EL BUEN SAMARITANO e.V.


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32. Rundbrief mit Berichten über die Monate Oktober 1998 bis März 1999

 Finanzbericht Oktober-Dezember 1998: In Perú

 Finanzbericht Januar-März 1999: In Perú

 Kassenbericht Januar–März 1999: In Deutschland

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Veliko Tarnovo, im Juni 1999

Sehr geehrte, liebe Freundinnen und Freunde von El Buen Samaritano,

die ersten Rundbriefe von El Buen Samaritano im Jahr 1990 waren noch maschinengetippt. Nicht lang darauf begannen wir die Rundbriefe mit Computern zu machen. Für diese Ausgabe habe ich zum ersten Mal versucht, auch die Photos mit dem Computer für den Druck vorzubereiten. Und seit einiger Zeit ist El Buen Samaritano e.V. nun auch über das Internet zu erreichen!

Unsere Homepage könnt Ihr unter

www.moessingen.com/verein/EBS

aufrufen; und per E-mail könnt Ihr unter der Adresse

EBSe.V.@gmx.de

an den Vorstand schreiben. Was fürs erste vielleicht wie Spielerei aussieht, kann bald zu einem guten und preiswerten Mittel der Kommunikation werden. Es ist geplant, die Rundbriefe vollständig im Internet zu veröffentlichen, so daß es für manche von Euch möglicherweise genügen wird, wenn wir bei Erscheinen des neuen Rundbriefs statt des Heftchens per Post einfach nur ein E-mail mit der Internetadresse schicken. Ich lade zum Gedankenaustausch hierüber ein!

Seit einiger Zeit kommunizieren auch Telmo und ich teilweise per elektronischer Post. Telmo hat zwar keinen eigenen Computer, aber auch wenn er ein öffentliches Internetterminal gegen Bezahlung benutzt, kommt es ihn billiger, mir auf diesem Weg zu schreiben als per Post, per Fax oder gar per Telephon zu kommunizieren.

Unsere Internetpräsenz kostet uns übrigens nichts, denn den Speicherplatz für die Homepage stellt uns freundlicherweise die Firma Computertechnik Werner zur Verfügung, und auch die E-mail-Adresse ist kostenlos.

Wie Ihr den Finanzberichten unschwer entnehmen könnt, könnte El Buen Samaritano e.V. auch keine großen Sprünge machen. Die regelmäßigen Eingänge erlauben nicht die Abdeckung der regelmäßig anfallenden Kosten. Nur dank zahlreicher Einzelspenden (so z.B. DM 1000,00 von der katholischen Frauenkirchgemeinde in Nürnberg), die aber naturgemäß unregelmäßig eingehen, können wir die laufenden Kosten in Lima Monat für Monat bislang decken.

Wenn wir auf die Dauer unsere Unterstützung für die Arbeit von El Buen Samaritano in Perú nicht verringern wollen, müssen wir uns um höhere regelmäßige Eingänge bemühen.

Mit "wir" meine ich uns alle! Im Spiegel (52/1998, S. 38ff) stand vor einigen Monaten: "Deutsche Hilfsorganisationen konkurrieren immer härter um das Geld des Spenders. Mit Psychotricks und professionellem Marketing versuchen sie, ihre Kassen zu füllen. Wer nicht mithält, droht unterzugehen." Und:
"Wer glaubt, den Armen zu geben, finanziert nebenher auch eine bestens durchorganisierte Industrie, die ihn mit den Methoden modernster Marktforschung und Psychologie zielsicher eingekreist hat." Der Artikel ist abstoßend, und ich vermag nicht zu entscheiden, ob es der Zynismus der Autoren ist, oder der von ihnen geschilderte Zynismus, der so auf mich wirkt.

So heißt es über Spendenwerbung:
"Im optimalen Fall werden nach der AIDA-Formel systematisch Reflexe provoziert: Bei A wie 'Attention' weckt ein Bild auf dem Kuvert, etwa von Mutter Teresa oder Marianne Herzog, erste Aufmerksamkeit. I wie 'Interest' zieht den Leser durch den Eingangssatz in den Text hinein. D wie 'Desire' löst das Verlangen aus zu helfen. A wie 'Action' bringt den Spender dazu, mit der vorgedruckten Überweisung 'auf die Bank zu laufen, damit der kleine Pedro nicht länger auf der Müllkippe sitzen muß'."

Was Ihr in der Hand haltet, ist keine Spendenwerbung, sondern eine Informationsbroschüre. Zu den Prinzipien der Arbeit von El Buen Samaritano gehört seit jeher, daß alle Unterstützer(innen) über die Arbeit fundiert und ehrlich informiert werden. El Buen Samaritano zielt nicht darauf, bei Euch künstlich Emotionen zu wecken und wird weder Adreßlisten von "Gutmenschen" (Spiegel) kaufen, noch Eure Adressen verkaufen. Weder über 10% (z.B. SOS-Kinderdörfer, lt. Spiegel) noch irgend ein anderer Prozentsatz des an El Buen Samaritano e.V. gespendeten Geldes wird für Verwaltung in Deutschland und Werbung verwendet, sondern nichts. (Die Nebenkosten werden durch die Vereinsmitgliedsbeiträge gedeckt.)

Wenn man der Spiegelschlagzeile glauben muß, so droht unserer Aktion aus genau diesen Gründen der Untergang.

Etwa zehn Milliarden Mark werden in Deutschland laut Spiegel jährlich für die verschiedensten Zwecke gespendet. Damit El Buen Samaritano seine Arbeit im bisherigen Umfang (siehe Berichte) fortsetzen kann, werden etwa 40.000 bis 50.000 Mark im Jahr benötigt.

