EL BUEN SAMARITANO e.V.


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33. Rundbrief mit Berichten über April bis Juni 1999

 Kassenbericht April-Juni 1999: In Deutschland

 Finanzbericht April-Juni 1999: In Perú

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Mössingen und Steinfurt, im September 1999

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

dieser Rundbrief müßte eigentlich wieder ein "Notruf" werden, denn leider trifft weiterhin zu, was wir schon in den beiden letzten Rundbriefen berichten mußten: die monatlichen Eingänge auf unser Spendenkonto reichen nicht mehr zur Deckung der regelmäßigen Ausgaben in Perú aus. Das sind, wie aus dem Finanzbericht ersichtlich, vor allem die Gehälter für das Vorschulpersonal aber auch das Gesundheitsprogramm für die Vorschulkinder, deren Familien und andere Bewohner von José Carlos Mariátegui, das Frühstücksprogramm, unser Beitrag zum Gesundheitsprogramm in der Siedlung Samaria im Amazonasurwald usw.

Der Grund für die Mittelknappheit ist nun nicht etwa, daß die bisherigen Unterstützer(innen) uns neuerdings reihenweise enttäuscht über die Arbeit von El Buen Samaritano den Rücken kehren. Einen gewissen Schwund hat es wohl gegeben; der ist aber gemessen an all den Jahren, in denen die meisten Unterstützer(innen) die Arbeit ununterbrochen Monat für Monat möglich gemacht haben, sehr gering, und fast alle, die Ihre finanzielle Unterstützung reduziert oder eingestellt haben, haben extra an uns geschrieben, um uns Ihre meist die persönliche Finanzplanung betreffenden Gründe mitzuteilen.

Das Problem ist eher, daß es uns seit Jahren kaum mehr gelingt, neue regelmäßige Unterstützer(innen) zu finden. Einzelspenden, auch hohe, können wir glücklicherweise immer wieder verzeichnen und sie sind es auch, die es uns bisher ein um das andere Mal ermöglicht haben, die Höhe der monatlichen Überweisungen nach Perú beizubehalten. Aber sie fließen eben unregelmäßig, und im Sommer erfahrungsgemäß spärlicher, so daß wir in diesem Monat erstmals in der Geschichte von El Buen Samaritano gezwungen waren, weniger zu überweisen als angekündigt war.

Das wird unweigerlich eine Beschneidung der sozialen Tätigkeit zur Folge haben; vermutlich muß nun die medizinische Betreuung der Vorschulkinder eingeschränkt werden.

Wir haben kaum die Möglichkeit, wirkungsvolle Spendenwerbung zu betreiben, da der Aufwand für eine große Kampagne, wie sie etwa eine Werbeagentur organisieren würde, viel zu groß wäre. Bunte Bilder, Slogans, Hochglanz und überhaupt unsachliche, gefühlsbetonte Formen der Werbung würden auch nicht zu uns und der kleinen und im Kleinen wirkenden Arbeit von El Buen Samaritano passen und unseren Wertvorstellungen widersprechen.

Mit sachlicher und ausführlicher Information, wie wir sie mit diesem Rundbrief und den unter www.moessingen.com/verein/EBS im Internet abrufbaren Informationsmaterialien betreiben, ist es schwer, Menschen aufmerksam zu machen und sie neu anzusprechen. Unser Aufruf kann daher nur einmal mehr lauten: Bitte gebt in Eurem Bekannten- und Verwandtenkreis Euer Wissen über El Buen Samaritano weiter! Aus Erfahrung wissen wir, daß viele Menschen deshalb keine soziale Entwicklungsarbeit unterstützen, weil ihnen die Arbeitsweise großer Organisationen nicht behagt oder zu undurchsichtig ist — und weil sie von Aktionen wie El Buen Samaritano nichts wissen.

So bleibt uns also im Moment nichts anderes übrig als zu hoffen, daß sich aufgrund dieses Aufrufes bald neue regelmäßige Unterstützer(innen) finden mögen. Aber was tun, wenn dies nicht eintritt? Zu Telmos audrücklichen Aufgaben gehört es, stets auf der Suche nach neuen Partnern für El Buen Samaritano zu sein, die einzelne Aktivitäten personell oder materiell mitunterstützen. Wir wollen daran erinnern, daß der Bau der Vorschule, der Medizinstation, des Sportplatzes usw. nur durch finanzielle Unterstützung einer anderen in Perú ansässigen Organisation möglich wurde, die Telmo dafür gewonnen hatte, in José Carlos Mariátegui zu investieren. Auch wir in Deutschland arbeiten ja seit Jahren mit anderen Einrichtungen zusammen, vor allem mit der Wilhelm Oberle Stiftung und der Weltschachtel in Freiburg. El Buen Samaritano ist insofern schon immer ein joint venture gewesen. Wenn die Spenden nicht wieder wachsen, wird diesem Aspekt in Zukunft eine immer größere Rolle zukommen müssen.

Da Telmo unter anderem für diese Aufgabe von El Buen Samaritano e.V. ein Gehalt bezieht, dürfen wir auch Aktivitäten, die wir nicht unmittelbar finanzieren, als Teil der ganzen Arbeit von El Buen Samaritano betrachten und in den Rundbriefen über sie berichten.

