EL BUEN SAMARITANO e.V.


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34. Rundbrief mit Berichten über Juli bis September 1999

 Kassenbericht Juli - September 1999: In Deutschland

 Finanzbericht Juli - September 1999: In Perú


Mössingen und Steinfurt, im Dezember 1999

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

mit dem bevorstehenden Jahreswechsel wird El Buen Samaritano zehn Jahre alt! Das ist immerhin ein ganzes Prozent eines Jahrtausends.

Zehn Jahre ist es her, daß wir unsere erste Monatsüberweisung nach Lima abschickten, um es Telmo Casternoque zu ermöglichen, seinen Job als Torwächter bei einer Erdölfirma zu kündigen und sich vollberuflich seiner Berufung zu widmen — als Missionar, der seine Aufgabe vor allem in praktischem Dienst am Nächsten sieht.

Im Laufe des Jahrzehntes gab es viele beglückende Erfolge aber auch deprimierende Tiefschläge. Die Medizinstation in José Carlos Mariátegui wurde 1992 von El Buen Samaritano mit Unterstützung der Organisation Beit Shalom gemeinsam mit den Bewohnern als eins der ersten festen Gebäude in dem ganzen Armutsgebiet errichtet — ein Erfolg —, doch bis auf den heutigen Tag war sie eigentlich nie richtig in Betrieb.

Das Urwaldprojekt mußten wir 1997 als gescheitert ansehen, denn trotz all der Investitionen war keins der sozialen Ziele des Projektes erreicht oder auch nur in Sicht. Ich sprach anläßlich meines Aufenthaltes Anfang 1998 zu den Anwohnern der Cocha del Caro Curahuayte und erklärte ihnen, daß es keine weiteren Finanzmittel von deutscher Seite geben werde. Vielleicht waren es diese deutlichen Worte, die die Eigeninitiative der Menschen dort erwachen ließen: Heute gibt es dort eine Schule mit einem vom Staat bezahlten Lehrer und es entwickelt sich zunehmend eine Organisationsstruktur mit Plänen zur Entwicklung der Region und gewählten Vertretern. Damit waren die Anstrengungen im Urwald letzlich doch noch erfolgreich, und wir bezahlen inzwischen auch das Gehalt für einen Krankenpfleger, dessen Aufgabe neben erster Hilfe und kleineren medizinischen Diensten vor allem in Aufklärungsarbeit und in der Implementierung staatlicher Gesundheitsprogramme besteht.

Kinder  aus José Carlos Mariátegui

Als das Herz der Arbeit betrachten wir seit je die Vorschule. Mit ihr begann schon vor über zehn Jahren alles, und seit dem bemüht sich El Buen Samaritano ununterbrochen darum, Kinder aus den Elendsvierteln, die kaum eine Chance auf eine Ausbildung und damit auf eine zukünftige Verbesserung ihrer Lage haben, schon im Vorschulalter intensiv zu fördern und möglichst gut auf die Schule vorzubereiten. Dazu gehört auch die ständige Auseinandersetzung mit den Eltern der Kinder, die oft selbst keine Schulbildung genossen haben.

Wir wissen nicht, wieviele der ehemaligen Vorschulkinder nun wirklich auf dem Weg in eine bessere Zukunft sind. Und welche Früchte die liebevolle Zuwendung der Vorschullehrerinnen bei den ewig benachteiligten Slumkindern trägt, läßt sich ohnedies nicht quantifizieren. Aber selbst wenn es nur einige Duzend sind, deren Lebensweg durch die Vorschule in eine gute Richtung gelenkt wurde, so wiegt das allein schon alle Mißerfolge und alle Mühe auf und, ich glaube, auch all das Geld, das die Unterstützer(innen) während der ganzen Zeit Monat für Monat beiseite gelegt haben.

In Perú fand das Modell El Buen Samaritano bald Nachahmer. In fast allen Regionen Perús gibt es heute kleine Basisprojekte, die sich ebenso nennen und von denen manche auch sehr förderungswürdig sind.

Ein Höhepunkt in der Geschichte von El Buen Samaritano war sicher Telmos Besuch 1993, bei dem die meisten von Euch persönlich Bekanntschaft mit dem Leiter von El Buen Samaritano in Perú machen konnten. Während Telmos Vortragsreise konnten wir viele Kontakte herstellen, und das in der Folge anwachsende Spendenaufkommen erlaubte es, die Arbeit auf festere Füße zu stellen.