Ich bitte Euch ausdrücklich darum, das natürliche Unbehagen, das jeder empfindet, wenn er "Werbung" für etwas macht, zu überwinden. Ich bin sicher, daß viele Menschen El Buen Samaritano gern unterstützen würden, wenn sie nur von dieser Aktion wüßten. Bitte sprecht Verwandte und Freunde an und erzählt ihnen von El Buen Samaritano! Eine dezente Art kann auch sein, einfach die Internetadresse weiterzugeben.

Dieser Rundbrief informiert Euch über das letzte halbe Jahr, weil wir es leider in letzter Zeit nicht mehr geschafft haben, den bewährten Dreimonatsrhythmus beizubehalten. Der Vorteil dabei ist, daß der Rundbrief so mehr Information enthält, weil es einfach mehr zu berichten gibt. Der Nachteil ist, daß nach mehr als drei Monaten vielleicht bei manchen schon die Erinnerung an El Buen Samaritano e.V. zu verblassen beginnt...

Wie schon im letzten Rundbrief berichten uns auch hier wieder verschiedene Mitarbeiter von El Buen Samaritano über die Arbeit. So hat beispielsweise den Bericht aus José Carlos Mariátegui diesmal Ricardo Candia verfaßt.

Seit August 1998 ist Barbara Franz als freiwillige Helferin bei El Buen Samaritano in Perú. Auch Ihren Bericht könnt Ihr in diesem Heft lesen.

Telmos und Glorias Tochter Rebeca ist seit April in Deutschland bei der Familie Turad zu Gast; sie hat uns aus Mössingen geschrieben.

Olivier de Metz aus Paris hat bei einem Perúaufenthalt Telmo kennengelernt und von Februar bis April 1999 bei El Buen Samaritano mitgearbeitet. Seinen mit "El Buen Samaritano in Frankreich" überschriebenen Brief darf ich Euch unten zur Kenntnis geben.

Hier noch eine letzte Neuigkeit aus Perú: In einem E-mail vom 14.06. schreibt Telmo:
"Ich muß in den Urwald fahren. Die Vorschule hat dort sehr unter dem Hochwasser gelitten, das die ganze Oberfläche etwa 30 cm tief überschwemmt hat, so daß das große Haus und die Schule unter Wasser stehen und unbenutzbar sind. Das hat dem großen Haus großen Schaden zugefügt, und vor allem den Kindern und ihrem Unterricht. Es wird wohl einiges an der Schule zu renovieren sein, damit die Unterrichtsarbeit wieder aufgenommen werden kann. Hinsichtlich des Lehrers und der Krankenschwester gibt es keinerlei Probleme, alles geht gut, man hat mich auch informiert, daß das Wasser schon wieder sinkt und ein Teil des Bodens zum Vorschein kommt — die Hunde, die Hühner und die Schweine sind in Sicherheit. Bitte, falls Ihr könnt, seht eine Spende für den Urwald vor, damit einiges vom dortigen Bedarf gedeckt werden kann, denn der Staat gibt nicht alles, was benötigt wird, z.B. Schulbänke, Bücher usw."

Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer!

Mit herzlichen Grüßen

Euer

Holger v. Rauch
(Vorstand)

PS: Ich verlasse Anfang August Bulgarien und bin dann bis auf weiteres wieder über meine Heimatadresse zu erreichen:

Schönblickstraße 20
72116 Mössingen
Tel&Fax 07473/5477
E-mail:
HvRauch@gmx.de (neu!)

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 Finanzbericht Oktober-Dezember 1998: In Perú

 Finanzbericht Januar-März 1999: In Perú

 Kassenbericht Januar–März 1999: In Deutschland

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Telmos Jahresendbericht: Oktober-Dezember 1998

Ich will Euch alle sehr herzlich grüßen, Euch, die Ihr es Tag für Tag möglich gemacht habt, daß ein weiteres Jahr der gemeinsamen Arbeit zwischen Perú und unserem Bruderland Deutschland erfolgreich zu Ende gehen konnte. Seit unser Projekt im Jahr 1990 in José Carlos Mariátegui angelaufen ist, sind nun neun Jahre vergangen, und ich glaube, wir können eine positive Bilanz ziehen. Acht Jahrgänge haben unsere Vorschule abgeschlossen, das sind insgesamt 185 Kinder. Unser Dank an den Verein El Buen Samaritano e.V. und an die Weltschachtel in Freiburg für ihren Beitrag.

Liebe Freunde, nochmals unseren Dank und unsere besten Wünsche für das Jahr 1999.

Nachdem nun die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage vorbei sind, die Ihr, so hoffen wir, im Kreis Eurer Lieben verlebt habt, stehen wir nun im Jahr 1999 vor einer neuen Herausforderung. Wir denken daran, unsere Vorschule zum Jahr 2000 in ein neues Gebäude zu verlagern und unser Angebot auch auf den Grundschulbereich auszuweiten. Um dies zu erreichen, arbeiten wir gemeinsam mit den Bewohnern der neuen Ansiedlungen, die sich hier im Bereich von José Carlos Mariátegui gebildet haben. Wir haben auch schon einiges in die Wege geleitet und haben auch schon ein Grundstück in Aussicht, auf dem wir ganz allmählich mit dem Bau der neuen Schule beginnen wollen. Die Bewohnerschaft ist mit viel Enthusiasmus dabei. Die Familien haben nach neun Jahren unserer ununterbrochenen Arbeit in der Zone Vertrauen zu uns. Wir glauben, daß es nun an der Zeit ist, ein geeignetes Gebäude zu haben, in dem wir unsere Bildungs- und Erziehungsarbeit weiter entwickeln und verbessern können. Liebe Freunde, wir wollen Euch zu Teilnehmern an dieser unserer Unruhe machen!