Eine gute Nachricht ist in diesem Zusammenhang, daß Telmos Freunde aus Frankreich (vgl. Brief von Olivier de Metz im letzten Rundbrief, S. 30-31) eine neue Organisation mit dem Namen Los Niños del Río ("Die Kinder vom Fluß") gegründet haben, mit der sie die Arbeit Telmos und Ricardos mit den Straßenkindern in Lima unterstützen wollen (was wir auch schon immer tun wollten, bisher aber kaum konnten).

Im Juli kamen Barbara Franz und Annika Lund aus Perú zurück, ihre Berichte könnt Ihr in diesem Heft lesen. Derzeit arbeiten bei El Buen Samaritano in Perú zwei junge Frauen aus Frankreich mit, und im Oktober reist Cornelia Prauser nach Perú und im kommenden Jahr Verena Brenner, die beide für einige Monate als freiwillige Helferinnen mitarbeiten werden.

Mit herzlichen Grüßen

Holger v. Rauch ____________________Dr. med. Angela Raestrup

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 Kassenbericht April-Juni 1999: In Deutschland

 Finanzbericht April-Juni 1999: In Perú

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Telmos Bericht über die Monate April - Juni 1999

Ich will Euch alle herzlich grüßen.

Zunächst werde ich über den Bereich Erziehung sprechen. Wie jedes Jahr begann im April das neue Schuljahr und Tausende von Kindern kamen zum ersten Mal in eine Schule, um ihre Grundbildung zu bekommen. Das Lehrpersonal hat eine große Verantwortung für diese Kinder, darum ist es auch unsere ständige Sorge, etwas dazu beizutragen, daß die Kinder gut ausgebildet werden, und wir glauben, daß es uns glückt. Die Äußerungen der Eltern der Kinder, die unsere Vorschule verlassen haben, und die allgemeine Haltung der Menschen in José Carlos Mariátegui sind sehr positiv, und das war in diesem Jahr mit Händen zu greifen, denn es haben sich 82 Kinder angemeldet, was unsere Kapazität übersteigt. Das freut uns sehr und ermutigt uns zur Weiterarbeit. Unser Dank an die Weltschachtel in Freiburg, die Jahr für Jahr eine Lehrerin für uns bezahlt, Dank auch an El Buen Samaritano e.V., der die Vorschule trägt und dazu noch das Frühstücksprogramm und die medizinische Betreuung unserer Vorschulkinder finanziert.

Ich darf Euch berichten, daß die Werkstätten, die in der Vergangenheit nicht funktioniert haben, dank der Wilhelm Oberle Stiftung nun in Betrieb sind, und zwar:

— Die Schusterwerkstatt wurde in José Carlos Mariátegui im April eröffnet. Hier arbeiten vier Familienväter unter der Anleitung des vierzigjährigen Meisters Pedro Crispín. Es werden Schuhe aller Art hergestellt, vor allem aber für Kinder, passend zu den Schuluniformen. Derzeit verfügen wir über eine gebrauchte Maschine, die mit Mitteln der Wilhelm Oberle Stiftung angeschafft wurde.

— Die Handarbeitswerkstatt ist seit Mai in dem Raum der Volksküche Das Manna in der Wüste in Betrieb. Hier nehmen 12 Mütter teil, die vor allem Näharbeiten machen und verschiedene Produkte herstellen, wie Schuhe und Schultaschen. Zur Vermarktung der Produkte haben die Frauen Gruppen gebildet, die für den Verkauf zuständig sind. In der Werkstatt arbeitet eine Lehrerin, die vom Staat bezahlt wird. Sie unterrichtet die Frauen drei Mal pro Woche von 16.00 bis 18.00 Uhr. Die Wilhelm Oberle Stiftung stellte ein Kapital zur Anschaffung von Arbeitsmaterial zur Verfügung.

— Die Schneiderwerkstatt verfügt über zwei gebrauchte industrielle Nähmaschinen, die wir im Juni anschafften. In dieser Werkstatt sind 20 Frauen eingeschrieben, die ein Kleinstunternehmen bilden werden, sobald die Leitung der Werkstatt und die beteiligten Frauen die Arbeit organisiert haben. Sobald die Arbeit ins Laufen kommt, werden wir Euch detailliert darüber berichten.

An dritter Stelle will ich Euch nun über die Volksküchen informieren: Die Volksküche Das Manna in der Wüste, bei deren Einrichtung Nic Turad, Regine Brehm und der Vorsitzende von El Buen Samaritano e.V., Holger v. Rauch, im Januar 1998 beteiligt waren, ist weiterhin ununterbrochen in Betrieb. El Buen Samaritano hat diese Aktion direkt unterstützt. Anfänglich wurden vierzig Essen pro Tag zubereitet; auf Initiative der beteiligten Mütter erhält die Einrichtung inzwischen staatliche Unterstützung und konnte dadurch das Angebot auf 120 Portionen täglich ausweiten. Diese Volksküche verfügt mittlerweile über ihre eigene Küchenausstattung.

