EL BUEN SAMARITANO e.V.


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Anmerkungen zum peruanischen Bildungssystem

Anders als in Deutschland sieht das peruanische Bildungssystem die Vorschule als obligatorisch vor. Sie hat die Aufgabe, die Kinder auf den Schulbesuch vorzubereiten, und vermittelt auch einiges an relevanten Kenntnissen, wie etwa die Zahlen bis zehn, die Farben und anderes mehr.

Ein 1997 vom Bildungsministerium vorgelegtes Reformkonzept wertet die Rolle der Vorschulen insofern noch weiter auf, als es vorsieht, aus den Primärschullehrplänen alles herauszunehmen, was schon in der Vorschule behandelt wird, um Wiederholungen zu vermeiden.

Diese im Vergleich zum deutschen Bildungssystem (wo Vorschule kaum mehr ist als ein Etikett für das entsprechende Lebensalter zwischen vier und sechs Jahren) wichtige Aufgabe, die den Vorschulen in Perú zufällt, beruht gewiß auf einer sozialen Idee, die mehr Bildungsgerechtigkeit und somit Chancengleichheit schaffen will. Durch die gleichartige Vorbereitung aller Kinder auf die Schule soll der Nachteil der armen Kinder aus möglicherweise analphabetischen Elternhäusern, wo es keine Spielsachen, kein Papier und keine Stifte gibt, ausgeglichen werden.

Vor dem Hintergrund der peruanischen Realität von Chancengleichheit zu sprechen, klingt indes wie Hohn. Und natürlich erreicht auch das Vorschulwesen keine Gerechtigkeit. Denn die Vorschulen in den Reichenvierteln Limas, wo hohe Gebühren verlangt werden, sind viel besser ausgestattet und verfügen über hochqualifiziertes Personal - und die Kinder werden meist noch von den Eltern oder eigens für sie beschäftigten Pädagogen zusätzlich unterwiesen.

Die Kinder der Allerärmsten hingegen - Schulpflicht hin, Schulpflicht her - besuchen keine Vorschule, denn dort, wo sie leben, gibt es vielleicht keine, oder ihre Eltern können sie sich nicht leisten.

Ein großer Teil der Vorschulen sind privat, auch in den Armutsgebieten, und verlangen Schulgebühren. Aber auch der Besuch der gebührenfreien staatlichen Vorschulen und ebenso der weiterführenden Schulen ist keineswegs kostenlos. In peruanischen Schulen herrscht Uniformpflicht (auch eine soziale Idee, die Gegensätze aufheben will), und die Uniform mit Schuhen muß gekauft werden. Ferner Hefte, Stifte, Bücher. Die Schulen in den Armenvierteln sind ungenügend ausgestattet, und häufig kommen die Kinder mit der Mitteilung nach Hause, sie müßten am nächsten Tag diesen oder jenen Geldbetrag zum Kauf etwa von Kreide oder zur Reparatur des Mobiliars mitbringen. Hinzu kommen außerunterrichtliche Aktivitäten, wie Ausflüge oder allfällige Feiertagsprogramme.

Die Privatschulen in den Armutsvierteln müssen vor allem billig sein, damit sie sich jemand leisten kann. Trotzdem sollen sie natürlich Gewinn erwirtschaften. Deshalb werden dort Lehrkräfte meist nur auf der Basis von Dreimonatsverträgen eingestellt, denn damit entfallen für die Schulträger Arbeitgeberpflichten wie Sondervergütungen und vor allem Lohnfortzahlung während der Schulferien. Für die Kinder heißt das, sich alle drei Monate auf eine neue Lehrkraft einstellen; für die Lehrkräfte, sich in kurzer Zeit auf die Kinder und ihre besonderen Eigenschaften einzustellen, falls sie unter diesen Bedingen überhaupt dazu motiviert sind. Auch in den staatlichen Schulen bestehen beim unterbezahlten Personal Motivationsprobleme. Die meisten haben neben dem Lehrerberuf noch mindestens einen weiteren Job, um überleben zu können. Manchmal finden monatelange Lehrerstreiks statt, und die Kinder haben Ferien.

Die vielleicht größte Herausforderung an das an Gaben der Natur so reiche Perú ist die Bewältigung des Bildungsnotstandes. Die Geburtenrate ist hoch, die Bevölkerung ist jung. Nur wenn es gelingt, nicht eine weitere Generation von Ahnungslosen sondern eine Generation von gebildeten und schaffenskräftigen Menschen heranzubilden, kann Perú zu dem werden, was es werden will: ein modernes Land, das seine eigenen Reichtümer vernünftig nutzt und gleichberechtigt mit den anderen Ländern auf der Welt kommuniziert.


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