Liebe Freunde, wir können Euch auch berichten, daß im Urwald, in unserer Siedlung Samaria das Schuljahr 1998 beschlossen wurde. Der Lehrer Juan de Dios hat uns darüber informiert, daß in diesem Programm 21 Kinder erfaßt waren und daß die Schule auch im Jahr 1999 weiter in Betrieb sein wird.

Auch das Gesundheitsprogramm im Urwald läuft unter der Leitung der Krankenschwester Juanita Macedo weiter. Sie berichtet uns, daß die Bewohner der verschiedenen in der Nähe gelegenen Siedlungen, die mit ihren Gesundheitsproblemen zu ihr kommen, mit diesem Dienst sehr zufrieden sind. Liebe Freunde, dieses Programm hat vitale Bedeutung in diesem Urwaldgebiet. Dort kann eine kleine Tablette oder Kapsel viel Leiden mildern, vor allem auch bei den Kindern. Hier, fern von der Stadt, wo es keine Medikamente gibt und wo man nirgends Hilfe bekommen kann, machen es El Buen Samaritano und Deutschland möglich, daß es dieses Gesundheitsprogramm gibt, deshalb schätzen die Bewohner diesen Dienst sehr hoch. Danke Freunde.

Eröffnung der Volksküche El Buen Samaritano

Jetzt will ich Euch voller Freude berichten, daß die vor einem Jahr in José Carlos Mariátegui eröffnete Volksküche mit dem Namen Das Manna in der Wüste sein Angebot verbessert hat. Die Frauen haben einiges an Spenden für die Einrichtung der Küche erhalten: Töpfe, einen Großküchenherd, Teller, Löffel, und darüber hinaus bekommen sie monatlich Lebensmittel aus einem staatlichen Ernährungsprogramm. Somit werden inzwischen 140 Portionen täglich zubereitet, die zu günstigem Preis angeboten werden. So kann das Programm aufrechterhalten werden. Da sie ja nun einen eigenen Herd haben, konnten uns die Frauen den Herd zurückgeben, den wir ihnen geliehen hatten, und wir eröffneten mit unserer Ausstattung in dem neuen Gebiet 12 de Octubre eine neue Volksküche mit dem Namen Gemeinsamer Kochtopf El Buen Samaritano. Die Leitung hat hier Frau Francisca Kalisaya übernommen. Täglich werden 40 Portionen ausgegeben. Ich will erwähnen, daß bei der Eröffnung auch Barbara Franz anwesend war, die einiges dazu beigetragen hat, daß dieses neue Projekt Wirklichkeit werden konnte.

Ein anderes wichtiges Programm ist das Programm rescate für das unser Freund Ricardo Candia verantwortlich ist. Es ist eine wahre Ameisenarbeit, die er mit den Straßenkindern leistet. Die Kinder versammeln sich unter den Brücken, und Ricardo nutzt diese Gelegenheit, um sie als Christ zu unterstützen und ihnen auch, wann immer er kann, mit Lebensmitteln oder Hilfen für die Hygiene und Haareschneiden beizustehen. Obwohl für dieses Programm kein festes Budget zur Verfügung steht, schafft es Ricardo, das Programm aufrecht zu erhalten und seine Solidarität mit den Straßenmenschen zu zeigen.

Aufrecht in Christus, Telmo Casternoque

Bericht über die Arbeit der Vorschule von Nora Guevara

(Der Bericht ist leicht gekürzt. Holger v. Rauch)

Im Lauf des Schuljahres 1998 unternahmen wir verschiedene Zusatzaktivitäten, bei deren Durchführung wir die Unterstützung der Eltern hatten (45%). Leider haben die Eltern in diesem Jahr nicht aktiv bei den künstlerischen Aktivitäten mitgewirkt, und noch weniger bei den Elternversammlungen, die den Zweck haben sollten, die Eltern über die Fortschritte ihrer Kinder zu informieren. Im neuen Schuljahr wollen wir uns in der Weise organisieren, daß wir, wenn die Eltern nicht in die Vorschule kommen können, um sich über die Ausbildung ihrer Kinder zu informieren, zu ihnen nach Hause gehen werden.

33 der Kinder kommen in diesem Jahr in die erste Grundschulklasse. Sie wurden in die Grundschulen Nr. 132 und 111 eingeschult, die sich weit entfernt von diesem Teil von José Carlos Mariátegui gelegen sind. Die Kinder werden jedesmal einen Bus nehmen müssen, um zur Schule zu gelangen, worüber ihre Eltern besorgt sind, denn zum einen ist das gefährlich, weil die Kinder ja einen falschen Bus nehmen könnten, und zum anderen, wegen der täglichen Kosten für die Busfahrkarten. Das ist der Grund dafür, daß die Eltern darauf drängen, daß die Vorschule El Niño Jesús auch auf den Primarschulbereich ausgedehnt wird.

Von den Kindern in der Gruppe für Vierjährige wurden 25 Kinder in die Gruppe für Fünfjährige versetzt, nachdem insgesamt etwa 90% der angestrebten Lernziele für die Altersgruppe erreicht worden waren. Aus der Gruppe der Dreijährigen wurden 13 Kinder in die Gruppe der Vierjährigen versetzt. Sieben der Kinder sind aus verschiedenen Gründen aus der Vorschule ausgetreten, manche, weil sie umziehen, andere weil sie nicht vorschulgeeignet sind, und wieder andere aus wirtschaftlichen Gründen.