In der Folge ist ein intensiver persönlicher Kontakt zwischen uns hier in Deutschland und unseren Partnern in Perú entstanden. Eine ganze Reihe junger deutscher Frauen nutzte die Möglichkeit, durch mehrmonatige Mitarbeit bei El Buen Samaritano in Perú wertvolle Lebenserfahrung zu sammeln. Dieser Rundbrief enthält einen Brief von Cornelia Prauser, die zur Zeit für ein ganzes Jahr in Perú ist. Immer wieder kommen neue junge Leute auf uns zu, die sich für eine solche Möglichkeit interessieren; und zuletzt kam sogar die Anfrage eines jungen Mannes, der bei El Buen Samaritano in Perú seinen Zivildienst machen möchte.

El Buen Samaritano auf dem Weg ins neue Jahrtausend

Übrigens wächst El Buen Samaritano auch in Europa: Dieser Rundbrief enthält die Berichte zweier Französinnen, die bei El Buen Samaritano im Urwald mitgearbeitet haben.

Zur Feier unseres Jubiläums werden Herr und Frau Braungardt aus Nehren nach Perú reisen. Frau Braungardt ist Gründungsmitglied und eine der Personen, ohne die es El Buen Samaritano e.V. nicht gäbe. Und als Vertreterin der peruanischen Seite ist weiterhin Telmos und Glorias Tochter Rebecca hier in Deutschland Am Ende des Rundbriefes findet Ihr einen Brief von Rebecca, die auch die an traditionelle peruanische Genrezeichnungen angelehnte Zeichnung für die Titelseite geschaffen hat.

Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr (-zehnt, -hundert, -tausend ...). Und El Buen Samaritano wünsche ich ein paar neue Unterstützer(innen), die Ihr bitte mit Hilfe der beiliegenden Karten werben sollt. Weitere Karten können bei mir angefordert werden.

Wenn jede(r) von Euch nur eine(n) neue(n) regelmäßige(n) Spender(in) wirbt, kann El Buen Samaritano handlungsfähig und vielleicht auch mit der Option auf neue Projekte den Weg in sein zweites Jahrzehnt gehen.

Mit herzlichen Grüßen

Euer

Holger v. Rauch

(Vorstand)


è Kassenbericht Juli - September 1999: In Deutschland

è Finanzbericht Juli - September 1999: In Perú


Telmos Bericht über Juli-September 1999

Empfangt meine herzlichen Grüße aus Perú!

Zunächst möchte ich Euch etwas aus meinem Land erzählen. Wir hier in Lima sind sehr in Sorge, daß ein Erdbeben kommen könnte, denn Perú befindet sich in einer besonders gefährdeten Zone. Das letzte Erdbeben war im Jahr 1974, und seit dem ist nichts mehr passiert. Die Seismologen warnen nun wegen der jüngsten Erdbeben, die in verschiedenen Ländern der Welt fatale Folgen hatten. Deshalb wurde in unserem Land als Präventionsmaßnahme am 11. Oktober eine Simulation durchgeführt. Wir hoffen, daß die Bevölkerung sich ihrer Verantwortung bewußt geworden ist.

— Die Vorschule in José Carlos Mariátegui: Von April, als der Schulbetrieb begann, bis heute haben die Lehrerinnen einen beachtenswerten Arbeitsrhythmus eingehalten und waren sehr pünktlich. Anders als in anderen Jahren betreten die Kinder pünktlich zwischen 8.30 und 9.00 Uhr ihre Klassenräume. Ebenso wird regelmäßig und ohne Unterbrechungen täglich das Frühstück ausgegeben. Darüber hinaus werden alle Kinder sowie das Lehrpersonal durch das Ärzteteam von EMAUS medizinisch begleitet. Jedes Kind hat seine eigene Akte. Wir sind in Sorge wegen der acht Kinder, die aus wirtschaftlichen oder familiären Gründen aus unserer Vorschule ausgetreten sind.

— Die humanitären Hilfen laufen ebenfalls ununterbrochen. Telmo, Gloria und Javier schenken jedem Fall Beachtung, vor allem in José Carlos Mariátegui. Im September konnten wir beim Bau eines Gemeinschaftshauses mitwirken, in dem auch die von El Buen Samaritano und Barbara Franz unterstützte Volksküche untergebracht ist.