— Die Volksküche El Buen Samaritano wurde im Januar 1999 in Anwesenheit von Barbara Franz eröffnet und ist seither ununterbrochen in Betrieb. Wir stellten unseren großen Herd, einen Teil der Töpfe und verschiedene Küchenutensilien leihweise zur Verfügung. Mittel für die Hütte, in der die Volksküche untergebracht ist, und für einen kommunalen Verbandskasten kamen von der Wilhelm Oberle Stiftung. Derzeit gibt diese Volksküche etwa 30 Portionen täglich aus.

Mit der Unterstützung durch die Wilhelm Oberle Stiftung konnten wir mehr als zehn Familien bei der Wiederherstellung ihrer eingestürzten Behausungen helfen, um sie so für den kalten und feuchten Winter vorzubereiten.

— Ich möchte Euch auch über die Arbeit an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald informieren:

Dank der Bemühungen der Bewohner der neuen Siedlung Samaria konnte unsere Schule am ersten März durch das Bildungsministerium anerkannt werden (Anordnung Nr. 6010315). Die Schule verfügt über einen vom Staat ausgewählten und bezahlten Lehrer namens Wilder Flores Pipa, 42 Jahre. Derzeit hat die Schule 25 Schüler. Der Mangel an Lehrmaterial und Schulmobiliar ist erdrückend; der Staat kann hier den ganzen Bedarf nicht decken. Daher führt der Lehrer seinen Unterricht in eingeschränktem Umfange durch. Um diesem Problem beizukommen, benötigen wir dringend zehn Schulbücher für erste bis fünfte Klasse, Tafeln, Schulbänke, damit sich die Kinder zum Schreiben setzen können, Schränke für Bücher, Hefte und die Unterlagen des Lehrers.

Wir danken für die freiwillige Mitarbeit von Annika Lund, einer deutschen jungen Frau, die zwei Wochen lang an der Schule in Samaria mitwirkte. Sie brachte den Kindern einige Lieder und Gebräuche aus ihrer Heimat bei.

Für den Lehrer Wilder haben wir gemeinsam mit den Eltern der Kinder, den Schülern, Telmo und Annika ein Feld angelegt, auf dem Mais und Maniok ausgesäht wurden.

Auf der anderen Seite hatten wir eine außerordentliche Versammlung dreier Anrainersiedlungen, bei der es um das Projekt eines Weges durch den Urwald ging, der die Verbindung zwischen den Siedlungen Sinar und Samaria verbessern soll. Der Vorschlag wurde einhellig befürwortet; die Arbeiten sollen im November in Angriff genommen werden. Ferner wurde bei dieser Versammlung vereinbart, daß die Tätigkeit unserer Krankenschwester und den Gesundheitsbeauftragten der anderen Siedlungen besser koordiniert werden soll, um sich gegenseitig mit Diensten und Medikamenten helfen zu können. Diese Vereinbarung wurde von der gesamten Bewohnerschaft sehr begrüßt.

Mit Gottes Hilfe werden wir im September erneut an die Cocha del Caro Curahuayte kommen, um die Möglichkeiten des Baus einer kleinen Medizinstation zu sondieren. Die Bewohner sind bereit, die Bauarbeiten durchzuführen. Dieses Projekt soll von jungen Franzosen unterstützt werden, mit denen wir zu diesem Zweck ein Kooperationsabkommen unterschreiben werden. Im September wird uns Veronique aus Frankreich besuchen.

Die an der Cocha del Caro Curahuayte im Amazonasurwald für El Buen Samaritano tätige Krankenschwester Juanita mit ihrem Sohn

Ferner wurde zur Verbesserung unseres Gesundheitsprogramms eine Übereinkunft mit dem Krankenhaus in Requena unterzeichnet, nach der das Krankenhaus die Arbeit unserer Krankenschwester Juanita überwachen wird. Zugleich wird es die Durchführung einiger kostenloser staatlicher Programme in den Bereichen der Malaria- und Tuberkulosebekämpfung und der Familienplanung ermöglichen. In informeller Weise liefen diese Programme auch bisher schon in Samaria, aber wir wollen sie mit dieser schriftlichen Übereinkunft auf eine formale Grundlage stellen. Nach Inkrafttreten der Übereinkunft wird Juanita die offiziell Verantwortliche für die Gesundheitsprogramme aller vier Siedlungen an der Cocha del Caro Curahuayte sein.

Liebe Freunde, in diesem Jahr haben wir viel Besuch gehabt, und wir danken für die Besuche unserer Freunde:

— Olivier de Metz, ein französischer Freund, der sich sehr für die Arbeit mit den priañitas (Straßenkindern) in unserem Programm rescate interessiert hat. Hoffentlich wird unser Plan, ein Entgiftungszentrum für diese Kinder einzurichten, Wirklichkeit. An dieser Aufgabe werden wir gemeinsam arbeiten.

— Annika Lund, eine sehr aktive deutsche Freundin, wirkte einen Monat lang als Hilfskraft bei unserer Vorschule in José Carlos Mariátegui mit. Außerdem wirkte sie auch an unserer Schule im Urwald mit. Vielen Dank dafür!