Damit mit drei Altersgruppen systematisch gearbeitet werden kann, ist es unverzichtbar, daß drei Lehrkräfte mit entsprechend klar abgegrenzten Aufgabengebieten zur Verfügung stehen.

Die pädagogische Arbeit der einzelnen Lehrkräfte wurde monatlich evaluiert. Diese Evaluation sieht vor: Durchsicht des Klassenbuches der Lehrerin sowie gelegentliches Nachprüfen der Angaben über Unterrichtsaktivitäten im Klassenbuch. Frau Elizabeth bat häufig im Rat, bevor sie ihre Aktivitäten mit den Kindern in die Tat umsetzte, während Frau Gaby in ihrer pädagogischen Arbeit sehr unabhängig war. Frl. Luz war die rechte Hand der Lehrerinnen und führte ihre Unterrichtsveranstaltungen als Vertretung durch, wenn eine der Lehrerinnen krankheitshalber fehlte. Ferner hilft sie immer bei der Arbeit an Hausaufgaben mit.

Ich halte es für richtig, den Verein El Buen Samaritano e.V. darum zu bitten, auch weiterhin die drei Lehrerinnen und eine Hilfskraft zu unterstützen.

Wir hatten Besuch von Barbara, mit der wir einen Besuch des Zoologischen Gartens in Lima durchführten. Für die Kinder war es eine schöne Erfahrung, zum ersten Mal viele Tiere nicht nur aus Perú, sondern auch von anderen Orten der Welt sehen zu können. Leider konnten nicht alle Kinder dabeisein, denn es wurde ein Kostenbeitrag erhoben.

Es war gut und förderlich, daß wir jederzeit auf die uneingeschränkte Unterstützung durch die Ärzte von EMAUS zählen konnten, zu denen wir mit jedem Notfall kommen konnten, und sie halfen uns immer. Sehr gut war auch, daß die Frauen von der Volksküche uns jeden Morgen freiwillig das Frühstück für die Vorschulkinder zubereiteten. Aber wie bei allem gab es auch Probleme. So fehlt es an Arbeitsräumen, etwa um Elternsprechstunden abzuhalten. Es fehlt an Außenflächen, auf denen man Bewegungsspiele mit den Kindern machen könnte, und an einem Raum, der für Versammlungen und Feiern geeignet wäre, die sanitären Einrichtungen sind renovierungsbedürftig, und es fehlt an Mitteln für Lehr- und Lernmaterial, auch audiovisuelles, welches zur attraktiveren Gestaltung des Unterrichts verwendet werden könnte.

Ich hoffe mit diesem Bericht Euren Erwartungen entsprochen zu haben, was die Arbeit der Vorschule El Niño Jesús im Schuljahr 1998 betrifft. Ich hoffe auch, daß das Jahr 1999 Fortschritte bringen wird, sowohl hinsichtlich der Infrastruktur, als auch in wirtschaftlicher Hinsicht, denn die Lebenshaltungskosten lasten immer schwerer und schwerer auf den Peruanern.

Mit freundlichen Grüßen,

Nora Guevara Rebata

Direktorin

Bericht des EMAUS-Ärzteteams über Dezember 1998

(Der Bericht ist zusammengefaßt Holger v. Rauch)

Es wurden bei Bedarf Hausbesuche zur persönlichen Betreuung und Unterweisung auf den Gebieten der Allgemeinmedizin, Zahnmedizin, Gynäkologie durchgeführt. Es wurde mit der Information über die Notwendigkeit von Laboruntersuchung zur Parasitenbekämpfung fortgefahren. In der Praxis wurde über jahreszeittypische Krankheiten wie Durchfall, Atemwegsbeschwerden, Cholera etc. aufgeklärt.

Im Behandlungsraum wurden regelmäßig Patienten behandelt. Die durch das Angebot der Volksküche begünstigten wurden im Rahmen einer Gesundheitskampagne untersucht; zehn von ihnen wurden behandelt.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Venegas

Bericht von Ricardo Candia

(Der Bericht ist gekürzt und zusammengefaßt Holger v. Rauch)

Das Gesundheitsprogramm

Im Bereich des Gesundheitsprogramms setzt El Buen Samaritano seine Arbeit in der Erwartung neuer Fortschritte im Jahr 1999 fort. Denn die Bevölkerung in José Carlos Mariátegui wächst und wächst. Mit den Ärzten von EMAUS wurden in den Monaten Oktober bis Dezember mehrere Gesundheitskampagnen für die neuzugezogenen Familien durchgeführt. Die neuen Ansiedlungen 12 de Octubre, Bello Horizonte, und Los Alames entstehen zur Zeit an den Rändern von José Carlos Mariátegui und befinden sich jetzt in einer Phase, die José Carlos Mariátegui vor 10 Jahren durchlaufen hat. Es gibt kein Wasser, keine Kanalisation, keinen Strom, keine Straßen, alle Häuser sind aus Behelfsmaterialien wie Schilfgeflecht, Plastikplanen und Stecken gebaut.

Für mittellose Kinder, Frauen und alte Menschen wurden medizinische Hilfen kostenlos geleistet und es wurden Medikamente an sie abgegeben. Der ständige Mangel an Medikamenten ist eines der größten Hindernisse für eine noch wirkungsvollere Arbeit des Gesundheitsprogramms von El Buen Samaritano in diesen Ansiedlungen. Für das neue Jahr hoffen wir ein Projekt verwirklichen können, das vorsieht, die Bewohner (etwa 3.000 Familien) in Gruppen zu 40 bis 100 Familien zu organisieren, und mit ihnen Gesundheitskampagnen zu veranstalten, die zur Einrichtung von den Bewohnern selbstverwalteter kommunaler Verbandskästen führen soll. Diese Idee ist in der Bevölkerung selbst aufgekommen, weil die Bewohner sich die medizinische Versorgung in einem Krankenhaus oder einer Medizinstation nicht leisten können.

