schon seit Monaten nicht mehr wohnte. Meine Spanischkenntnisse waren bescheiden und meine Erfahrungen mit Achtmillionenstädten auch. Mit der Hilfe einer unglaublich netten Familie habe ich Luis aber dann nach einer Odyssee gefunden. Das ist die Kurzfassung meiner Ankunft. Die Brüder von Mariátegui haben geduldig zugehört. Später haben wir noch ein wenig über Deutschland gesprochen. Ein eindrucksvolles Gebet.

Jedes Mal, wenn ich jetzt nach Mariátegui komme, werde ich so herzlich empfangen, wie ich es in Deutschland nur von meinen besten Freunden kenne. Die Kinder stürmen auf mich zu, wenn ich zum Streichen der Vorschule komme, und fragen, und fragen, und fragen. Beim Streichen habe ich auch noch mehr Erwachsene kennen gelernt, die Telmo helfen. Es erscheint mir wie eine große Familie.

Außerdem habe ich Anita und Ihren Mann bei einem Essen in Telmos Haus  kennen gelernt. Die beiden waren für sechs Jahre in Japan. Sie haben mir die Missionarsschule gezeigt und weitere Missionare vorgestellt.

Im Moment bin ich mit Telmo in Pucallpa. Zusammen wollten wir das Dach der Kapelle hier aufbauen. Leider mussten wir aber feststellen, dass das Geld nur für die Anmeldung der Elektrizität reichte. Das Haus ist bisher ohne Licht, und deshalb muss das Dach warten, bis wieder ein wenig Geld da ist. Zusammen mit Telmo werde ich noch weitere Reisen machen. Er wird mir noch mehr vom Urwald zeigen, seine Heimatstadt und seine anderen Projekte bei Indígenos des Urwaldes. Für mich einmalige Erfahrungen. Ich bin jetzt seit knapp vier Wochen in Lima und habe so viele Erfahrungen gemacht, wie sonst in einem Jahr.

Danke an Telmo, an Luis und seine Familie, Danke an alle Menschen, denen ich bisher hier in Perú begegnet bin, und vor allem Danke an Gott...

Gruß aus Perú,

Sascha Kesseler



Brief von Rebecca Casternoque

Liebe Freunde!

Ich hoffe, es geht Euch allen gut, und dass Ihr gemeinsam mit Euren Familien und Freunden gut in das neue Jahr gekommen seid.

Nun ist es schon fast ein Jahr her, seit ich aus Deutschland zurück bin. Inzwischen kostet es mich Mühe, zu glauben, dass ich wirklich die Möglichkeit hatte, in Eurem Land zu sein, Euer Leben zu teilen und dabei kennen zu lernen.

Jetzt merke ich, dass meine Reise nicht umsonst war und ich hier einen kleinen Beitrag für El Buen Samaritano leisten kann, wenn es auch nur die Übersetzung von Briefen ist.

Zur Zeit habe ich Ferien. Im März fängt die Schule wieder an. In diesem Jahr werde ich die Schule abschließen und ich muss jetzt etwas genauer darüber nachdenken, was ich danach studieren möchte. Einige Ideen habe ich schon, ich hoffe nur, dass sie verwirklichbar sind.

Ich besuche weiterhin Deutschkurse, um so mein Deutsch zu vervollkommnen. Ich hoffe, Euch bald wiederzusehen.

Ich wünsche Euch all das Beste von der Welt, und zwar von Herzen!

Viel Erfolg für dieses Jahr wünscht Euch

Rebecca Casternoque


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