Schließlich bekamen wir auch den schönen Besuch der Familie Claudia, Hans und Simon Lund, mit denen wir einige schöne Augenblicke in unserem Haus und in unserem Einsatzgebiet José Carlos Mariátegui verlebten. Allen vielen Dank für ihre Besuche, Ihr werdet immer bei uns willkommen sein.

In der Folge nun Berichte aus den einzelnen Projekten.

Aufrecht in Christus, Telmo Casternoque, Missionar

Bericht über die Arbeit der Vorschule
von Nora Guevara

(Der Bericht ist gekürzt und zusammengefaßt — H.v. Rauch)

Hallo Freunde,

mit dem folgenden Bericht kann ich hoffentlich alle Eure Fragen an unsere Arbeit in der Vorschule El Niño Jesús in José Carlos Mariátegui beantworten.

Der erste Schultag am 5. April war ein schwieriger Tag, denn die Kinder weinten, strampelten, wollten nicht bei uns bleiben, und die Mütter mußten sie begleiten, damit sie sich nicht einsam fühlten. Zunächst hatten wir in der Vorschule 41 Kinder, doch im Laufe der Tage nahm die Zahl der Kinder immer weiter zu, und so ging es auch weiter mit dem Weinen, Schreien und Zerren. Glücklicherweise gewöhnten sich die Kinder dann an die Lehrerinnen, so daß sie nun ganz ruhig zu uns kommen. Am 12. April mußten wir die Schülerlisten schließen, denn allein in der Gruppe der Fünfjährigen waren es nun schon 37 Kinder — viel Arbeit auf wenig Raum, weshalb wir uns gezwungen sahen, den Schulhof zu verkleinern, um die Klassenzimmer für die Vier- und Fünfjährigen vergrößern zu können. Die Vorschule schaffte auch einiges an Mobiliar an, da das aber nicht ausreichte, begannen manche Eltern Stühle und Tische herzubringen, damit ihre Kinder nur in die Vorschule kommen könnten. Das freut uns, denn es bezeugt das Interesse der Eltern an der Ausbildung ihrer Kinder in unserer Einrichtung.

Wegen der gegenwärtigen Krise und in dem Wunsch, ihre Kinder etwas lernen zu lassen, stellten verschiedene Eltern für insgesamt elf Kinder Anträge auf Stipendien. Sie werden von der Schulgebühr befreit, wenn sie ein Minimum an Schulausstattung mitbringen. Die Eltern der begünstigten Kinder haben sich verpflichtet, die Vorschule in jeder Hinsicht zu unterstützen.

Da wir gegen Ende April 82 Kinder hatten, reichte eine Hilfskraft nicht mehr aus. Wir appellierten an die Eltern, die sich bereitfanden, die Bezahlung der neuen Hilfskraft anteilig zu übernehmen.

Unter Mitwirkung der Eltern und mit Mitteln der Vorschule konnten wir nun auch endlich Schränke zur Aufbewahrung des Lehr- und Lernmaterials anschaffen, so daß nun weniger verloren geht oder beschädigt wird.

Im Juni feierten wir den Tag des Bauern, an dem die Kinder in ihren Taschen Kartoffeln, Maiskolben, Bohnen, Bergkäse, Maniok, Süßkartoffeln etc. mitbrachten. So gedachten wir der schweren Arbeit derer, die diese Produkte für uns anbauen und ernten.

Wir haben dieses Jahr große Hoffnungen hinsichtlich der möglichen Erweiterung der Vorschule zu einer Grundschule. Damit das geschehen kann, müssen wir die Infrastruktur der Vorschule verbessern, die Klassenzimmer vergrößern, ein neues Dach machen, die Toiletten verbessern und über ein abgegrenztes Schulgelände mit Spielgeräten verfügen.

Das Frühstück und die medizinische Versorgung funktionieren gut, was den Frauen von der Volksküche zu verdanken ist, die das Frühstück zubereiten, und den Ärzten von EMAUS, die für die Eltern der Vorschulkinder zwei Vortragsveranstaltungen über Kinderernährung und Atemwegserkrankungen durchführten. Über die aus diesen Vorträgen gewonnenen Kenntnisse waren die Eltern sehr zufrieden.

Kinder vor der Vorschule in José Carlos Mariátegui

Im Juli werden wir den Nationalfeiertag feiern und zwei Wochen Urlaub nehmen — Es lebe Perú! — und am 6. Juli feiern wir den Tag des Lehrers. — Was für eine Überraschung wohl die Eltern diesmal vorbereiten werden?

Wir hoffen, daß wir auch weiter im Dienste der Bewohner der menschlichen Ansiedlung José Carlos Mariátegui arbeiten können und hoffen auf Nachricht von Euch, damit wir uns ein bißchen näher fühlen können, ungeachtet der vielen Kilometer Entfernung.