Seit Anfang dieses Jahres hat unsere Organisation mehrere Besuche von deutschen, englischen und französischen Freunden empfangen. Das ist für uns etwas besonderes, daß wir fast immer ausländische Freunde bei uns zu Hause haben. Wir wollen jedem einzelnen danken und besonders denen, die in direkter Weise einen Beitrag zur Stärkung von El Buen Samaritano geleistet haben, nämlich Olivier de Metz, Nathalie Coloigner, Véronique de Ferrières aus Frankreich, Alan Turner, ein englischer Missionar, und Cornelia Prauser aus Deutschland.

— Die Arbeit an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald: Nathalie und Véronique kamen nach einigen Vorkontakten zu uns, um bei uns mitzuarbeiten, und zwar zunächst bei der Arbeit mit den Straßenkindern in Lima, den pirañitas. Véronique ist die offizielle Vertreterin der französischen Organisation Los niños del Río ("Die Kinder vom Fluß"). Jedoch sorgten sie sich nicht nur um die Gesundheit der Straßenkinder, sondern auch für die Gesundheit der Kinder an der Cocha del Caro Curahuayte. Deshalb reisten am 16. September Véronique, Nathalie und Telmo in den Urwald, um mit Mitteln, die eine Freundin von Véronique bei ihrer Hochzeit gesammelt hatte, an der Cocha del Caro Curahuayte eine Medizinstation zu errichten. Dieses französisch-peruanische Projekt wurde in drei Wochen intensiver Arbeit verwirklicht. Die Anwohner zeigten großes Interesse, halfen dabei, das Holz aus dem Dschungel zu holen, es ging sehr schnell und spontan. Die Grundfläche der Medizinstation beträgt 28 Quadratmeter. Das ganze Bauwerk — Fundament, Wände und Dach — ist aus vor Ort verfügbarem Material. Nur eine der Seitenwände und die Inneneinrichtung müssen noch fertiggestellt werden. Telmo wird im November erneut in den Urwald reisen, um die hundertprozentige Fertigstellung zu gewährleisten und zugleich, um einige Absprachen mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen zu treffen. In der Medizinstation wird ein neuer Krankenpfleger arbeiten. Er heißt Manuel Sangama Mafaldo und hat 21 Jahre Berufserfahrung. Zuletzt hat er im Krankenhaus in Requena gearbeitet. Er hat seinen Dienst am 1. Oktober angetreten. Dieser Wechsel wurde nötig, weil Juanita aus familiären Gründen gezwungen war, die Cocha del Caro Curahuayte zu verlassen. Bei einer Abschiedsfeier bedankte sich die Bewohnerschaft bei Juanita für die geleisteten Dienste. Dasselbe hat auch unsere Institution getan. Wir wollen auch auf den uneigennützigen Beitrag von Véronique und Nathalie in Form einer Medikamentenspende hinweisen. Ferner wollen wir für die Initiative unserer französischen Freundinnen danken, die in der Stadt Iquitos bei den Eisenwarenhandlungen um Spenden gebeten haben. Mit einem Empfehlungsschreiben, das ich ihnen ausgestellt hatte, wurden sie bei diesen Firmen vorstellig und erhielten folgende Sachspenden: 2 Schaufeln, 3 Hämmer, 3 Sägen, 1 Pickel, 20 kg Nägel, 1 Wasserwage, 1 Drahtbürste. Alle diese Werkzeuge wurden der Bewohnerschaft übergeben.

Der Krankenpfleger konnte sich für die erste Zeit (nur für drei Monate) einige grundlegende Werkzeuge leihen, die er für seine Arbeit braucht. Nach dieser Zeit werden wir eigene medizinische Hilfsmittel benötigen, und zwar: eine chirurgische Grundausstattung, ein Stethoskop, ein Blutdruckmeßgerät, eine gynäkologische Grundausstattung, einen Sterilisierer, eine Waage.

Wir wollen dem Verein El Buen Samaritano e.V. in Deutschland dafür danken, daß es dieses Programm unterstützt und das feste Gehalt für den Krankenpfleger übernimmt.

Ich verabschiede mich von Euch und wünsche Euch alle Segnungen Gottes.

Aufrecht in Christus,

Telmo Casternoque, Missionar


Bericht über die Arbeit der Vorschule von Nora Guevara

In der Vorschule: Beim Frühstück

Im Juli haben wir die nationalen Symbole Perús durchgenommen, also das Banner, die Fahne, das Wappen, die Hymne, womit wir bei den Kinder die Liebe zu ihrer Heimat geweckt haben. Wir machten auch ein Fest der Regionen, zu dem die Kinder Trachten und Gerichte, die für die verschiedenen Regionen Perús typisch sind, mitbrachten. Das gefiel den Kindern, denn wir machten auch einen Spaziergang durch die Umgebung der Ansiedlung.