Natürlich wird dieses Projekt mit Unkosten verbunden sein El Buen Samaritano in Perú wird sich anstrengen, diese neue Herausforderung zu meistern.

Die Volksküchen

Die 1997 zunächst von El Buen Samaritano ins Leben gerufene Volksküche Das Manna in der Wüste erhält inzwischen direkte Unterstützung von der peruanischen Regierung im Rahmen des nationalen Ernährungsprogramms und gilt nun offiziell nicht mehr als olla común (Gemeinsamer Kochtopf), sondern als regelrechter comedor popular (Volksküche). Für die Menschen hier hat das große Bedeutung. Die Initiatorinnen sind als club de madres (Mütterclub) offiziell als juristische Person anerkannt. Sie können sich nun nach einem Grundstück umsehen, wo sie mit Unterstützung des Staates ein gemauertes Gebäude für die Volksküche bauen können, in dem dann auch andere soziale Programme für Kinder und alte Menschen tätig werden können.

Wir wollen bei dieser Gelegenheit sagen, daß El Buen Samaritano Volksküchen unterstützen sollte und auch die Einrichtung von Gemeinsamen Kochtöpfen fördern sollte, das ist nichts schlechtes und auch nichts ohne Transzendenz. Wir meinen im Gegenteil, daß es sehr viel Transzendenz und große Bedeutung in sich trägt, weil es heißt, das allerempfindlichste Problem der armen Familien zu lösen, nämlich das Ernährungsproblem, das körperliche Leben selbst. Der Gemeinsame Kochtopf Das Manna in der Wüste ist ein Erfolg, und das neue Ernährungsprogramm von El Buen Samaritano in 12 de Octubre hat begonnen; wir werden sehen, wie es im Jahr 1999 laufen wird.

Seid herzlich gegrüßt von den Müttern aus José Carlos Mariátegui und aus 12 de Octubre.

Die Handarbeitswerkstatt

Dieses sozioökonomische Entwicklungsprogramm für Frauen hat im Jahr 1998 zu bescheidenen Erfolgen geführt. Die Lehrerin Margarita erreichte es, daß 20 Teilnehmerinnen in zwei Gruppen je zwei Mal wöchentlich innerhalb von vier Monaten gelernt haben, sich selbst Kleidungsstücke zu schneidern. Das Resultat ist, daß sich diese in armen Verhältnissen lebenden Mütter nun etwas besser kleiden können.

Ein Ziel der Werkstatt ist es, in dieser Umgebung voller Beschränkungen und Probleme ein Kleinstunternehmen für Textilarbeiten zu etablieren und mit industriellen Maschinen auszustatten, um so 40 Familien in der Ansiedlung Arbeit zu geben und einen sozioökonomischen Fortschritt zu erzielen.

El Buen Samaritano fördert dieses Programm und hofft, Mittel und Möglichkeiten zu haben, um dazu beizutragen, daß das Projekt Erfolg hat. Wir werden Euch auch in Zukunft über die Arbeit und Entwicklung der Handarbeits- und Schneiderwerkstatt informieren.

Die Aktion rescate

In der Aktion rescate kommen die Dinge langsam voran, und im Jahr 1998 konnte nur wenig erreicht werden.

Die Besuche bei der Trujillo-Brücke und der Sta.-Rosa-Brücke finden nur noch einmal wöchentlich statt. Bei diesen Besuchen ist die Bibelstunde immer eine Stimme der Hoffnung und der Liebe für die pirañitas. An Weihnachten konnten wir keine besonderen Aktivitäten durchführen, weil dafür keine Mittel zur Verfügung standen.

Ricardo Candia

Der Fall Pedro Aníbal ist weiterhin ein extremer Notfall. Schon im Oktober ging es ihm sehr schlecht, er war an Tuberkulose erkrankt. Im November ging er freiwillig in eine Rehabilitationsanstalt für Drogenabhängige, wo er von Spezialisten betreut werden sollte. Leider blieb er nur vier Tage lang dort und ging dann zurück auf die Straße, wo er bis heute ist. Im Dezember konnte ich ein Gespräch mit ihm führen und fragte ihn, warum er aus der Anstalt fortgegangen sei. Er sagte mir, daß er nicht all die Dinge gehabt habe, die für eine Einweisung in die Anstalt erforderlich sind, wie Hygieneartikel etc. Er sagte, er habe sich verlassen, ausgegrenzt und als Last für andere gefühlt und sei deshalb weggegangen. Pedro Aníbals emotionale, psychische und körperliche Gesundheit erfordern eine geschlossene Psychotherapie mit Entgiftung und Aufbaudiät. Die Aktion rescate will weiterhin versuchen, Pedro Aníbal zu helfen und ihn nicht aufgeben. Wir haben nun eine neue Rehabilitationsanstalt gefunden, die bereit wäre, Pedro Aníbal aufzunehmen, wenn wir die monatlichen Gebühren übernehmen.

Ich hoffe, daß Gott in diesem Jahr 1999 erlaubt, daß ich mein Ziel, eine Herberge für Straßenkinder und Waisen einzurichten, erreichen kann. In diesem Zusammenhang arbeite ich an einem Projekt zur Förderung und Hilfeleistung für Kinder. Das ist ein großer Wunsch, den ich hege, seit ich 20 Jahre alt bin. Ich glaube daran, daß ich ihn jetzt erfüllen kann.

