EL BUEN SAMARITANO e.V.


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Protokoll der Mitgliederversammlung
am 4. Juli 1998 in Mössingen

Tagesordnung

Teilnehmerzahl: 19, davon Mitglieder: 14

Nach offizieller Begrüßung stellte der 1. Vorsitzende Holger v. Rauch alle Anwesenden kurz vor. Viele von denen, die El Buen Samaritano Perú bereits vor Ort kennengelernt hatten, waren anwesend, so Clemens Oberle, Ulrike Sallandt, Regine Brehm, Nic Turad, Martin und Renate v. Rauch, Godela von Döhren. Anwesend war auch Barbara Franz, die ab August 1998 für zehn Monate in Perú sein wird.

Nach der Vorstellungsrunde gab Dr. med. Angela Raestrup als 2. Vorsitzende einen Überblick über Zahlen unseres deutschen Vereins. Im Jahr 1997 betrug die Zahl der Mitglieder 37, Spender waren es 92 und Rundbriefempfänger ca. 120. Die Höhe der monatlichen Überweisungen beträgt im Mittel DM 3.500 (= US-$ 2.000). Angefangen hatte der Verein mit DM 400 monatlich (1990).

Darauf gab Holger v. Rauch eine Übersicht über die Themen:

  1. Entwicklung der Vorschule in Mariátegui
  2. Das Projektvorhaben der Psychologin Patty Carazas in Mariátegui
  3. Entwicklung der medizinischen Versorgung in Mariátegui
  4. Pläne für eine erneute Handarbeitswerkstatt in Mariátegui
  5. Antrag auf Änderung der Satzung
  6. Das Projekt rescate, Hilfsprogramm für die pirañitas in Lima
  7. Die Projekte in Cuzco, Tacna, Chimbote, Camaná
  8. Die Möglichkeit von Versicherungen für mitarbeitende Peruaner
  9. Sporadische Geldhilfen für Aktivitäten von El Buen Samaritano
  10. Zum Merkblatt für freiwillige Helfer(innen) aus Deutschland
  11. Wahl der Kassenprüfer
  12. Bericht der Kassenprüfer
  13. Entlastung des Vorstands für die Jahre 1993 bis 1997
  14. Vorstandswahlen

Als Informationsbasis diente der ausführliche 30. Rundbrief. Dadurch, daß Telmo Casternoque noch am Vormittag ein langes aktuelles Fax geschickt hatte, konnten wir nachmittags den allerneusten Stand der Arbeit darstellen.

1. Zur Vorschule in Mariátegui. Diese Einrichtung für 60 Kinder zwischen drei und fünf Jahren soll Schwerpunkt der Arbeit bleiben. Leider reichen die Spenden kaum aus, um den Betrieb als staatlich anerkannte Vorschule zu gewährleisten. Die baulichen Gegebenheiten entsprechen schon jetzt nicht mehr den immer strenger werdenden Anforderungen. Auch ein umfriedeter Hof für den Aufenthalt außerhalb der drei Klassenräume fehlt. Da Telmo Casternoque seit der Gründung der Schule immer wieder von den Bewohnervertretern Mariáteguis unter Druck gesetzt wird, weil aus dem staatlichen Grundstück, auf dem die Vorschule steht, laut Bebauungsplan ein Park hätte werden sollen, wurde beschlossen, die Entwicklung in diesem Schuljahr abzuwarten und bei anhaltenden Schwierigkeiten zu versuchen, Telmo Casternoques Wunsch nach einem eigenen Grundstück an einem anderen Ort zu entsprechen. Dafür würden wir aber erheblich mehr Mittel als zur Zeit benötigen. Eine von den Eltern der Vorschulkinder gewünschte Ausdehnung auf ein 1. und 2. Grundschuljahr ist zur Zeit weder sinnvoll noch finanzierbar. Es wurde angeregt, daß stattdessen schulbegleitende Fördermaßnahmen für ehemalige Vorschulkinder angeboten werden könnten.

2. Die Psychologin Patty Carazas hat ein Projekt aufgestellt, um zusammen mit einer weiteren Kraft zehn bis 15 entwicklungs- und verhaltensgestörten Kindern der Vorschule zu helfen. Das Projekt wurde positiv eingeschätzt, jedoch fehlt es leider auch hierzu an Mitteln. Daher wurde angeregt, Patty vorzuschlagen, daß sie allein und mit nur fünf Kindern anfangen könnte.