Am 20. Juli begannen die Ferien, die Kinder wie Lehrerinnen zur Erholung nutzten.

Der Unterricht begann wieder am 9. August, und ebenso die regelmäßige Frühstückszubereitung, die allgemeinmedizinischen, kinderärztlichen und gynäkogischen Dienste, nicht allerdings die psychologischen, da der Psychologe den vereinbarten Arbeitsplan nicht einhielt.

Im August behandelten wir neue Farben, wie grün und orange und wir übten mit der Feder zu zeichnen. Im August kamen etwa 15 regelmäßig in meine Stunden.

Am Ende des Monats händigten wir den Eltern unsere Berichte über die Fortschritte der Kinder aus, in denen wir sie über die Leistungen ihrer Kinder in den ersten vier Monaten in der Vorschule informierten.

Im September sahen wir freudig dem kommenden Frühling entgegen und wählten die besten Freunde, nämlich die Kinder, die sich nicht mit den anderen streiten und die ihren Freunden gern helfen und ihre Sachen mit ihnen teilen. Wir sprachen über die Wichtigkeit der Lebensmittel, von Obst und Gemüse und machten mit den Kindern zusammen einen köstlichen Salat, bei dem alle mitaßen. Es gibt immer Kinder, die nicht in die Schule mitbringen, was ihnen aufgetragen ist, aber wir können diese Kinder ja dann nicht ausschließen.

Wir sahen es als erforderlich an, die Köpfe der Kinder zu untersuchen und erlebten dabei viele Überraschungen, woraufhin wir die Mütter daran erinnerten, die Körperpflege ihrer Kinder nicht zu vernachlässigen.

In der Vorschule

Im Bereich der Verwaltung der Vorschule ist der Buchhalter derzeit damit beschäftigt, die Dokumente für das Bildungsministerium zu aktualisieren, wobei ich ihm helfe. Wir benötigen Lehrmaterial, Bildtafeln, Musikinstrumente, Spielsachen.

Die Schulgebühren wurden von 55% der Eltern fast pünktlich bezahlt. 20% sind mit der Bezahlung im Rückstand. Die Mütter der Kinder, die ein Stipendium haben, wirken bei der Arbeit der Vorschule mit, indem sie die Frühstückstassen waschen. Eins der mit Stipendium geförderten Kinder ist aus Gründen, die nicht von der Vorschule zu vertreten sind, ausgeschieden.

Im Oktober möchten wir einen Ausflug in die Andenausläufer in der Nähe von Lima unternehmen.

Ich grüße Euch herzlich,

Nora Guevara Rebata

Direktorin


Bericht Gloria Aliaga de Casternoque, Lehrerin bei den Vierjährigen

(Der Bericht ist gekürzt. — H. v. Rauch)

Im Juli arbeiteten wir mit den Kindern an den räumlichen Begriffen vorne, hinten, oben, unten, innen, außen, auf, unter, nah, fern. Ferner behandelten wir wir die Vokale, Geschmäcker wie auch die nationalen Symbole. 90% Kinder erreichten in diesem Monat das Lernziel. 70% der Eltern unterstützen und fördern ihre Kinder; während 20% aus Zeitmangel oder anderen Gründen ihren Kindern keine Unterstützung geben.

In der Vorschule: Beim Frühstück

Die Kinder helfen gern mit, zum Beispiel beim Austeilen von Zetteln oder Scheren oder anderen Dingen.

Im August nahmen wir uns wieder die Vokale vor, und zwar die deutliche Aussprache und die Buchstaben. Die meisten Kinder erkennen die Vokale richtig und können sie schon schreiben.

Im September nahmen wir dann Mengenbegriffe durch: einer, keiner, wenige, viele und die Zahlen eins und zwei zu erkennen und zu schreiben.

Es grüßt Euch

Gloria María de Casternoque,

Lehrerin


Bericht des EMAUS-Ärzteteams

(Der Bericht ist gekürzt und zusammengefaßt — H. v. Rauch)

Wir veranstalteten Vorschulunterricht über Lebensmittelhygiene. Im gynäkologischen Bereich betreuten wir sechs Schwangerschaften. Bei Hausbesuchen berieten wir die Frauen über Geburtsvorbereitung und führten Regeluntersuchungen durch. Wir führten eine Hausgeburt durch; eine Risikogeburt verwiesen wir an eine Klinik in Lima. Ferner führten wir Familienplanungsberatungen durch.