Ricardo Candia

Telmos Bericht über Januar bis März 1999

Liebe Freunde,

empfangt meine herzlichen Grüße und Segenswünsche für Euer Familienleben.

Hier in Perú sind wir über die Situation in Jugoslawien sehr besorgt und beten für Frieden in dieser Region.

Eltern und Kinder in der Vorschule

Liebe Freunde, wir wollen Euch berichten, daß am 5. April in unsere Schule der Unterricht begonnen hat. 73 Kinder sind eingeschrieben, und die Lehrerinnen freuen sich über das Vertrauen seitens der Eltern der Kinder in José Carlos Mariátegui. Dafür haben wir jetzt das Problem, daß unsere Schule für so viele Kinder eigentlich zu klein ist. Immer noch kommen Eltern zu uns und beantragen, ihre Kinder in die Vorschule aufzunehmen, und wir bedauern es sehr, daß wir sie nicht nehmen können, und das ist wirklich beklagenswert, denn viele Kinder werden vielleicht gar nicht zur Schule gehen.

Wir wollen Euch auch berichten, daß wir unsere Schule renoviert haben. Die Fassade ist jetzt gelb und die Seiten blau, sie sieht jetzt wirklich sehr hübsch aus. Innen haben wir die Unterteilungen verbessert und alles blau gestrichen. Diese Verbesserungen kommen den Kindern zugute, weil die Lehrerinnen unter diesen verbesserten Bedingungen ihre pädagogische Arbeit besser werden verrichten können. Wir wollen den Institutionen und unseren Freunden danken, die es möglich machen, daß jedes Jahr eine neue Generation von peruanischen Kindern in die Schule gehen und etwas lernen können.

In der Folge will ich Euch über unsere Arbeit in der Gemeinde Samaria im Amazonasurwald berichten. Hier läuft weiterhin das Gesundheitsprogramm unter der Leitung der Krankenschwester Juanita, die im Laufe der Monate Januar bis März Fälle von Bindehautentzündung, Malaria, Parasitosen, Zellulitis u.a. behandelt hat und darüber hinaus Hausbesuche in den Siedlungen Lago Prado, El Caro, Las Malvinas und Samaria durchgeführt hat. Sie unterstützt auch die Gesundheitskampagnen des Krankenhauses in Requena in den Bereichen Familienplanung, Malariaprophylaxe, Impfkampagnen für Neugeborene u.a.

Des weiteren erfahren wir, daß die Schule in Samaria ihren Betrieb mit staatlicher Unterstützung fortsetzen wird; dies ist das Ergebnis eines Besuchs eines Beamten der Schulbehörde Requena im März, bei dem er die Schule inspizierte und die Anzahl der Schulkinder (25) feststellte. Der Beamte sagte bei einer Bewohnerversammlung, daß die von den Bewohnern selbst erbaute Schule den Voraussetzungen für die Einrichtung einer offiziellen Schule mit eigener Schulleitung genüge. (1998 hatte die Schule nur den Status einer Außenstelle), was bedeutet, daß der Staat einen Lehrer für die Schule schickt und in den nächsten Jahren sein Gehalt bezahlen wird. Die Gemeinde ist über diese Nachricht sehr froh und dankbar. All das ist das Resultat der Unterstützung für diese Gemeinde durch El Buen Samaritano e.V. und die Wilhelm Oberle-Stiftung, die in einer gemeinsamen Anstrengung einen Beitrag für die Entwicklung des Dorfes geleistet haben.

Ich will hinzufügen, daß bei der genannten Bewohnerversammlung nicht nur der Beamte der Schulbehörde, sondern auch unsere Freunde Clemens und Wilhelm Oberle als Vertreter der Wilhelm Oberle-Stiftung anwesend waren. Sie konnten selbst die Arbeit begutachten, die in dieser Gemeinde geleistet worden ist, für die sie Mittel und Güter zur Verfügung gestellt hatten. Die Bewohner werden ihnen für immer dankbar sein.

Wir wollen Euch auch über den Besuch der Vertreter der Wilhelm Oberle-Stiftung in José Carlos Mariátegui informieren. Sie konnten dort die immense Not und Armut sehen, die es in diesem Teil Limas gibt. Daher entschlossen sie sich, Volksküchen und Werkstätten zu fördern, wie folgt:

Das Schilfgeflechtdach der Volksküche Nr. 1, Das Manna in der Wüste, wurde durch ein Wellblechdach ersetzt. Bei diesem gemeinsamen Arbeitseinsatz nahmen auch Barbara Franz, Olivier de Metz aus Frankreich und die ganze Mannschaft von El Buen Samaritano teil. Der Volksküche wurde ferner ein Grundkapital zur Verfügung gestellt, von dem Materialien zur Fertigung von Schuhen gekauft werden sollen. Diese Tätigkeit üben die Mütter an den Nachmittagen unter Anleitung einer Lehrerin aus. Schließlich wurde für die Volksküche ein Verbandskasten mit Erste-Hilfe-Materialien eingerichtet.

Das Schilfgeflechtdach der Volksküche Nr. 2 El Buen Samaritano wurde ebenfalls durch ein neues Wellblechdach ersetzt. Eine weitere Initiative, die unterstützt wurde, war die Schaffung finanzieller Anreize für die Arbeit der Volksküche mit dem Ziel, Mittel zur Versorgung von Notfällen zu erwirtschaften. Der Anreiz besteht darin, daß ein Fonds in der Höhe der erwirtschafteten Gewinne bereitgestellt wird. Schließlich wurde auch hier ein kommunaler Verbandskasten mit Medikamenten eingerichtet. An diesen Aktivitäten nahm die ganze Bewohnerschaft gemeinsam mit den Initiatoren der Volksküche teil.