Bis bald

Nora Guevara, Direktorin

Bericht der Lehrerin Gloria Aliaga de Casternoque

(Der Bericht ist leicht gekürzt und zusammengefaßt — H.v. Rauch)

Ich freue mich, in diesem Jahr wieder die Verantwortung für 30 Kinder in meiner Gruppe übernehmen zu können. Zunächst haben wir im April eine Evaluation vorgenommen, bei der wir für jedes einzelne Kind den psychomotorischen, intellektuellen und sozial-emotionalen Entwicklungsstand protokolliert haben. In meiner Gruppe sind zwei Kinder, die Stipendien erhalten; ihre Eltern leisten ihren Beitrag, indem sie die Frühstückstassen spülen.

Die Kinder kommen jeden Tag zwischen 8.15 und 9.00 Uhr früh in die Vorschule. Später darf niemand kommen. An den Montagen gehen wir nach dem Frühstück auf den Platz vor der Vorschule hinaus und singen die Nationalhymne und andere Lieder, die wir den Kindern beibringen. An den anderen Tagen sprechen wir morgens ein Gebet und einen Morgengruß, danach wenden wir uns Aktivitäten wie z.B. Basteln zu.

Ich kann Euch darüber informieren, daß die Kinder jeden Tag ein Frühstück bekommen, das meist aus Haferflocken mit Milch oder Apfel oder Milch mit Kakao besteht. Wir danken den Frauen von der Volksküche, die das Frühstück für uns zubereiten und den Eltern der Kinder, die Stipendien bekommen, dafür, daß sie Tag für Tag die Tassen spülen.

Im Mai behandelten wir das Thema "Mein Zuhause", in dem wir über die Familie sprachen. Am 7. Juni feierten wir Muttertag. Jedes Kind hatte für seine Mutter eine Karte gebastelt, und sie trugen Gedichte und Lieder vor, und eine Tombola führten wir auch durch. Das war ein schöner Tag für unsere Mütter. Im Juni war das große Thema dann "Ich lerne meinen Körper sauber zu halten".

Weiter behandelten wir in diesen Monaten die Farben und geometrischen Figuren, die Seiten links und rechts, adverbiale Bestimmeungen, wie oben und unten und lernten schließlich einige englische Wörter, wie Vater, Mutter, Bruder, Schwester. Ich bin sehr zufrieden mit der Mitwirkung der Eltern, die am Fortkommen ihrer Kinder Interesse zeigen.

Die Kinder sind sehr lerneifrig. Es ist unglaublich, wie sie jeden Tag ein neues Lied lernen wollen!

Viele Grüße

Gloria Aliaga de Casternoque, Lehrerin bei den Vierjährigen

Bericht der Lehrerin Elizabeth Castro

(Der Bericht ist gekürzt und zusammengefaßt — H.v. Rauch)

Im April erhielt ich die erfreuliche Nachricht, daß ich zur Mitarbeit in der Vorschule von El Buen Samaritano übernommen werde, nachdem ich zuvor nur die Mutterschaftsvertretung für Gloria war. Ich habe mich darüber sehr gefreut, denn ich liebe meinen Beruf als Lehrerin. Ich danke allen, die mir im Rahmen von El Buen Samaritano diese Möglichkeit geben.

Am ersten Schultag hatte ich nur sieben Kinder, und ich dachte mir, das ist aber eine kleine Gruppe. Aber in der darauffolgenden Woche war meine Überraschung groß, denn es waren nun plötzlich 34 Kinder in meiner Gruppe. Ich wandte mich an die Schulleitung, weil das Klassenzimmer zu klein war. Daraufhin bekamen wir etwas mehr Platz und auch Tische und Stühle. Dann konnte die Arbeit ihren Gang nehmen und die Kinder konnten sich an das Vorschulleben gewöhnen. Ich danke Gott für die gute Zusammenarbeit und Verständigung mit den Eltern, die ich fast alle neu kennenlernen mußte. Auch von den Eltern, deren Kinder Stipendien erhalten, erfahre ich viel Unterstützung. Gut ist auch die kontinuierliche Absprache der Lehrerinnen und der Direktorin untereinander.

Ich will Euch noch berichten, daß für mich eine zusätzliche Hilfskraft eingestellt worden ist, weil meine Gruppe so groß ist. Die Eltern waren einverstanden, für die Hilfskraft zwei Soles [ca. DM 0,65] pro Kind und Monat zu bezahlen. Bei 37 Kindern macht das 74 Soles [ca. DM 24,-], sechs Soles [ca. DM 2,-] gebe ich selbst dazu; so bekommt die Hilfskraft achtzig Soles [ca. DM 26,-] monatlich.

Mit einer herzlichen Umarmung grüßt Euch Elizabeth Castro

Bericht des EMAUS-Ärzteteams

(Der Bericht ist gekürzt und zusammengefaßt — H.v. Rauch)

Wir legten 75 provisorische Patientenakten für die Kinder der Vorschule an. Alle Kinder wurden gewogen und gemessen. Alle Eltern wurden gemeinsam mit ihren Kindern zu einer psychosomatischen Untersuchung geladen, wobei ihnen mitgeteilt wurde, daß diese Untersuchung obligatorisch und kostenlos ist. Das Ziel war es, ein Bild über akute Krankheiten in der Zone zu bekommen.