Wir besuchten die Kinder, die der Vorschule fernblieben, zu Hause, um zu sehen, ob sie krank sind und um sie zu beraten. Mit sechs Kindern, die Verhaltensstörungen zeigten, wurden ausführliche Gespräche geführt und Termine mit einem Psychologen vereinbart. Der Psychologe hielt vor den Eltern einen Vortrag darüber, wie man Kinder disziplinieren soll. Das Echo war sehr gut, und es wurde vereinbart, daß diese Versammlungen nun vierzehntägig zu von den Eltern selbst ausgewählten Themen abgehalten werden sollen und der Psychologe außerdem einmal wöchentlich eine Elternsprechstunde anbieten soll.

Wir untersuchten und behandelten die Vorschulkinder. Die häufigsten Fälle waren Atemwegserkrankungen, Darmparasitosen und kleinere Verletzungen.

Wir danken für die Bereitstellung einer Räumlichkeit zur Versorgung der Patienten. Wir empfehlen aber, die dem Behandlungsraum gegenüber gelegene Toilette zu versetzen.

Wir empfehlen ferner, unterernährte Kinder durch die Volksküche zu verpflegen.

Es wäre vorteilhaft, auf die Dienste von EMAUS deutlicher hinzuweisen, beispielsweise durch ein Plakat.

Dr. Venegas,

Direktor von EMAUS


Bericht von Véronique de Ferrières aus Frankreich über ihren Besuch der Cocha del Caro Curahuayte

Nathalie, Telmo und ich reisten in Begleitung des Schreiners Lucho Matute in den Urwald. Auf den folgenden Seiten informiere ich Euch über unsere Eindrücke und über das Leben der Menschen, vor allem auch über die Schule und über unseren Einsatz für eine Medizinstation an der Cocha del Caro Curahuayte.

Ihr kennt ja den Anfang der Schule und habt seine Entwicklung verfolgen können, vielleicht freut es Euch, Nachricht über sie zu bekommen. Die Schule fiel uns sofort als das wichtigste Gebäude in der Siedlung auf. Es ist wirklich ein "offizielles" Gebäude, das sich von den anderen Häusern unterscheidet — dadurch, daß es nicht auf Pfählen steht, durch die blaue Bemalung des unteren Bereichs und der Fenster, die originelle Form, wie ein umgekehrtes "u" und die Lage mitten im Dorf. So ist die Schule zugleich Unterrichtsort wie auch Gemeindesaal. Am 30. September konnten wir auch gleich Jubiläum feiern: Es waren seit der Erbauung zwei und seit der Anerkennung durch den Staat ein Jahr vergangen.

Der Lehrer Wilder Flores Pipa, der seit April hier arbeitet, engagiert sich sehr für das Dorf und in seiner Arbeit mit den Kindern. Er hat die Funktion des "Präsidenten des Bildungszentrums". Wir konnten sehen, daß er seine Arbeit gern und mit großem Ernst und Interesse tut, auch wenn das schwer ist. Als wir da waren, hatte er nur 15 Schüler, obwohl 29 Schüler in dieser Schule eingeschrieben sind. Sie sind in vier Niveaustufen eingeteilt. Den Lernfortschritt jedes einzelnen Schülers zu begleiten, sicherzustellen, daß alle mitkommen und sich keiner langweilt, ist eine schwere Arbeit. Das größte Problem, das der Lehrer dabei hat, ist daß die Kinder nicht regelmäßig anwesend sind. Es kommt vor, daß ein Kind tagelang fehlt, einfach weil es keine Lust hat, in die Schule zu kommen. So kann es dann keine Fortschritte machen, und Herr Flores kann den Lehrplan nicht einhalten, und die anderen Kinder haben das Nachsehen. Der Lehrer hat sich schon verschiedene Male an das ganze Dorf gewandt und die Eltern gebeten, von ihrer Autorität Gebrauch zu machen und ihre Kinder jeden Tag in die Schule zu schicken. Er erklärte ihnen auch die Wichtigkeit dieser Angelegenheit für das Funktionieren der ganzen Schule und für die Zukunft der Kinder. Es schien uns, daß die Eltern zustimmten und hoffen, daß sie die Botschaft wirklich gut verstanden haben.