Aufrecht in Christus, Telmo Casternoque

Brief von Barbara Franz

(zur Zeit als freiwillige Helferin in Perú)

Jetzt bin ich seit sieben Monaten hier in Peru. Zum einen erscheint mir die Zeit wie im Fluge vergangen zu sein, doch wenn ich jetzt zurückdenke an den 21. August, an dem ich hier angekommen bin, erscheint mir dieser Tag Ewigkeiten entfernt, und in der Zwischenzeit habe ich so viel Neues erfahren, erlebt, gesehen, daß es mir fast unmöglich erscheint, daß dies alles in dieser vergleichsweise "kurzen" Zeit geschehen ist.

Meine Hauptaufgabe im vergangenen (deutschen) Herbst war es, in der Vorschule mitzuhelfen. Also hab ich mich allmorgendlich um 6:00 aus dem Bett gequält, um dann nach eineinhalbstündiger Busfahrt quer durch Lima um ca. 8:00 in Mariátegui zu sein. Nach kurzem Schwätzen mit den Lehrerinnen hab ich dann mit einer Aushilfe das Frühstück vorbereitet, d.h. wir haben in einem riesigen Topf entweder Kakao oder Haferflockenmilch angerührt. Dann mußte dafür gesorgt werden, daß alle Kinder in ihrem Klassenraum sitzen, um ihnen ihre Ration austeilen zu können. Nach anschließendem kollektivem Toilettengang fing der Unterricht an. Ich war immer wochenweise in einem der drei salones, und habe den Lehrerinnen bei ihrer Arbeit geholfen: Ich habe mit den Kleinen gemalt, gesungen, geknetet, die ersten Schreibversuche überwacht usw. Gegen ca. 11:00 war dann Pause und alle durften sich draußen in der Gasse vor der Schule (da es aus Platzmangel leider keinen Schulhof gibt) austoben. Dort wurde ich dann in die tieferen Geheimnisse peruanischer Ringeltänze und Kinderspiele eingeweiht. Waren alle Kinder wieder in den Klassenraum "getrieben", wurde nach angeordnetem Händewaschen das Pausenbrot gegessen. Dies bringen die meisten Kinder von zu Hause mit. Was mich am meisten erstaunt und gefreut hat, war daß diejenigen, die nichts dabei haben, von den anderen etwas abbekommen. So geht zum Glück selten jemand leer aus. Doch obwohl die Lehrerinnen oft mahnende Wort an die Eltern richten, bringen viele Kinder Süßigkeiten mit, die im Vergleich zu Obst oder Brot recht teuer und natürlich auch sehr ungesund sind. Um 13:00 ist die Schule zu Ende, und die Kinder werden mit kleinen Hausaufgaben für den nächsten Tag in die Hände ihrer Mütter entlassen. Gegen 15:00 war ich dann hundemüde wieder zu Hause in Villa María del Triunfo. Arbeit in der Vorschule hat mir wirklich riesig Spaß gemacht!

Anfangs war es allerdings aufgrund meiner lückenhaften Spanischkenntnisse etwas schwierig. Ich stand oft verzweifelt vor der Aufgabe "Probleme", wie z.B. "der hat mich gehauen" zu lösen ... Dennoch war es ein tolles Gefühl diesen Kinder Liebe und Aufmerksamkeit schenken zu können, und ein Kinderlachen entschädigt für alle Strapazen. Doch es hat mich auch oft sehr traurig gemacht, zu sehen, wie wenig sich manche Mütter um ihre Kinder kümmern, was natürlich auch damit zusammenhängt, daß sie so viele haben. Oft werden die Hausaufgaben nicht überwacht und die Mütter schenken der Ausbildung ihrer Kinder generell teilweise wenig Beachtung. Deshalb erfüllt unsere Vorschule mit Lehrerinnen, denen wirklich etwas am Weiterkommen und am Schicksal der Kinder liegt, eine sehr wichtige Aufgabe. Meiner Meinung nach sollte man auch nochmal über eine Erweiterung der Schule zur Grundschule nachdenken. Es ist nämlich wirklich schade, daß die Kinder nach einer so guten "Anfangsbildung" dann auf die wesentlich niveauniedrigeren staatlichen Schulen wechseln müssen.

Ein Höhepunkt meines Aufenthalts hier in Peru war die einmonatige Reise in den Urwald mit Telmo. Es war wirklich interessant das Leben dort kennenzulernen! Am meisten hat mich dort gefreut, daß die Einheimischen selbst eine Schule errichtet haben zeigt es doch das Interesse an einer Schulbildung für ihre Kinder. Mir wurde sogar die große Ehre zuteil, die Schule einzuweihen. Zu diesem Anlaß haben die Dorfbewohner ein kleines Fest mit Fußballturnier und Tanz am Abend organisiert, wozu auch die Freunde der Nachbardörfer eingeladen waren. In der kurzen Zeit in der ich dort war, kamen zwei Malariapatienten in das Dorf um von unserer Krankenschwester behandelt zu werden. Dies hat mir ganz deutlich gezeigt, wie lebenswichtig ihre Arbeit für die Bewohner ist. Gäbe es sie nicht, dann wären bestimmt schon einige Menschen gestorben, da das nächste Krankenhaus in Requena, also 6-8 Stunden mit dem Boot entfernt ist. Doch dies stellt nicht nur wegen der langen Entfernung, sondern auch wegen der Kosten zum einen für das nötige Benzin, als auch für die Behandlung ein großes Problem für die Leute dar. Ich möchte mich an dieser Stelle dafür aussprechen, daß die medizinische Unterstützung für den Urwald unbedingt weitergeführt und wenn möglich erweitert werden sollte.