3. Zu Ende des Jahres wird das Emaus-Ärzteteam voraussichtlich seine Mitarbeit einstellen, und zwar deshalb, weil wir nur 200 Dollar monatlich zur Verfügung stellen können. Der Leiter der Organisation hatte an Telmo Casternoque die Bedingung gestellt, daß auch Medikamente gekauft und vor allem bessere Behandlungsbedingungen geschaffen würden (Räumlichkeiten, Instrumentarium, Beleuchtung). Diese Bedingungen sind derzeit und wohl auch in naher Zukunft nicht erfüllbar, daher sollen die monatlichen 200 Dollar für Medikamente in Camaná, der Cocha del Caro Curahuate im Urwald und Mariátegui verwendet werden.

Hierauf wurde noch einmal grundsätzlich debattiert, wie wir die stets knappen Mittel verteilen wollen. Letzten Endes sei es am sinnvollsten, mit den laufenden Geldern die Arbeit der Vorschule zu unterstützen, damit wenigstens hier ein regelmäßiges Funktionieren garantiert ist. Sonderspenden können darüber hinaus als sporadische Hilfen an andere Projektteile fließen (vgl. Punkt 9). Es wurde auch noch einmal deutlich, wie viele gute, unterstützungswürdige Vorhaben im Laufe der Zeit entstanden sind.

4. Eine Handarbeitswerkstatt könnte neu aufleben, in der die Frauen vom "gemeinsamen Kochtopf" Mariáteguis das Nähen erlernen würden. Nötig wären weitere Nähmaschinen und ein kleines Gehalt für die Lehrkraft. Auch in diesem Punkt waren sich alle Teilnehmer einig, daß die Idee unterstützungswürdig ist, jedoch bei gleichbleibendem Spendenaufkommen keine Priorität hat.

5. Der Antrag auf Änderung der Satzung von Ulrike Sallandt sah vor, §1 Abs. 3 über den Zweck des Vereins mit dem Zusatz zu versehen "und für die Unterstützung geistlich-christlicher Arbeit im Sinne der ganzheitlichen Mission". Dadurch würde aus dem bisher nur auf soziale Dienste ausgerichteten Verein ein christlicher Verein. Ein Hintergrund für das Anliegen ist die Tatsache, daß unsere Partner in Perú ihre Arbeit in erster Linie als missionarische Arbeit ansehen und deshalb auch Geldmittel für rein kirchliche Zwecke für wichtig halten.

Im folgenden nahmen die Anwesenden hierzu Stellung.

Die Meinungen dafür waren:

  1. Der Verein befürwortet sowieso das Prinzip der integralen Mission von El Buen Samaritano Perú, so daß es folgerichtig wäre, diesem Anliegen Telmo Casternoques zu entsprechen.
  2. Telmo Casternoque wird seit der Vereinsgründung von seinen Missionsbrüdern kritisiert, weil er mit einem nicht-christlich ausgerichteten Verein zusammenarbeitet.
  3. Mancher Spender würde dann stärker hinter dem deutschen Verein stehen und zum Beispiel Mitglied werden wollen.
  4. Es würde nicht zu Situationen kommen, in denen beispielsweise diskutiert werden müßte, zu welchen konkreten kirchlich-sozialen Zwecken Spenden etwa einer christlichen Einrichtung an El Buen Samaritano e.V. verwendet werden können und zu welchen nicht.

Die Meinungen dagegen waren:

  1. Die Unterstützer unseres Vereins haben unterschiedliche religiöse Überzeugungen. Eine ideologische Festlegung des Vereins würde den Austritt verschiedener Mitglieder zur Folge haben.
  2. Die Möglichkeit, Spenden für rein kirchliche Zwecke direkt auf Telmo Caternoques Konto zu überweisen, reicht aus, auch wenn dann über die Beträge keiner eine anerkannte Spendenquittung ausstellen könnte.
  3. Als Alternative könnte ein separater Verein gegründet werden, der mit uns ähnlich wie die Wilhelm Oberle-Stiftung und die Allerweltschachtel Freiburg zusammenarbeiten könnte.
  4. Als christlicher Verein müßten wir uns auch mit den Inhalten der dort praktizierten Mission auseinandersetzen, und wir würden schwerlich einen gemeinsamen Nenner finden.
  5. In Perú wird anders missioniert als die Deutschen es allgemein vertreten wollen.
  6. Da Telmo Casternoque schlecht neinsagen kann und seinen Missionsbrüdern helfen will, besteht die Gefahr, daß er die Gelder freigebig an andere Missionare verteilen würde.
  7. Bei El Buen Samaritano Perú selbst herrscht an den verschiedenen Orten in Glaubenssachen ebenfalls keine Einigkeit.