Zum Gesundheitsprogramm: Nach dem Weggang der bisherigen Krankenschwester mußte jemand gefunden werden, der eine Krankenpflegeausbildung hat, erfahren ist und fähig, an der Cocha del Caro Curahuayte zu arbeiten, mit allen Schwierigkeiten, die das bedeuten kann, jemand, der fähig ist, die Mentalität und die Gebräuche der Menschen hier zu verstehen, und der motiviert ist, diese Arbeit an diesem Ort zu versehen, das heißt, die zu behandeln, die ihn aufsuchen aber auch zu den Leuten zu gehen, sie in Gesundheitsfragen zu beraten und Prophylaxe zu machen.

An der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

Manuel ist ein Mann, der mit seiner Familie in Requena lebt und diesen Anforderungen zu genügen scheint. Er begann seinen Dienst im Oktober, und die Anwohner waren sehr froh und "nahmen ihn schnell an". Er hat jetzt viel zu tun, denn die Leute kommen von weit her, um ihn um Hilfe zu bitten, und das ist ein großer Fortschritt.

Ein wichtiges Problem beim Gesundheitsprogramm ist der Erhalt eines Sortiments an Medikamenten. Wir brachten einige Medikamente aus Frankreich mit, aber das war eine einmalige Spende, die zur Neige gehen wird. Die Menschen sind sich nicht darüber bewußt, daß es in ihrer eigenen Verantwortung liegt, daß das Gesundheitsprogramm funktionieren kann und sie dabei mitwirken müssen. Sie denken, daß es immer wieder Spenden geben wird, und verstehen nicht, warum es nicht so sein sollte. Die Idee ist nun, daß die Patienten nicht mehr für den Krankenpfleger bezahlen sollen, sondern für die Medikamente, die sie benötigen. Der Krankenpfleger wird die Medikamente zu einem besonders günstigen Preis abgeben, den die Patienten auch aufbringen können sollen, denn die Menschen an der Cocha del Caro Curahuayte haben kaum Geld. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf könnte der Krankenpfleger dann wieder neue Medikamente kaufen, und zwar in einer speziellen Apotheke in Requena, die sehr niedrige Preise hat. Dort kann nicht jeder einkaufen, aber es ist uns gelungen, eine Erlaubnis für den Kauf von Medikamenten in dieser Apotheke zu erlangen.

Das Problem ist aber, daß viele Patienten nicht bar bezahlen, sondern den Betrag schuldig bleiben oder beispielsweise mit einem Huhn bezahlen. Es fehlt bei vielen an Disziplin und Einsicht. Aus diesen Gründen macht uns der Fortbestand des Projekts Sorgen. Es kann funktionieren, wenn die Menschen sich ihrer Verantwortung und der Notwendigkeit ihrer Mitwirkung bewußt werden. An diesem Punkt muß nun gearbeitet werden.

Véronique


Bericht von Nathalie Coloigner über die Medizinstation an der Cocha del Caro Curahuayte

Das Projekt des Baus einer Medizinstation im Rahmen von El Buen Samaritano wurde dank einer Spende aus Frankreich möglich. Das Geld wurde während der Hochzeit von Freunden (jetzt Monsieur und Madame) gesammelt. Mit 900 Soles [ca. 500 DM] brachen wir in den Urwald auf, mit dem Ziel diese Medizinstation zu bauen. Da wir wußten, daß dieses Geld nicht ausreichen würde, sprachen wir in der Stadt Iquitos die Inhaber von Eisenwarengeschäften an und baten sie um Unterstützung. Wir hatten Erfolg und mußten dann nur noch wenige Werkzeuge selbst kaufen. Weiteres Baumaterial kauften wir in Requena, wo wir ebenfalls eine Preisermäßigung aushandelten.

Am 24. September begannen wir gemeinsam mit den Männern aus dem Dorf den Bau des Hauses mit einer Grundfläche von vier mal sieben Metern, das die Medizinstation werden sollte. Der Rohbau aus Baumstämmen war innerhalb eines Tages intensiver und effizienter Arbeit fertig, worüber wir freudig überrascht waren. Danach warteten wir auf das Eintreffen des übrigen Baumaterials mit einem Frachtboot. Als alles da war, konnte die Arbeit weitergehen. Es begann mit dem Dach, das mit Blättern gedeckt wurde. Danach kam der Boden, der in 30 cm Höhe über der Erde eingezogen wurde. Danach fertigten wir unter Anleitung des Schreiners Lucho aus Holz drei Wände, eine Tür und drei Fenster. Der ganze Bau nahm zwei Wochen in Anspruch. Nun fehlt noch eine Außenwand und die innere Unterteilung — dafür hat das Material nicht ausgereicht. Die Anwohner wollen die Medizinstation aber in Eigeninitiative fertigstellen und dazu das Holz verwenden, das die reiche Natur des Urwaldes zur Verfügung stellt. Nach unserem Plan soll das Gebäude in drei Räume aufgeteilt werden: Einen Empfangs- und Warteraum, ein Krankenzimmer und ein Behandlungszimmer, in dem auch die Medikamente lagern sollen. Lucho hat bereits ein Regal und einige Bänke gebaut.