Was mich mit am meisten in diesem Land hier fasziniert, ist die Gastfreundschaft! Egal ob die Leute gerade Zeit oder Geld haben, man ist immer willkommen. Ich denke, davon können wir wirklich etwas lernen! Insbesondere in der Familie von Telmo (inklusive der Eltern und der sechs Geschwister von Gloria, die im selben Haus wohnen) fühle ich mich völlig integriert; es ist wirklich wie meine zweite Familie!!

Eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, ist daß wenn der Wille zu etwas besteht, nichts unmöglich ist und man es unabhängig von allen scheinbar vorhandenen Schwierigkeiten einfach angehen muß!

In diesem Sinne möchte ich meinen kleinen Bericht beenden.

Es grüßt euch alle ganz herzlich eure Barbara aus Perú!

Brief von Rebeca Casternoque

Hallo, ich bin Rebeca, die Tochter von Telmo Casternoque!

Wie geht es Euch, ich hoffe sehr gut. Ich will Euch erzählen, daß ich froh darüber bin, in Deutschland zu sein. Klar, daß das viel Zeit gekostet hat, aber das lange Warten hat sich gelohnt.

An dem Tag, als wir bei der Botschaft anriefen, um zu fragen, ob sie mir das Visum geben würden, waren meine Familie und ich sehr gespannt, die Antwort zu erfahren, und als sie uns sagten, daß sie mir das Visum gewähren würden, waren wir sehr aufgeregt, vor allem ich, und ich war auch ein bißchen traurig, weil ich so weit weg von meiner Familie sein würde. Aber Gott sei Dank wandelt sich diese Traurigkeit jetzt mehr und mehr in Freude um, weil ich hier gute Freunde habe, die mir ein Gefühl geben, als wäre ich bei meiner eigenen Familie.

Ich wohne in Mössingen bei der Familie Turad. Sie haben mich sehr gut behandelt, empfingen mich am Flughafen, und danach gingen wir zu einer Familienfeier. Es war sehr schön, wie sie mich empfingen, mit einem großen Plakat, auf dem "Willkommen, Rebeca!" stand, da habe ich mich wirklich gut gefühlt. Die ersten Tage waren ein bißchen hart, weil ich so gern meine Familie bei mir gehabt hätte, aber jetzt habe ich hier schon zwei Wochen verbracht und fühle mich sehr gut. Nur muß ich jetzt gut deutsch lernen, damit ich mit den Leuten sprechen kann. Seit April gehe ich in die Volkshochschule, wo ich fünf Wochen lang die Sprache lernen werde, und danach gehe ich dann in die Schule.

Bevor ich meinen Brief beende, sage ich Euch Dank für all die Hilfe, die Ihr uns und den Allerbedürftigsten erweist.

Ein großer Kuß, bis bald, Rebeca

Brief von Olivier de Metz

Nach zehn Monaten in Südamerika und nur drei Monaten in Lima, in Telmos Haus, bin ich jetzt wieder in Europa. Diese drei Monat mit Telmo und seiner Familie waren wunderbar.

Aber bevor ich ein bißchen von Lima erzähle, muß ich mich vorstellen:

Ich bin ein Franzose, 23 Jahre alt und lebe in Paris. Ich habe Betriebswirtschaft studiert und war dann sechs Monate lang in Buenos Aires, Argentinien, um dort ein Master-Diplom zu machen, und um in einer französischen Firma zu arbeiten. Nach dieser Erfahrung wollte ich Südamerika nicht verlassen, ohne noch ein bißchen zu helfen.

So fing ich in Buenos Aires an zu suchen, bis ich schließlich in Lima auf El Buen Samaritano stieß. Es hätte sich nichts besseres finden können!

Ich begann meine Arbeit in der menschlichen Ansiedlung José Carlos Mariátegui, die Ihr sehr gut kennt, um dort bei der Schaffung von Kleinstunternehmen zu helfen. Die Resultate waren ziemlich positiv, denn es konnten zwei Kleinstunternehmen entstehen, ein Friseursalon und eine Schusterei, was etwa 12 bis 20 Menschen Arbeit gibt, je nach dem Geschäft der Woche.

Die Arbeit bestand auch darin, den armen Familien in José Carlos Mariátegui zu helfen. Ich war auch in der wunderbaren Schule des Vereins. Es ist so schön diese Kinder lernen zu sehen, einige von ihnen sind so arm und so mißhandelt.

Aber nach einiger Zeit in José Carlos Mariátegui merkte ich, daß es in den Straßen von Lima viel Not gibt, und so arbeitete ich drei Monate lang vor allem auf der Straße.

Es kommt mir immer noch unvorstellbar vor, daß es kleine Geschöpfe von sechs bis neuen Jahren gibt, die allein in Tunnels und unter Brücken leben, und vor allem, das diese Geschöpfe Menschen sind. Nachdem ich sie einige Monate kennengelernt habe, ist in mir der Wunsch erwachsen, sie von der Straße und vom Klebstoffschnüffeln wegzubringen.

Das Projekt, das Telmo und ich gemacht haben, ist der Bau eines Entgiftungs- und Rehabilitationszentrums für sie im Rahmen von El Buen Samaritano. Ich habe auch schon angefangen, nach Mitteln zu suchen.

Viele Grüße, Olivier

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Anmerkung: Alle Texte (außer dem Bericht von Barbara Franz) wurden von Holger v. Rauch aus dem Spanischen übersetzt.

 


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