Sodann kam es zur Abstimmung. Der Antrag wurde mehrheitlich bei zwei Dafürstimmen und keinen Enthaltungen abgelehnt.

6. Das bisher von uns nicht finanziell geförderte von Ricardo Candia geleitete Programm rescate (Rettung) arbeitet nach wie vor mit Straßenkindern (pirañitas) in Lima. Es herrschte unter den Mitgliedern Einigkeit, daß diese sinnvolle Arbeit hohe Priorität bei der Verwendung unserer Spendengelder hat. Trotzdem kann selbst für dieses Programm zur Zeit kein Geld zur Verfügung gestellt werden.

7. Nun wurde über den Wunsch diskutiert, die nach der gleichen Idee arbeitenden Niederlassungen in Cuzco, Tacna, Camaná und Chimbote zu fördern. In Cuzco wird das über die Wilhelm Oberle-Stiftung geförderte Projekt in der Bauerngemeinde Tambo Machay zum Abschluß gebracht. Nach dem gleichen Modell soll nun der 15 km von Cuzco entfernt gelegene Ort Quillahualta mit 10.000 bis 20.000 DM gefördert werden. Clemens Oberle kündigte seine Reise dorthin im nächsten Jahr an, bei der er diese verschiedenen Orte besuchen und eventuell fördern könnte.

8. Die Möglichkeit, mehr Peruanern als bisher eine Sozialversicherung zu zahlen, wurde diskutiert. Da zum Beispiel Ricardo Candia kein Gehalt bekommt und auch nicht krankenversichert ist, könnten wir ihm zumindest durch die Zahlen seiner Versicherungbeiträge langfristig sinnvoll helfen. Telmo Casternoque soll gebeten werden, herauszufinden, wie dies am sinnvollsten umgesetzt werden könnte.

9. Sporadische Hilfen für Aktivitäten von El Buen Samaritano und seinen Niederlassungen in Perú, die wir nicht regelmäßig unterstützen können, sollen durch Spenden mit entsprechender Zweckbestimmung ermöglicht werden.

10. Das Informationsblatt für freiwillige Helfer(innen) (vgl. 30. Rundbrief, S. 113 f) soll an zwei Stellen abgeändert werden:

Punkt Nr.2 wird herausgenommen, denn eine Mitarbeit von Deutschen vor Ort wirkt sich auch positiv auf die Zusammenarbeit zwischen El Buen Samaritano in Perú in Deutschland aus, und ist demnach nicht nur für die Helfer(innen) sondern auch für unseren Verein von Bedeutung.

In Punkt Nr.8 soll der Satz "Im eigenen Interesse betont man den eigenen Status als lediglich freiwilliger Helfer, der innerhalb der Organisation in Deutschland ‚nichts zu sagen’ hat" umformuliert werden, damit er nicht demotivierend wirkt. Er soll mit den Worten enden "nichts alleine entscheiden darf".

Auch wollen wir zukünftige Helfer(innen) besser auf die aktuellen Verhältnisse vorbereiten.

11. Zu Kassenprüfern wurden Clemens Oberle und Nic Turad gewählt. Sie nahmen die Wahl an.

12. Die Kassenprüfer berichteten über die sorgfältige Buchführung durch Dr. med. Angela Raestrup in den Jahren 1993, 1994, 1995, 1996 und 1997.

13. Folgend beantragten die Kassenprüfer die Entlastung des Vorstands für die o.g. Jahre, also die Zeit seit der letzten Mitgliederversammlung. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

14. Holger v. Rauch kandidierte erneut für das Amt des 1. Vorsitzenden, Dr. med. Angela Raestrup für jenes als 2. Vorsitzende. Weitere Kandidaturen gab es nicht. Der Vorstand wurde einstimmig in seinem Amt bestätigt.

Darüber hinaus wurde für Mitglieder die Möglichkeit genannt, formlos Projektleiter für eines der zahlreichen Programme zu werden und sich dafür gezielt einzusetzen.

Holger v. Rauch bedankte sich für die Teilnahme und schloß die Versammlung.

Steinfurt, 04.08.98

gez. Dr. med. Angela Raestrup


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