An der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald

Wir sind mit dem Ergebnis unserer Arbeit sehr zufrieden, weil die Medizinstation dank der Mitwirkung aller sehr gut geworden ist und sicher viele Jahre erhalten werden kann.

Wir waren sehr froh zu sehen, wie positiv die Anwohner auf unser Projekt reagierten. Ihr gewählter Vertreter Cástulo und seine Familie empfingen uns in Requena und begleiteten uns an die Cocha del Caro Curahuayte. Nach unserer Ankunft im Dorf versammelten sich alle, damit wir den Grund unserer Anwesenheit erklären konnten. Bei dieser Gelegeheit konnten wir uns davon überzeugen, wie sehr sich jeder einzelne mit dem Projekt identifizierte und bereit war, sich einzubringen. Alle waren damit einverstanden, daß diese Medizinstation benötigt wird und daß die Gesundheitsversorgung ein Problem eines jeden Anwohners ist.

Wir sind nun sehr zufrieden, daß es uns in drei Wochen gemeinsam mit den Anwohnern gelungen ist, unser Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Aber das Projekt soll natürlich nicht nur von kurzer Wirkung sein, sondern dauerhaft. Die Anwohner selbst müssen das Gebäude instand halten. Wir hoffen, daß die für die Medizinstation zuständige Person bei den Bewohnern etwas mehr Disziplin im Umgang mit den Medikamentreserven herbeiführen kann. Denn es wird nicht so sein, daß die Europäer immer und immer wieder Medikamente spenden werden.

Nathalie


Brief von Cornelia Prauser

Liebe Freunde von El Buen Samaritano,

obwohl ich ja erst seit fünf Tagen hier in Perú bin, berichte ich Euch gerne von meinen ersten Erfahrungen hier in Lima.

Ich wurde von der Familie Casternoque sehr herzlich empfangen: Telmo und die beiden Französinnen, die zur Zeit auch hier wohnen, holten mich vom Flughafen ab. Zuhause warteten schon Gloria und Daniel, in der Küche hing sogar ein Begrüßungsschild. Ich bin mit offenen Armen in ihrer Familie aufgenommen worden, fühle mich hier sehr, sehr wohl und bedanke mich an dieser Stelle auch ganz herzlich für ihre Gastfreundschaft.

Am Sonntag gingen wir abends gemeinsam nach Mariátegui in die Kirche, wo Telmo Gottesdienst hält. Es war wirklich ein schönes Erlebnis, da die Menschen hier unheimlich offenherzig und lebensfreudig sind. Nachdem wir am Montag einige organisatorische Dinge in Lima geregelt hatten, bin ich am Dienstag zum ersten Mal mit Gloria in die Vorschule gegangen. Schon die eineinhalbstündige Busfahrt in vollgestopften Kleinbussen ist eindrucksvoll und macht mir jedes Mal wieder Spaß. In der Schule sind drei Klassen für drei- bis fünfjährige Kinder untergebracht. Ich helfe in der Klasse der fünfjährigen Kinder mit. Die Kinder freuen sich riesig, wenn Besuch kommt, und dementsprechend wurde ich von allen freudig begrüßt. Die Klasse ist mit über 30 Kindern besonders groß, und der Klassenraum ist gut gefüllt. Die Kinder werden von ihren Eltern bis morgens 9.00 Uhr gebracht. Dann wird gemeinsam gefrühstückt: Sie bringen ihr Essen selbst mit und bekommen von der Schule ein Glas Milch. Nachdem gesungen und gebetet wurde, machen die Kinder Rechenaufgaben oder Schreibübungen. Um 10.30 Uhr beginnt für die Schüler die langersehnte Pause: Meistens toben sie auf der Straße rum, oder wir machen Kreisspiele. Die Kinder genießen es einfach, daß man für sie kurz Zeit hat, ihnen seine Aufmerksamkeit schenkt, da sie meistens den ganzen Tag alleine sind, da die Eltern arbeiten. Nach der Pause, wenn man mit viel Mühe die Kinder wieder dazu gebracht hat, auf ihrem Platz zu sitzen, wird wieder gearbeitet, gemalt oder gebastelt. Bevor sie zwischen 12.30 und 13.00 Uhr wieder abgeholt werden, essen sie gemeinsam ihr mitgebrachtes Mittagessen.