Das Resultat der Untersuchung war, daß 18 Kinder chronisch unterernährt sind und eines der Kinder akut unterernährt ist. Weitere neun Kinder sind fehlernährt, somit sind 66% der Kinder normal ernährt. Mit einigen der Eltern wurden Beratungsgespräche über die Ernährung der Kinder geführt. Zur völligen Wiederherstellung der Gesundheit dieser Kinder ist eine Sonderernährung über zwei Jahre erforderlich.

Wir führten Vorträge über Kinderernährung und Atemwegserkrankungen durch, zu denen 40 bzw. 45 Eltern kamen.

Mit den Kindern bastelten wir Fliegenklatschen, damit alle Kinder bei der Bekämpfung von Fliegen und Mücken mitwirken und so der Gefahr von Erkrankungen entgegenwirken.

48 Vorschulkinder wurden untersucht und wegen verschiedener Krankheiten behandelt. Drei Kinder wurden wegen Atemwegsbeschwerden behandelt. Die Mutter eines verhaltensgestörten Kindes wurde ausgiebig psychologisch beraten. Im Bereich der gynäkologischen Dienste wurden Schwangere betreut, in zwei Fällen bestand die Gefahr einer Frühgeburt. Im Bereich der Familienplanung wurden mehrere Frauen beraten, auch wurden Kupferspiralen zur Empfängnisverhütung eingesetzt.

Wir erinnern daran, daß es schwierig ist, optimale medizinische und gynäkologische Dienste anzubieten, solange wir nicht über einen geeigneten Raum verfügen. Im Rahmen der Möglichkeiten wäre wünschenswert, wenn ein Schreibtisch für das medizinische Personal vorgesehen werden könnte, damit die Ausstattung für das pädagogische Personal nicht beansprucht werden muß.

Dr. Venegas

In José Carlos Mariátegui

Brief von Barbara Franz

Hallo aus Deutschland!

Seit knapp zwei Monaten bin ich wieder zuhause - und mußte dafür mein zweites Zuhause schweren Herzens zurücklassen. Doch mir bleiben unvergeßliche Erinnerungen und Eindrücke und es war bestimmt nicht das letzte Mal, daß ich dieses phantastische Land besucht habe.

Jetzt möchte ich Euch noch ein bißchen von meinen letzten Monaten in Perú berichten

Im Mai habe ich fast einen Monat im Haus von Saúl Porras mit seiner Frau Paola und seinen drei Kindern in Camaná gelebt. Wie Ihr ja wißt, bewirtschaftet Paola dort eine Volksküche , die hauptsächlich von Landarbeitern in Anspruch genommen wird. Dort wurde ich dann täglich in die hohe Kunst der peruanischen Küche eingeführt. Es hat mir wirklich viel Spaß gemacht, jeden Tag zum Markt zu gehen, wo es nur frisches Obst und Gemüse in großer Auswahl gibt und dann mit Paola zu kochen. Es ist für mich einfach unglaublich, wie diese Frau all die Arbeit sonst alleine schafft!! Da sie noch ein kleines Baby von 6 Monaten hat, steht sie jeden Morgen um 4.00 Uhr auf, um Windeln zu waschen und das Haus zu putzen, dann bereitet sie ihrer ganzen Familie das Frühstuck, ist um 7.00 Uhr schon auf den Markt (diesen Gang konnte ich ihr zum Glück abnehmen), beginnt um 8.00 Uhr mit dem Baby auf dem Arm für mindestens 20 Leute — je nach Arbeitssaison auf den Feldern — zu kochen, wobei sie vorher noch Wasser in riesigen Eimern heranschleppen muß, da die Volksküche keinen Wassertank oder eine Wassertonne hat. Um 13.00 Uhr beendet sie dann schließlich die Arbeit in der Volksküche, ruht sich zwei Stunden aus, um dann erneut das Haus zu verlassen, um Unterricht für Krankenschwestern zu geben, der erst um 20,00 Uhr endet. Diese Energie, die Paola besitzt, ist wirklich bewunderns- und vor allem unterstützenswert!! Mir ist sie zu einem ganz großen Vorbild geworden!

Da Paola eigentlich eine Ausbildung zur Hebamme hat, würde sie lieber in diesem Bereich tätig werden, wo die Nachfrage sehr groß ist. Für die Frauen der Elendsviertel ist es nämlich unmöglich, einen Frauenarztbesuch, geschweige denn einen Krankenhausaufenthalt, zu finanzieren und so gebären sie meistens in ihren Häusern unter völlig unhygienischen Verhältnissen. Paola darf aber vom Gesundheitsministerium aus in ihrem Haus keine Frauen versorgen, da auch dort die hygienischen Grundvorraussetzungen fehlen, z.B. besteht das "Haus" nur aus Schilfgeflecht und eigentlich müßte man zumindest einen gemauerten Raum haben und v.a. auch einen Wasseranschluß. Paola und ihr Mann, der übrigens im Moment als Journalist tätig ist, versuchen jetzt selber Geld zu sparen, um diese Sachen finanzieren zu können. Mit Unterstützung meiner Eltern konnte ich ihr auch Geld dalassen, was sie sehr gefreut und motiviert hat! Ich persönlich halte es für sinnvoller, daß Paola als Hebamme arbeitet, da es eine Schande ist, daß eine solch qualifizierte Frau als Köchin arbeitet. Es ist geplant, daß die Volksküche dann von jemand anderem geleitet wird.