Ich gehe sehr gerne mit Gloria in die Vorschule, da man sieht, wie gut es den Kindern tut, wenn man einfach für sie da ist. Leider kann ich sehr wenig mithelfen, da die Lehrerin ja den Unterrichtsstoff behandeln muß, und so besteht meine Aufgabe eigentlich darin, die Kinder zu Ruhe zu bringen, beim Milchausteilen zu helfen, ab und zu der Lehrerin Bücher zu bingen und mit den Kindern in der halbstündigen Pause zu spielen. Ich hatte zwar gehofft, daß ich etwas selbständiger mit ihnen etwas machen könnte, doch gehe ich jeden Tag wieder gerne in "meine Klasse".

Da ich in einer Woche nach Chimbote zu Enrique und seiner Familie gehen werde, wird mein nächster Bericht sicher ausführlicher sein als die ersten Eindrücke, die ich Euch jetzt geschildert habe.

Zum Abschluß möchte ich Euch sagen, daß ich unheimlich froh bin, nach Lima gekommen zu sein. Nicht nur wegen der vielen schönen Erfahrungen, die ich hier mache, insbesondere natürlich mit der Familie und mit den Kindern, sondern ich denke, daß es unheimlich wichtig ist, zu sehen, wie die Menschen hier leben, welche Probleme sie haben und wie sie sich doch ihre Lebnesfreude bewahren. Ich kann sie nur bewundern. Ebenso sehe ich, wie wichtig und sinnvoll die Arbeit von El Buen Samaritano ist, und was durch die Hilfe und Unterstützung hier schon alles erreicht wurde.

Ich sende Euch einige Sonnenstrahlen aus dem peruanischen Frühsommer!

Eure Cornelia Prauser


Brief von Rebecca Casternoque

Liebe Freunde!

Rebecca Casternoque auf der Insel Mainau

Bevor ich damit beginne, ein bißchen von den Dingen und meinen Erfahrungen der letzten acht Monate hier in Deutschland zu erzählen, möchte ich Euch sagen, daß ich sehr froh bin über all die regelmäßige Unterstützung, die Ihr uns in den letzten zehn Jahren gewährt habt. Und ich will Euch für all das Vertrauen danken, das Ihr in uns gesetzt habt, damit wir so gemeinsam für ein gemeinsames Ziel, der Hilfe für die anderen arbeiten konnten.

Ich wünsche Euch und allen Euren Familien frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr. Jetzt haben wir ja zwei große Ereignisse zu feiern. Zum einen das neue Jahrtausend, zum anderen zehn Jahre ununterbrochener Arbeit mit El Buen Samaritano.

Jetzt, nach acht Monaten hier und nachdem ich alle möglichen erwarteten und unerwarteten Erfahrungen gemacht habe, freue ich mich an dem schönen Winter, den mir Deutschland bietet. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen richtigen Winter mit Schnee und starkem Regen und an Weihnachten einen richtigen Christbaum.

Mit der Sprache klappt es jetzt schon viel besser, und in der Schule auch, aber natürlich verstehe ich noch nicht alles in allen Fächern. Mich freut, daß die schwierigste Zeit vorbeigeht, und meine Stimmung ist Gott sei Dank viel besser als am Anfang.

Zum Schluß will ich Euch sagen, daß alle, die wir in Perú bei El Buen Samaritano arbeiten, zu diesem Weihnachtsfest das größte Geschenk bekommen haben, das es für uns zum Abschluß des Jahrtausends geben kann, nämlich zehn Jahre der Zusammenarbeit mit Euch allen vollendet zu haben und daß wir jetzt in unserem Haus unsere guten Freunde Hanneli und Gerhard Braungardt empfangen können.

Ich wünsche Euch von Herzen alles Gute und verabschiede mich von Euch, Eure

 


Anmerkung: Alle Texte außer dem Brief von Cornelia Prauser
wurden von Holger v. Rauch aus dem Spanischen übersetzt.


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