Ich finde es sehr wünschenswert, Paola, wenn dies irgendwann von unserer Seite aus finanziell möglich ist, zu unterstützen. Sie ist wirklich eine überaus fleißige Frau, die immer darauf bedacht ist, anderen zu helfen! Es ist kaum vorstellbar, wie selbstlos sie sich täglich abrackert, z.B. reichen die "Gewinne" der Volksküche — wenn überhaupt — gerade so aus, um am nächsten Tag zum Markt zu gehen. Durch die Zeit, die ich mit Paola verbracht habe, habe ich sehr viel gelernt, und oft, wenn ich mich hier irgendwie überfordert fühle, denke ich an sie, und daß alles machbar ist, wenn man nur will!

Meine letzten Monate in Peru verbrachte ich in Cusco in den Anden. Dort wohnte ich bei dem Pfarrer Víctor Astete, zusammen mit seiner Frau und seinen drei Töchtern, später stieß dann noch Annika Lund zu mir. Dort half ich in einer Volksküche, die von Ruth Morvelí geleitet wird. Finanziert wird dieses Projekt, das arme Familien in Cusco unterstützt, von der Wilhelm Oberle Stiftung. Dort perfektionierte ich dann meine Fähigkeiten des Kartoffelschälens. Die Arbeit zusammen mit Frauen, die sich ihr Essen durch Kochen erarbeitet haben, hat mir Spaß gemacht. Einige Male begleitete ich auch Ruth und Mario in eine comunidad [Bauerngemeinde], wo sie gerade den Bau eines großen Wasserreservoirs, der sowohl das Dorf als auch die Felder mit Wasser versorgen soll, organisieren. In dieser comunidad leben die Menschen anscheinend abgeschottet von der ganzen Welt. Man fährt nur 15 Minuten von Cusco aus in die Anden und schon befindet man sich in einer ganz anderen Welt, wo die Leute in Lehmhütten leben, vor dem Haus mit Holz kochen und größtenteils quechua (die ursprüngliche Sprache der Andenbewohner) sprechen. Das war wirklich faszinierend! Die Leute sind dort, wie alle Peruaner, sehr gastfreundlich und unglaublich herzlich — und man tritt garantiert aufs beste verköstigt den Heimweg an!

Víctor Astete hat vor wenigen Monaten die erste ökumenische Kirche in Cusco aufgebaut, wo jetzt regelmäßig Protestanten und Katholiken zum Gottesdienst zusammen kommen. Dort durfte ich den christlichen Glauben ganz neu erfahren. Man merkt einfach, daß die Menschen ihren Glauben dort LEBEN. Diese Überzeugung, die sich auch in ihrem Alltagsleben widerspiegelt, hat mich stark geprägt. Allein bei den Liedern, die gesungen werden, spürt man, daß es diesen Gott, den die Menschen lobpreisen und um Hilfe bitten, wirklich gibt. Dieses Gefühl kann ich einfach nicht beschreiben, ich kann nur jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat, dies einmal auszuprobieren.

Seid alle ganz herzlich gegrüßt, Eure Barbara Franz

Barbara Franz und Annika Lund in den Anden

  

Brief von Annika Lund

Um es gleich vorweg zu nehmen — einen lückenlosen Bericht über meinen dreimonatigen Perú-Aufenthalt vom 24.04. bis 20.07.1999 zu schreiben, dürfte wahrscheinlich unmöglich sein. Dennoch werde ich versuchen, wenigstens einiges von dem mitzuteilen, was ich erlebt, gesehen und erfahren habe.

Der Kürze und Übersicht wegen halte ich mich an Stichpunkte.

Dreiwöchiger Aufenthalt in Lima - Villa María del Triunfo bei Telmo und Gloria und Mitarbeit bei der Vorschule in José Carlos Mariátegui. Die Schule an sich ist in gutem Zustand, abgesehen vom Klo, das von Jungen und Mädchen gemeinsam benutzt wird. Telmo sprach davon, daß eine Sanierung unumgänglich sei, da von den Behörden bereits Einspruch erhoben wurde. Sonntags treffen sich die Einwohner, um ein kommunales Zentrum aufzubauen, auch ich werde zur Mithilfe "abkommandiert".

Einwöchiger Aufenthalt bei Enrique und seiner Familie in Chimbote. Das beste Beispiel für praktizierten christlichen Glauben, Nächstenliebe bis hin zur Aufopferung. Enrique verkauft morgens Kleider auf dem Markt, um mittags mit Frau und Tochter ins Armenviertel zu fahren, zu predigen, zu singen, Brot und Milch zu verteilen oder um die Nähmaschinen, die von den Geldern der Wilhelm Oberle Stiftung erstanden wurden, dort einzuführen. Die Idee besteht darin, daß die Frauen Kleidung nähen, die Enrique dann für sie auf dem Markt verkauft. Abgesehen von den erwähnten Geldern der Wilhelm Oberle Stiftung hat Enrique keinerlei finanzielle sowie konkret aktive Unterstützung im Rücken. Seine Arbeit gründet "lediglich" auf dem Willen zu helfen.

Meine Familie kommt für zehn Tage aus Deutschland; zusammen gibt's das Inca-Trail-Programm über Arequipa, Puno, Cusco.

Fährmann auf dem Titicaca-See

Danach wohne ich für zwei Wochen zusammen mit Barbara bei Pastor Víctor Astete in Cusco. Die Volksküche von Ruth und Mario ist wegen fehlender Gelder zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes nicht in Betrieb. Ich nehme an den regen Aktivitäten und Programmen von Víctors Gemeinde Jesús la Roca teil, welche seit ungefähr zwei Monaten im Aufbau ist und ein ökumenisches Konzept vertritt. Sowohl Víctor als auch die ca. fünfzigköpfige Gemeinde, die überwiegend aus Theologie- und Anthropologiestudenten bzw. peruanischen Missionaren besteht, sind mit überwältigendem Enthusiasmus und Überzeugung bei der Sache, auch wenn kein Pfennig Geld da ist. Danach kehre ich nach Lima zurück, um mit Telmo für weitere vier Wochen in den Urwald zu reisen.

Davor allerdings sehe ich mir gemeinsam mit Barbara die Arbeit eines in Lima lebenden deutschen Agraringenieurs, Alois Kennerknecht an, welche mich sehr überzeugt, und deren Besichtigung ich nur wärmstens empfehlen kann. (Es geht dabei um Hilfe zur Selbst-Entwicklungshilfe in denkbar einfacher Form, nämlich um ein System der organischen Abfallverwertung.) Alois ist zu Fragen und Infos stets unter Telefon und Fax 01-4491619 zu errreichen.

Über Pucallpa, Iquitos und Requena gelangen Telmo und ich an die Cocha del Caro Curahuayte, wo wir nicht nur fischen und mit der Machete auf dem Feld arbeiten, sondern ebenso am Schulleben in Samaria, welches während der zehn Tage, die wir dort verbringen, immerhin an fünf Tagen stattfindet, teilnehmen. Allerdings bin ich etwas schockiert darüber, daß ein achtjähriger Junge weder seinen Namen schreiben kann, noch weiß, daß er zehn Finger hat. Zwar erzählt uns der Lehrer, daß keinerlei finanzielle Mittel für den Unterrichtsbetrieb vorhanden seien, und in der Tat, kann ich weder Scheren, Klebstoff, noch buntes Papier entdecken, wie es in der Schule in José Carlos Mariátegui der Fall ist, doch was benötigt ein Pädagoge, um lesen, schreiben und rechnen beizubringen? Bleistift, Papier und etwas Motivation.

Während wir weitere Dschungeldörfer besuchen oder deren Bewohner zur Bürgermeisterwahl nach Requena kutschieren, spricht Telmo immer wieder davon, im September eine kleine Medizinstation in Samaria aufzubauen, was sich auf ein Fax einer französischen Ergotherapiestudentin stützt, die für mehrere Monate bei El Buen Samaritano mitarbeiten möchte. Inwieweit die Idee der Medizinstation umgesetzt wurde bzw. wird, kann ich nicht sagen; auch bekam ich keine Angaben über den dazu benötigten Geldbetrag. Juanita, die Krankenschwester, die sich momantan in Samaria aufhält, versucht mit den ihr zur Verfügung stehenden ärztlichen Mitteln zu helfen, wobei diese natürlich sehr begrenzt bzw. nicht ausreichend sind. Zum Beispiel fehlten in der benachbarten Siedlung die Medikamente, um ein Baby, das an Husten erkrankt war, und damit in Lebensgefahr schwebte, zu behandeln. Mit dem Aufenthalt in der Selva beschloß ich meinen Aufenthalt in Perú und bin somit am Ende meines Berichts angelangt. Für nähere Auskünfte, Erfahrungs- und Erlebnisaustausch bin ich jederzeit gern bereit und hoffe auf zukünftigen Kontakt mit Euch, auch deshalb, weil mir El Buen Samaritano zu einem sehr eindrücklichen, wertvollen und wichtigen Erlebnis verholfen hat. Zusätzlich möchte ich mich an dieser Stelle nochmals herzlich bei Angela Raestrup bedanken, ohne deren Hilfe es mir nicht möglich gewesen wäre, vor meinem Perúaufenthalt mit Telmo zu kommunizieren.

Annika Lund

Schnitzlergasse 7

82487 Oberammergau

Tel: 08822/4313

E-mail: fiskan69@yahoo.com

 

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Anmerkungen: Alle Texte (außer den Briefen von Barbara Franz und Annika Lund) wurden von Holger v. Rauch aus dem Spanischen übersetzt.

Die Fotos in diesem Rundbrief stammen alle von Annika Lund.


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